Augmented Reality- Eine Technik mit Zukunft?

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Augmented Reality heißt frei aus dem Englischem übersetzt „erweiterte Realität“ und meint die Anreicherung der Realität mit digitalen Informationen, wie zum Beispiel 3D-Inhalte, in Echtzeit. Beispiele für die Anwendung von Augmented Reality kennt jeder aus dem Alltag. So sind die Einblendungen von Abseitslinien in Fußballübertragungen oder das Einblenden einer Gesichtserkennung beim Blick durch die Digitalkamera auf die Technik der Augmented Reality zurückzuführen.

Augmented Reality öffnet sich dem Massenmarkt

Für den Massenmarkt tauglich wurde die Technik mit der Einführung des iPhone 3Gs im Jahre 2009, denn das zur damaligen Zeit neuste iPhone bot als erstes mobiles Endgerät alle nötigen Voraussetzungen um die Technik der Augmented Reality anwenden zu können:

  • eine Kamera zum Einfangen der Realität
  • ein Prozessor zum Berechnen der Ein- und Ausgabe
  • eine Software zur Verarbeitung der Logik und der Inhalte.

Besonders behilflich bei der Öffnung der AR-Technik zum Massenmarkt waren die sogenannten AR-Browser (AR= Augmented Reality). AR Browser wie beispielsweise „junaio“ sind meist frei zugängliche Apps, auf denen Nutzer und somit auch Unternehmen nach Belieben AR-Inhalte, bei junaio sogenannte „channels“, erstellen können. Haben sich potenzielle Kunden dann die jeweilige App des AR-Browsers auf ihr Handy oder Tablet geladen, können sie darüber an die Inhalte der Unternehmen gelangen. Geeignet ist diese Technik jedoch für große Unternehmen kaum, da es einen großen Pool aus AR-Inhalten in den Servern der AR-Browser gibt und somit keine Möglichkeit besteht den Kunden gezielt zu eigenen Inhalten zu navigieren. Für große Händler im Online-Bereich sind lediglich eigene Apps rentabel. Apps, die man in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen verwenden kann.[1]

Marketing und Logistik als mögliche Anwendungsbereiche

Mercedes Augmented Reality

Veranschaulichung von „Mercedes Intelligent Drive“ mittels AR-App [2]

Im Bereich des Marketings testeten einige Unternehmen Augmented Reality bereits zum „Interactive Marketing“. Dabei wurden meist potenzielle Kunden an öffentlichen Orten in eine erweiterte Realität geführt und so direkt in die Werbung mit eingebunden. Videos zu diesen Aktionen sollten dann viral gehen, um so die Markenpräsenz zu steigern. Diese Art des Marketings wird auf Grund seiner hohen Kosten und seines vermeintlich geringen Nutzens jedoch häufig kritisiert. [3] Es gibt aber auch Möglichkeiten perfomance-orientiert Werbung mit Hilfe von Augmented Reality auszusteuern. Mercedes-Benz gestaltete dafür eine eigene App bezüglich ihrer im Auto integrierten Service-Funktionen „Mercedes Intelligent Drive“. Dazu wurden an über 500.000 ausgewählte Kunden per Post eine Art ausklappbare Landschaft verschickt, in der über die jeweilige AR-App einzelne Szenen zum Mercedes Fahrsystem eingespielt und so die einzelnen Features anschaulich erklärt wurden. Dies generierte einige Kontakte und Probefahrten, weswegen Mercedes dieses Projekt durchaus positiv beurteilte.[4]
Vision Picking

„Vision Picking“ bei der DHL mit Hilfe von Datenbrillen [6]

Augmented Reality lässt sich ebenfalls im Bereich der Logistik anwenden. So startete DHL in den Niederlanden 2014 ein Pilotprojekt, in dem drei Wochen lang zehn ausgewählte Mitarbeiter mit Datenbrillen arbeiteten. Über diese Datenbrillen wurden den jeweiligen Mitarbeitern die einzelnen Arbeitsschritte ins direkte Sichtfeld eingeblendet und ihnen so die Kommissionierung erleichtert. Das Ergebnis für DHL war sehr zufriedenstellend, denn durch die Anwendung von Augmented Reality ihn ihrem Hochregallager ließ sich die Effizienz um 25 Prozent steigern, bei gleichzeitiger Reduzierung der Fehlerquote auf genau null Prozent. Somit hat das Experiment unter Beweis gestellt, dass die AR-Technologie eine logistische Weiterentwicklung darstellen kann.[5]

Virtuelle Anproben als „Bekämpfer“ der Retourenquote

OTTO virtuelle Anprobe

Die virtuelle Anprobe von OTTO auf Facebook [7]

Das für den E-Commerce wichtigste Anwendungsfeld ist die Nutzung von Augmented Reality zur Optimierung des Kundenerlebnisses. So gibt es bereits einige Beispiele von Online-Händlern die in der Praxis auf Augmented Reality setzen. Die Technik findet dann zumeist in der „virtuellen Anprobe“ Anwendung, die es den Usern ermöglicht ausgewählte Produkte vor dem PC mittels Webcam, aber vor allem über Mobile Devices, direkt am eigenen Körper anzuprobieren. Als einer der ersten Online-Händlern probierte sich OTTO mit einem Pilotprojekt 2011 an der Implementierung der AR-Technik auf ihrer Facebookseite. Dieser Versuch verlief jedoch nicht ausschließlich positiv, da die virtuelle Anprobe zu unnatürlich wirkte und die einzelnen Kleidungsstücke nicht immer in optimaler Größe auf den eigenen Körper projiziert werden konnten.[8] Bessere Erfahrungen mit der AR-Technik haben IKEA und Misterspex gesammelt. IKEA implementierte die Technik 2014 in ihren Katalog. Als Trackingmotiv konnte der IKEA-Katalog in den Raum gelegt werden und um den Katalog herum das jeweilige Möbelstück maßstabsgetreu in sein eigenes Wohnzimmer gestellt werden. Aber auch ohne Katalog ließen sich die Produkte einfach und unkompliziert über eine App im Raum platzieren.[9] Misterspex setzt im komplizierten Online-Brillen-Geschäft schon lange neben der Foto- auf die virtuelle Anprobe. Schnell und unkompliziert lassen sich per Webcam sehr viele Brillen aus dem Sortiment online anprobieren. Die Technik bei misterspex ist zudem sehr gut ausgereift und ermöglicht eine realitätsnahe Darstellung. So schafft Misterspex die vermeintlich unumgängliche persönliche Beratung adäquat zu ersetzen. Daten und Statistiken in wie weit Augmented Reality die Retourenquote verringern kann, konnten im Zuge der Recherche leider nicht gefunden werden. Eine dauerhafte Implementierung im Online-Shop von Misterspex zeigt jedoch, dass die virtuelle Anprobe dem User einen Mehrwert bietet und dem Händler womöglich eine Kostenreduzierung durch eine sinkende Retourenquote beschert. Die Technik der Augmented Reality könnte somit einen enorme Fortschritt bei der wohl schwierigsten Aufgabe im E-Commerce, der Reduzierung der Retouren, bedeuten. Neben den klassischen Retailern haben auch schon Marken an und mit der AR-Technik gearbeitet. So startete L’Oréal Paris Ende 2014 die „Make Up Genius App“, in der Nutzerinnen die neusten Schminktrends anhand der virtuellen Realität direkt an sich selbst ausprobieren konnten. Dafür entwickelte man einen Gesichtsmapping Algorithmus, der das Gesicht in Echtzeit scannt und die ausgewählten Looks mit einem einfachen Klick realitätsnah überträgt. Zudem bot man den Kunden die Möglichkeit, die gewünschten Artikel der jeweiligen Look’s direkt über die App bei Amazon  zu bestellen.[10]

Steigender Traffic über Mobile Devices offenbart großes Potenzial

Anteile am weltweiten E-Commerce Traffic

Anteile am weltweiten E-Commerce Traffic [12]

Zusammenfassend kann man Augmented Reality somit positive Zukunftsaussichten bescheinigen. In vielen Bereichen lässt sich die Technik implementieren und kann bestehende Systeme gewinnorientiert weiterentwickeln. Beachtet man auch die weltweiten Trafficzahlen über Mobile Devices, die zwischen 2011 und 2014 von elf Prozent auf einen Anteil von 51 Prozent stiegen (Tendenz weiter steigend), bestätigt sich der Eindruck, dass ein Markt für die AR-Technik vorhanden ist und dieser viel Potenzial beherbergt. Ein weiteres Indiz für die Aktualität des Themas ist der Verkauf der Augmented Reality Produzentenfirma metaio Ende Mai an Apple. Hier darf man in Zukunf gespannt sein, wie Apple diese Technik weiterentwickeln wird.[11] Noch wird es einige Pilotprojekte und Entwicklungsarbeit geben müssen, doch dann könnten virtuelle Anproben oder weitere AR-Anwendungen in Online-Shops Alltag werden. OTTO, Misterspex, IKEA und L’Oréal haben lediglich den Anfang gemacht. Weitere Händler und Marken werden folgen.

Quellen

[1] Augmented-Minds.com; „Augmented Reality“: http://www.augmented-minds.com/de/erweiterte-realitaet-anwendung/was-ist-augmented-reality  (abgerufen: 01.07.2015)

[2] Screenshot von YouTube.de, „Mercedes Augmented Reality App-DE“ (Kanal: elephantseven): https://www.youtube.com/watch?v=6_XRQHyASZU (abgerufen:01.07.2015)

[3] Marketing-boerse.de, „(Mobile) Augmented Reality- Hype oder nachhaltiges Marketinginstrument?“: http://www.marketing-boerse.de/Fachartikel/details/Mobile-Augmented-Reality-%96-Hype-oder-nachhaltiges-Marketinginstrument/33276 (abgerufen:01.07.2015)

[4] YouTube.de, „Mercedes Augmented Reality App-DE“ (Kanal: elephantseven): https://www.youtube.com/watch?v=6_XRQHyASZU (abgerufen:01.07.2015)

[5] Deutsche Post DHL Group,“DHL testet erfolgreich Augmented Reality-Anwendung im Lagerbetrieb“: http://www.dpdhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2015/dhl_testet_augmented_reality-anwendung.html (abgerufen:01.07.2015)

[6] Deutsche Post DHL Group, „Vision Picking- Waren einsammeln“: http://www.dpdhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2015/dhl_testet_augmented_reality-anwendung.html (abgerufen:01.07.2015)

[7] TwoForFashion, „Neu bei OTTO: die virtuelle Anprobe“: https://www.otto.de/twoforfashion/die-virtuelle-anprobe/31812/ (abgerufen:01.07.2015)

[8] otto.de, „Virtuelle Anprobe: OTTO startet Augmented Reality-Shop auf Facebook“: https://www.otto.de/unternehmen/de/newsroom/news/2011/virtuelle-anprobe.php (abgerufen: 01.07.2015)

[9] Die Welt, „IKEA projiziert Möbel in die eigene Wohnung“: http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article119525750/Ikea-App-projiziert-Moebel-in-die-eigene-Wohnung.html (abgerufen:01.07.2015)

[10] L’Oréal Paris, „L’Oréal Paris lanciert Beauty App“: http://www.loreal.de/news/loreal-paris-lanciert-beauty-app.aspx (abgerufen:01.07.2015)

[11] Golem.de, „Apple kauft Münchener Augmented-Reality-Firma“: http://www.golem.de/news/metaio-apple-kauft-muenchner-augmented-reality-firma-1505-114330.html (abgerufen: 01.07.2015)

[12] eigene Darstellung

Tobias Bogotzek

Tobias Bogotzek

Tobias Bogotzek studiert E-Commerce (Studienziel Bachelor) mit Schwerpunkt Wirtschaft an der FH Wedel. Als dualer Student ist er zugleich bei der Otto (GmbH & Co KG) in Hamburg tätig.
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Autor: Tobias Bogotzek

Tobias Bogotzek studiert E-Commerce (Studienziel Bachelor) mit Schwerpunkt Wirtschaft an der FH Wedel. Als dualer Student ist er zugleich bei der Otto (GmbH & Co KG) in Hamburg tätig.

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