Ratepay

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Was ist Ratepay?

Das Unternehmen Ratepay ist spezialisiert auf Ratenzahlung und Rechnungskauf im Internet. Es wurde im Jahr 2009 von Alexis Giesen, Michael Röbbecke und Miriam Wohlfarth gegründet. Ratepay hat seinen Sitz in Berlin und ist ein 100%iges Tochterunternehmen der KG EOS Holding GmbH & Co (Otto Group).

Das Geschäftsmodell im Überblick

Ratepay übernimmt die Forderungen von Händlern, zahlt diesen den Warenwert abzüglich der Servicekosten aus und übernimmt somit das komplette Risiko bei einem Zahlungsausfall.

Was unterscheidet Ratepay von einer klassischen Bank?

Im Wesentlichen liegt der Unterschied darin, dass Ratepay in Echtzeit arbeitet. Eine klassische Bank benötigt jedoch mehrere Tage für die Abwicklung. Der Kaufabschluss online mit der Finanzierung bei einer Bank lief früher nur über ein Postident-Verfahren, bei dem der Kunde bestellt, die Zahlungsart Ratenkauf auswählt und mit dem Kreditantragsformular sowie dem Personalausweis zur nächsten Postfiliale gehen muss. Dort vergleicht der Postmitarbeiter die angegebenen Daten und leitet dann die Unterlagen an die Bank weiter. Die Bank prüft die Bonität und gibt eine Rückmeldung an den Händler, ob die Ware versendet werden kann. Der Nachteil bei diesem Verfahren besteht darin, dass es einen Medienbruch gibt. Es besteht die Gefahr, dass der Kunde aus Bequemlichkeit den Kauf abbricht.

Wie sieht der Ablauf bei Ratepay aus?

Der Onlineshop Kunde sitzt an seinem Computer und kann wie gewohnt im Onlineshop stöbern. Nachdem er sich entschieden hat, welchen Artikel er bestellen möchte, legt er diesen in den Warenkorb ab. Daraufhin muss er sich gegebenenfalls in dem Onlineshop registrieren und seine persönlichen Daten eingeben.

Funktionsweise von Ratepay

Die Funktionsweise von Ratepay

Im nächsten Schritt werden diese Daten im Hintergrund an Ratepay übermittelt und ausgewertet. Danach folgt ein Scoring anhand folgender Daten: Dazu zählen der Wohnort, die Höhe des Warenkorbes, die Artikel im Warenkorb, der Zeitpunkt der Bestellung, Email-Adressen und eventuell zusätzlich interne Daten wie Blacklists/Whitelists und Retouren-Blacklists. Sollten die eben erwähnten Daten nicht ausreichen, besteht eine weitere Möglichkeit externe Datenquellen einzuholen. Dazu gehören die Schufa, Arvato Infoscore, Accumio, CEG und Bürgel. Die Abfrage bei diesen Auskunfteien kosten jedoch Geld und müssen so weit wie möglich vermieden werden. Hier hat Ratepay einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Ratepay kann auf die Daten und die Erfahrung von dem Mutterkonzern Otto Group zurückgreifen. Dadurch lassen sich Abfragen bei externen Datenquellen einsparen.

Wenn die Bonität des Kunden geprüft und für gut befunden wurde, werden ihm die Ratepay Zahlungsarten angeboten. Sollte die Bonität fragwürdig sein, werden dem Kunden die Ratepay Zahlungsarten erst gar nicht angeboten und der Kunde bekommt nur Zahlungsarten, die für den Händler sicher sind, dazu zählen zum Beispiel Vorauskasse oder Sofortüberweisung. Dies erscheint einem vielleicht unbedeutend, aber es hat einen Grund. Würde die Bonitätsprüfung erst nach der Auswahl der Zahlungsart stattfinden, und die Bonität des Kunden wäre fragwürdig, müsste ihm die Zahlungsart verweigert werden. Das könnte den Kunden frustrieren, woraufhin er den Kaufabschluss abbrechen würde.

Die Servicekosten

Die Servicekosten werden nach den Kriterien Shop-Umsatz, Warenkörbe, Retourenquote und Warensegment für jeden Händler individuell ermittelt. Hierbei spielt das Warensegment eine wichtige Rolle. Dieses ist ausschlaggebend für die Höhe der Servicekosten. Das Warensegment wird bei Ratepay in drei Risikoklassen untergliedert, Low Risk, Medium Risk und High Risk. Artikel die unter Low Risk eingestuft werden sind zum Beispiel Heimwerkerartikel und Gartenmöbel; zu den High Risk Artikeln gehören Consumer Electronics und Schmuck. Der Grund für diese Einstufung liegt in der Betrugswahrscheinlichkeit. Je einfacher es ist, einen Artikel wieder weiter zu veräußern, desto höher ist die Betrugswahrscheinlichkeit. In der Regel bewegen sich die Servicekosten für die Händler zwischen 3,5 und 7 Prozent.

Welche Vorteile ergeben sich für den Händler und für den Kunden?

Der Händler kann damit rechnen, dass nach Einführung der Ratepayprodukte der Umsatz steigt, weil neue Zielgruppen angelockt werden. Der Händler hat außerdem eine bessere Liquidität, weil ihm das Geld in der Regel nach drei Wochen ausgezahlt wird und er einen 100%igen Schutz vor einem Zahlungsausfall hat.

Die Vorteile für den Kunden ergeben sich daraus, dass er seine Ware schnell erhält und erst nach Eintreffen der Ware zahlen muss. Der Kunde muss sich nur im Onlineshop anmelden und braucht keine Mitgliedschaften oder Konten bei weiteren Akteuren.

Fazit

Dieser Service ist sowohl für den Händler als auch für den Kunden eine schnelle und unkomplizierte Angelegenheit. Einer der wesentlichen Nachteile sind die hohen Kosten für beide Seiten. Der Händler zahlt bis zu 7 Prozent auf den entstandenen Umsatz und der Online Shop Kunde zahlt über 13 Prozent Zinsen p.a., was im Vergleich mit Krediten bei klassischen Banken fast doppelt so hoch ausfällt.

Quellen:
Unternehmenspräsentation Ratepay Juni 2012
http://www.deutsche-startups.de/?p=23433
http://www.deutsche-startups.de/?p=34652
http://www.internetworld.de/Heftarchiv/2010/Ausgabe-26-2010/Finanzierung-auf-einen-Klick

Dieser Blogartikel wurde im Rahmen der Vorlesung E-Commerce-Systeme im Sommersemester 2012 erstellt. Unter Anleitung von Prof. Dr. Holger Schneider haben die Studierenden sich mit einem ausgewählten Thema näher befasst, eine kurze Präsentation im Rahmen der Vorlesung gehalten und einen Blogbeitrag für WebZapper geschrieben. Inhaltlicher Stand ist jeweils Juni 2012.
Weitere Informationen zur Beitragsreihe „E-Commerce-Systeme“ findest Du hier.
Dieter Schlack

Autor: Dieter Schlack

Dieter Schlack studiert E-Commerce im Bachelor-Studiengang an der FH Wedel.

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  1. Pingback: Start der Beitragsreihe E-Commerce-Systeme | WebZapper

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