Marktüberblick ERP-Systeme

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Unter Enterprise Ressource Planning wird „die unternehmerische Aufgabe verstanden, alle vorhandenen Ressourcen eines Unternehmens (z.B. Kapital, Betriebsmittel oder Kapital) für den betrieblichen Ablauf möglichst effizient einzuplanen“.
Quelle: www.erp-guide.de

Allgemein dienen ERP-Systeme dazu, das (gesamte) Unternehmen und die mit der unternehmerischen Tätigkeit zusammenhängenden Kennzahlen (Key Performance Indicators) innerhalb eines Systems abbilden und  gleichzeitig zugänglich machen zu können. Ein ERP-System kann also – und das hängt vor allem von der Wahl des eingesetzten bzw. implementierten Systems ab – unternehmerische Prozesse darstellen. Typischerweise werden einzelne Business Units (Geschäftsbereiche) des Unternehmens, wie z.B. das Rechnungswesen, die Personalwirtschaft oder auch die Logistik an ein ERP-System „angeschlossen“. Somit fließen Kennzahlen einzelner Unternehmensbereiche in das implementierte ERP-System und können dort auf einer einheitlichen Oberfläche dargestellt werden.

Exemplarische Übersicht über ein ERP-System und die innerbetriebliche Verflechtung

 

Quelle: Eigene Darstellung

Grundsätzlich lassen sich ERP-Systeme in drei verschiedene Varianten unterscheiden:

  • Softwarelösung eines Dienstleisters (z.B. SAP)
  • Open-Source Lösung (vgl. Artikel in der Computerwoche; aufgerufen am 29.05.13 18:43)
  • Eigene Lösung

Häufig findet man gerade bei großen Unternehmen standardisierte Lösungen wie die oben erwähnte von SAP, während Open-Source-Lösungen natürlich aus Kostengründen eher für kleinere Unternehmen oder KMUs (Klein- und Mittelständische Unternehmen) in Frage kommen. Eigene Lösungen sind naturgemäß sehr kostenintensiv, werden aber häufig in Unternehmen entwickelt, in denen sehr individuelle Lösungen nötig sind. Diese Lösungen können durch die Anbieter am Markt vielleicht nicht geliefert bzw. erfüllt werden.

Nachfolgend sollen kurz die varianten-unabhängigen Vorteile von ERP-Systemen aufgelistet werden:

  • Abbildung der Unternehmensprozesse:

Ein klarer Vorteil ist die Tatsache, dass (theoretisch) alle relevanten Kennzahlen des Unternehmens innerhalb eines Systems abgebildet werden können.

  • Informationsaustausch & Kommunikation im Unternehmen

Durch die Darstellung der einzelnen BUs im ERP-System kann eine höhere Transparenz innerhalb des Unternehmens geschaffen werden, die den Informationsaustausch erleichtern und Prozesse vereinfachen kann. Denkt man z.B. daran, dass ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb den Lagerbestand eines Produktes nachschauen kann, um absehen zu können, ob er dieses Produkt bewerben sollte oder es schon ausverkauft ist. Ohne ein ERP-System müsste er im Lager des Unternehmens nachfragen und dies würde den Kommunikationsaufwand sehr erhöhen, wenn dies bei jedem Produkt geschehen müsste.

Natürlich birgt ein ERP-System nicht nur Vorteile, sondern bringt auch folgende Nachteile mit sich:

  • Komplexität:

In einem kleinen Betrieb mit z.B. 8 Mitarbeitern mag es verhältnismäßig einfach sein, alle relevanten Kennzahlen in einem ERP-System darzustellen bzw. dieses zu implementieren. Mit der Größe des Unternehmens steigt jedoch naturgemäß die Komplexität und damit auch die Schwierigkeit der Implementierung eines ERP-Systems.

  • Kosten:

Lässt man Open-Source-Lösungen außen vor, die selbstverständlich auch Anpassungsbedarf mit sich bringen, sind ERP-Systeme vielfach ein großer Kostentreiber in Unternehmen. Hier müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden: Zum Einen ist die Implementierung einer ERP-Lösung eines Anbieters ein sowohl aufwändiger wie auch kostenintensiver Bereich. Zum Anderen dürfen die wiederkehrenden Kosten des Betriebs eines ERP-Systems nicht außer Acht gelassen werden. Typischerweise muss ein Unternehmen für Lizenzen für die Nutzer des Systems bezahlen. Zwar sind diese Kosten skalierbar, können aber abhängig von der Nutzerzahl leicht einen Millionenbetrag erreichen.

  • Aktualität:

Möchte man die Vorteile eines ERP-Systems nutzen können (s.o.) muss dafür gesorgt werden, dass das System aktuell gehalten wird und z.B. Änderungen im Geschäftsbetrieb auch noch abbilden kann. Diese stetige Anpassung kann zusätzliche Kosten verursachen und Unternehmen vor große Herausforderungen stellen.

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die Marktsituation von ERP-Systemen in Deutschland gegeben werden. Die gezeigten Anbieter wurden nach ihrem jeweiligen Marktanteil angeordnet.

  1. SAP; 48%*
  2. Microsoft Dynamics NAV; 12%
  3. Microsoft Dynamics AX; 10%
  4. Infor ERP; 9%
  5. Oracle; 6%

Quelle: www.industrieanzeiger.de; Aufgerufen am 25.05.13; 20:04; *Erhebung aus dem Jahr 2011

Allgemein ist zu erwähnen, dass es eine Vielzahl an Wettbewerbern am Markt gibt – Tendenz steigend. Außerdem gibt es viele branchenspezifische Lösungen. So bietet SAP z.B. Lösungen an, die den speziellen Anforderungen im Automobil- oder Chemiesektor gerecht werden sollen. Daher kann man auch von einem sehr heterogenen Markt sprechen, was die Vergleichbarkeit von Einzelprodukten z.B. bei der Auswahl eines Anbieters erschwert.

Bei der oben zu sehenden Auflistung der Anbieter muss natürlich bedacht werden, dass über Großunternehmen ein hoher Prozentsatz an Marktanteil eingenommen wird. SAP bietet zwar auch Lösungen für den Mittelstand an, jedoch ist SAP häufiger bei Großunternehmen zu finden. Microsoft Dynamics AX möchte im Gegensatz zu SAP und seinem Gegenpart NAV genau diesen Mittelstand ansprechen.

Möchte man für seine eigene Firma bzw. für ein Start-Up evaluieren, ob und wenn ja welches ERP-System implementiert werden könnte, lohnt sich allerdings ein Blick weg von den großen Playern im deutschen Markt. Zum einen kommen Open-Source-Lösungen in Frage, da diese zumindest erst einmal kostenfrei sind. Hier lohnt ein Blick in Apache OFBiz. Allerdings sind auch auf dem ERP-Markt einige Start-Ups wie auch schon etabliertere Player einen Blick wert. Das Magdeburger Start-Up Weclapp bietet eine SaaS (Software as a Service) Cloud-Lösung eines ERP-Systems inkl. CRM an. Mit Salesforce gibt es einen bereits etablierten Player, der ein CRM-System bietet, allerdings auch Geschäftsprozesse in der Cloud anbietet und demnach wiederum relevant ist.
Außerdem bietet sich an, bei der Recherche von ERP-Anbietern E-Fulfilment nicht zu vergessen. E-Fulfilment spezialisiert sich auf das Angebot eines ERP-Systems für den Multichannel-Retail.

Beim Marktüberblick muss abschließend noch erwähnt werden, dass die Heterogenität des ERP-System-Marktes so hoch ist, dass die Entscheidung bei der Wahl des Anbieters schlichtweg mit dem Satz beantwortet werden muss: „es kommt darauf an“. Mit SAP, Microsoft und Oracle sind viele große und etablierte Anbieter am Markt, die viele Unternehmen betreuen, jedoch müssen die Anforderungen des Unternehmens entscheiden, inwieweit ein „großer“, „kleinerer“ Anbieter oder doch eine Open-Source-Lösung gewählt werden sollte. Eine Auswahl an Kriterien ist hier zu finden.

Zum Ende des Artikels soll noch ein kurzer Ausblick über mögliche Entwicklungen und Herausforderungen im ERP-Systeme-Markt gegeben werden. Aktuell sind die von den Unternehmen zu bewältigenden Herausforderungen folgende:

  • Die Vereinheitlichung von Daten und die Schaffung von Kompatibilität mit Fremdsystemen; dies passiert vielfach wenn die IT-Landschaft innerhalb eines Unternehmens nicht „aus einer Hand“ stammt – also mehrere Dienstleister eingesetzt werden. 
  • Auswahl eines Anbieters bei Neueinführung (sehr komplexer Prozess)
  • Schulungen und Weiterentwicklungen der Mitarbeiter
  • Anpassung von ERP-Systemen an Marktbedingungen

Ausblick:

Aktuell sind drei große Trends im ERP-Markt zu erkennen:

  1. Mobile (ständiger Zugriff auf relevante Daten für z.B. Außendienstmitarbeiter)
  2. Big Data (Inwieweit können die Datenmassen aus der Business Intelligence auch in einem ERP-System abgebildet werden?)
  3. Cloud-Lösung

Quelle: www.computerwoche.de; Aufgerufen am 03.06.13 20:14

Hier soll nur kurz auf die Cloud eingegangen werden: Bei der Idee relevante und z.T. sehr sensible Unternehmensdaten in der Cloud zu speichern, tun sich viele Unternehmen schwer, denn viele Themen sind hier ungeklärt. So ist die jeweilige Jurisdiktion ein wichtiger Aspekt, denn in den USA können Regierungsbehörden teilweise auf diese Daten zugreifen. Auch sind Aspekte wie Data-Recovery, Desaster Recovery oder auch die Verschlüsselung von Daten große (noch) ungeklärte Felder. Es bleibt interessant zu sehen, ob die zahlreichen Cloud-Anbieter es schaffen, ihre Services auch an Unternehmen zu verkaufen, die diesem Thema bisher und aktuell noch skeptisch gegenüber stehen.

 

 

 

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3 Kommentare

  1. Ein ziemlich informativer Text, den es sich zu lesen lohnt. Weiter so!

  2. Kompliment für den informativen Beitrag. Zu der von Ihnen genannten dritten Kategorie „Eigene Lösung“ sei folgende Anmerkung hinzugefügt. Im Markt setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass diese oftmals hochgradig individualisierten Lösungen nicht selten an die Grenzen der Performance, Datenstruktur oder Verlässlichkeit stoßen. Stand der Technik ist mittlerweile, ein Standard-ERP-System zu auszuwählen, das den Großteil der benötigten Funktionen ohne Anpassungsprogrammierung abdeckt. Mit dieser Vorgehensweise lässt sich ein ERP-System schneller, kostengünstiger und wesentlich sicherer betreiben.

  3. Informativer Artikel, der an Aktualität nicht verloren hat. Lediglich die drei Trends könnte man jetzt bereits getrost als nun eingetretener Fakt sehen 🙂 Zum Thema ERP-Software-Vergleich fällt mir noch spontan http://www.erpexpert.de ein. Wir hatten damals hiermit unseren Markt-Überblick an passenden ERP-Anbietern ermitteln lassen (Glaserei).

    Was ich im Markt nicht sehe, ist die Durchsetzung von Open-Source-Systemen im kommerziellen Bereich. Kann ich mir absolut nicht vorstellen & die Markt-Nachfrage gibt mir bis Dato recht.

    Grüße.

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