Marktüberblick: Mass-Customization-Konfiguratoren

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Das Thema Mass Customization – die Kombination von industrieller Massenproduktion und individuellen Kundenwünschen – ist in aller Munde. Individualismus und Differenzierung des Einzelnen sind in der Gesellschaft beliebt und gefragt. Dies reicht von kleinen Gütern wie selbst zusammen gestelltem Müsli bis hin zu Bekleidungsartikeln (Nike ID, Burberry, u.v.m.) und in die Automobilbranche (VW, u.v.m.).

 Für Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie an das Thema herangehen. Die Zusammenstellung der individuellen Massenprodukte erfolgt über Produktkonfiguratoren, in denen die einzelnen Produktkomponenten und deren Kombinierbarkeit erfasst werden können.

Die Nutzung eines Konfigurators kann dabei nicht nur für den Kunden zur Verfügung gestellt werden, sondern stellt für das operative Geschäft eine Zeitersparnis bei Angebotskalkulationen über einen Mitarbeiter dar.

 Ein wichtiger Aspekt in der Entscheidung für eine Software ist ihre Integrationsfähigkeit in die bestehende IT-Landschaft im Unternehmen, um Redundanzen zu vermeiden. Mögliche und sinnvolle Schnittstellen sollten dabei zum technischen und kaufmännischen Produktmanagement bestehen, sodass die relevanten Daten für die Produktkonfiguration und -kalkulation gezogen werden können. Des Weiteren bietet sich eine Verbindung zum CRM an. Der Zugriff auf das CAD ermöglicht die Visualisierung des Konfigurationsprozess, was speziell für Endkunden von Vorteil ist. Wenn der Visualiserung mitlaufend gezeigt wird, ermöglicht dies dem Endverbraucher ein besseres Verständnis für die einzelnen Produktkomponenten. Die Betrachtung des fertig konfigurierten Produktes im Abschluss sollte unbedingt gegeben sein, um einen finalen Eindruck des Produktes zu ermöglichen. Eine Verknüpfung zum ERP gewährleistet eine Übersicht zu Produkt- und Kunden- sowie produktionsrelevanten Informationen.

In der Produktion sind dabei verschiedene Formen der Konfiguration klassifiziert.

Beim Pick-to-Order (PTO) sind die Produktkomponenten einander unabhängig und frei miteinander kombiniert werden. Der Kunde muss sich dabei selbst Gedanken zu deren Kompabilität machen. Beispielhaft wäre hierbei der Anbieter mymuesli.de.

Beim Configure-to-order (CTO) werden zwei Varianten unterschieden, deren Gemeinsamkeit in der Abhängigkeit der Produktkomponenten untereinander liegt und deren Kombinierbarkeit im Konfigurationssystem definiert wird. Die erste Variante, das Assemble-to-order (ATO), bildet einfache Abhängigkeiten zwischen Produkten, deren Komponenten auftragsneutral vorgefertigt werden. Die Indvidualisierung erfolgt in der Endmontage des Produktes, wie beispielsweise bei Sneakern von NIKE ID. Der Endverbraucher kann die einzelnen Schnittsteile für den fertigen Schuh, die in verschiedenen Farben vorgefertigt werden, individuell aus dem angebotenen Farbkatalog wählen.

Bei der zweiten Variante, dem Make-to-order (MTO) oder auch Build-to-order (BTO) bestehen komplexere Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Produktkomponenten, sodass die Fertigung nach Bedarf und demnach auch die Individualisierung in der Fertigung erfolgt.

Die letzte Klasse der Produktkonfiguration ist das Engineer-to-order (ETO), bei dem die Produktkomponenten teilweise noch nicht bekannt sind und erst konstruiert werden müssen.

Vorteile der Mass Customization und der Nutzung von Produktkonfiguratoren:

–       Gewinnung von Kundeninformationen

–       Designansprüche/ Geschmacksmuster der Endverbraucher ablesbar

–       Differenzierungsmerkmal für Unternehmen

–       Entzerrung des Preiswettbewerbs

–       Erschließung weiterer Zielgruppen durch individuelle Produktgestaltung möglich

–       Nutzung freier Produktionskapazitäten

Nachteile der Mass Customization und der Nutzung von Produktkonfiguratoren:

–       schwankende Auslastung der Produktionskapazitäten je nach Auftragslage

–       optimale Produktionsplanung schwer zu bestimmen

–       hohe Investitionskosten bei evtl. Erweiterung der Produktionskapazitäten

–       lange Lieferzeiten (vor allem ETO)

–       Integration und Entwurf der Software in die IT-Landschaft mit höheren finanziellen und zeitlichen Aufwendungen verbunden

Anbieterübersicht Deutschland

Anbieterübersicht Deutschland (eigene Darstellung, Quelle Marktführer – Brinkop Consulting)

Auf dem deutschen Markt gibt es eine Vielzahl an Anbietern für Produktkonfiguratoren, die im Marktführer von Axel Brinkop, Brinkop Consulting, hinsichtlich ihrer Merkmale und Integrationsfähigkeit ausgelistet werden. Die folgende Übersicht zeigt eine grobe Gegenüberstellung der einzelnen Merkmale der Anbieter.

Das Unternehmen Combeenation bietet einen Konfigurator für Produktkonfiguratoren an, der in einer All-in-One-ECommerce Lösung integriert ist und somit – laut Unternehmen – alle wichtigen Schnittstellen einschließt. Die Entwicklung befindet sich momentan in den letzten Schritten.

Für einen Eindruck über die Vielfalt an Produktkonfiguratoren im Internet bietet die Configurator-Database einen Überblick hinsichtlich Produkt, Branche und Herkunftsland.

Weitere Quellen:

http://blog.carpathia.ch/2012/04/20/die-individualitat-des-einzelnen-mass-customization-im-e-commerce/

http://www.ecommerce-lounge.de/mass-customization-ecommerce-40/

Piller: Mass Customization, 4.Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden 2006.

 

 

Isabel Bohr

Autor: Isabel Bohr

Isabel Bohr studiert E-Commerce im ersten Mastersemester an der FH Wedel. Vorher hat sie das Studium Mode- & Designmanagement an der AMD Akademie für Mode & Design in Hamburg absolviert. In mehreren Praktika konnte sie Erfahrungen und Kenntnisse in der Mode-Industrie gewinnen und möchte diese nun mit dem Thema E-Commerce verbinden. Daher freut sie sich, intensive Einblicke in die E-Commerce Branche zu erhalten und sich mit eigenen Ideen in dem Bereich einbringen zu können.

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