Nutzung von Online-Marktplätzen als Vertriebskanal

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Was bedeutet eigentlich Online-Marktplatz?

Unter einem Online-Marktplatz versteht man einen virtuellen Ort, an dem Angebot und Nachfrage zusammengebracht werden. Zwischen den Online-Marktplätzen gibt es dann verschiedene Unterscheidungsmöglichkeiten. Eine der häufigsten Unterscheidungen ist das Einteilen in vertikale und horizontale Online-Marktplätze. Die vertikalen bedienen mit ihrem Produktsortiment nur eine Branche, auf die sie sich spezialisiert haben, wie zum Beispiel ImmobilenScout24. Horizontale Online-Marktplätze dagegen bieten branchenübergreifend Produkte an.

Innerhalb seines Marktplatzes nimmt der Marktplatzbetreiber eine Koordinationsfunktion ein. Hier sind die wichtigsten Punkte Information, Kommunikation und Transaktion. Das heißt, dass der Marktplatzbetreiber beispielsweise zuständig für die korrekte und zielgerichtete Aussteuerung der Suchergebnisse ist, sobald der Plattformbesucher einen Suchbegriff eingibt. Auch sichere Bezahlvorgänge sind vom Marktplatzbetreiber sowohl für den Kunden als auch für den Händler zu gewährleisten.

Übersicht Online-Marktplätze

Marktplatz-Anbieter

Übersicht Online-Marktplätze in Deutschland

Bei den Online-Marktplätzen sind an erster Stelle Amazon und eBay zu nennen, welche die bekanntesten Online-Marktplätze in Deutschland sind. Aber es haben sich auch zahlreiche andere Anbieter mit ihren eigenen Konzepten eines Online-Marktplatzes etabliert, wie zum Beispiel Rakuten. Nachfolgend ein kleiner Vergleich:

  • Amazon: Der Amazon Marketplace bietet den Händlern mit seinem Angebot „Versand durch Amazon“ eine besondere Leistung. Denn hierbei werden die Lagerhaltung und der Versand von Händlerprodukten durch Amazon vorgenommen. So kann der Händler auch vom Amazon Prime Dienst profitieren, was es aus Kundensicht natürlich reizvoller macht beim Händler zu bestellen. Seit letztem Jahr bietet Amazon mit seinem „Amazon Webstore“ außerdem ein alternatives Shopsystem an, wodurch die Synergien zwischen Online-Shop und Marktplatz optimiert werden können. Das Hauptproblem bei Amazon ist, dass auch Amazon Produkte über seinen Marktplatz verkauft und deshalb Konkurrenz für den Händler darstellt. So kann es auch mal vorkommen, dass ein Händlerprodukt, welches sich sehr gut verkauft, auch von Amazon ins Produktsortiment aufgenommen wird. Hier ergibt sich allerdings auch eine Chance für Hersteller, da diese als alleiniger Anbieter ihrer Produkte auf Amazon tätig werden können.
  • eBay: eBay will weg vom Image des „Billig-Auktionshauses“ und sich als Online-Marktplatz etablieren. So stieg der Anteil verkaufter Fetspreisartikel 2012 auf 68%, was es für Händler attraktiver macht auf der eBay-Plattform zu verkaufen. Allerdings hat eBay Probleme die Bestell- und Zahlungsabwicklung zu vereinfachen. Es gibt noch immer keinen händlerübergreifenden Warenkorb und keine einheitliche Zahlungsabwicklung.
  • Rakuten: Online-Marktplatz aus Japan, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, seinen Kunden ein Einkaufserlebnis zu bieten. Mit Aktionen wie dem „Super Sale“ und dem „Shopping Marathon“ sollen Kunden gelockt werden. Auch hier ist der Vorteil, dass der Marktplatzbetreiber im Gegenteil zu Amazon nicht als Verkäufer auftritt. Andererseits ist Rakuten auch erst dabei seinen Platz im deutschen Markt zu finden und kann den Händlern im Vergleich zu anderen Marktplätzen nur eine geringe Kundenreichweite bieten.
Rakuten Artikelseite

Beispielseite „Plattenspieler“ auf Online-Marktplatz Rakuten

Dies sollte nur einen kleinen Überblick geben, was die Marktplätze unterscheidet. Wer interessiert ist mehr über die verschiedenen Anbieter zu erfahren, findet hier einen tiefergehenden Vergleich. Ein wichtiger Punkt, der aber noch zu nennen ist, sind die Marktplatzgebühren. Diese befinden sich bei allen Anbietern etwa im gleichen Bereich, wie der nachfolgenden Übersicht einiger Marktplätze zu entnehmen ist.

  • Hitmeister – 3 Leistungspakete (19,95€, 39,95€, 54,95€ monatlich) + Provision 5,9-12,5% (je nach Artikelgruppe)
  • Rakuten – 39€ monatlich + Provision 5-9%
  • Yatego – 39,90€ monatlich + 8% Provision
  • Amazon – 39€ monatlich + Provision 7-15% (je nach Artikelgruppe)
  • eBay – 19,95€ oder 49,95€ monatlich + Angebotsgebühr zwischen 0,01-0,10€ + Provision 5-11% (je nach Artikelgruppe)

 

Nachteile der Nutzung von Online-Marktplätzen

Als erstes sind selbstverständlich die Marktplatzgebühren zu nennen, welche wie oben dargestellt aber überschaubar sind, zumal es meist auch Testaccounts für einen Monat gibt. Trotzdem muss beachtet werden, dass der zu zahlende Provisionsanteil nicht größer als die Marge ist. Dann sollte man auf das Anbieten des Produktes über den Marktplatz verzichten. Des Weiteren ergibt sich ein Nachteil im Shopdesign des Händlers auf dem Marktplatz, da häufig nur ein Layout verfügbar ist und man sich daher nicht von anderen Shops unterscheiden kann. Ein weiteres Problem stellt die Kundenkommunikation dar, weil meist der Marktplatzbetreiber erster Ansprechpartner für den Kunden ist und der Händler somit nicht durch eine gute Beratung und sein Know-How überzeugen kann. Hier setzt auch der nächste Punkt an: Die Markenbekanntheit. Damit ist nicht etwa die Produktmarke gemeint, sondern viel mehr die Firma. Dadurch, dass es oft nur geringfügig zum Kontakt zwischen Kunde und Händler kommt, steht lediglich das Produkt im Vordergrund. Besonders schwerwiegend ist das Problem, wenn es mehrere Anbieter auf einem Marktplatz für ein Produkt gibt, da dann meist nur nach dem geringsten Preis selektiert wird. So ergibt sich die Gefahr für den Händler, dass sich der Kunde nicht mehr mit seinem Shop auseinander setzt.

 

Vorteile für Shop-Händler

Der erste Vorteil von Online-Marktplätzen ergibt sich durch das Internet. Denn dadurch, dass die Produkte online angeboten werden, kann der Kunde unabhängig von Zeit und Ort einkaufen. Das macht es auch für stationäre Händler lukrativ, Produkte über einen Online-Marktplatz anzubieten. Auch ist es positiv, dass eine Shop-Erstellung meist optional angeboten wird. Mit einem dann an den Marktplatz angebundenen Online-Shop sind Produkte leichter zu übertragen und die Verbindungen werden optimiert. Allerdings bieten auch andere Shop-Systeme, wie zum Beispiel plentyMarkets simple Möglichkeiten zur Übertragung von Produkten in den Marktplatz. Auch Marktplatzadapter können hier hilfreich sein, mehr dazu hier. Ein weiterer Vorteil von Online-Marktplätzen ist die Unterstützung durch den Marktplatzbetreiber, welcher beispielsweise bei Rabattaktionen oder Kampagnen unterstützt, aber auch ganz elementare Aufgaben wie das „Vermitteln“ der Produkte an Suchmaschinen oder Preisvergleichsseiten übernimmt. Natürlich ist auch die hohe Reichweite der Online-Marktplätze für viele Händler das Argument um mitzumachen. Denn mit dem Einstellen eines Produktes wird dieses vielen potenziellen Kunden angeboten. Hieraus ergibt sich auch die große Chance für Shop-Händler. Wer mit seinen Produkten und weiteren Leistungen, wie beispielsweise schnellen Lieferzeiten ohne Amazon Prime überzeugen kann, hat die Möglichkeit Neukunden zu gewinnen und diese zufriedenen Marktplatz-Käufer in den Online-Shop zu locken, wo sie treue Shop-Kunden werden können.

 

Fazit

Zusammenfassend muss man sagen, dass die Risiken bei der Nutzung von Online-Marktplätzen überschaubar sind. Hier steht an erster Stelle ein leicht kalkulierbares finanzielles Risiko, wobei meistens sogar die Nutzung eines Testaccounts möglich ist. Überzeugt der Händler mit seinen Produkten als auch durch weitere Leistungen und Kaufbedingungen, ist eine Steigerung der Wiederkaufsrate möglich und eine Umsatzsteigerung sehr wahrscheinlich. Allerdings sollte der Online-Marktplatz lediglich als weiterer Vertriebskanal und nicht als einziger genutzt werden. Gibt es beispielsweise schlechte Schlagzeilen über einen Marktplatz wie zuletzt über die Ausbeutung von Leiharbeitern bei Amazon, schauen sich die Kunden bei anderen Anbietern um. Daher ist hier der richtige Mittelweg zu finden, wobei auch die Nutzung von verschiedenen Marktplätzen zu empfehlen ist, um zum Beispiel eine andere Branche bedienen zu können oder bei kleineren Imagekrisen von Marktplatzbetreibern seinen Aktivitätenschwerpunkt auf einen anderen Marktplatz richten zu können.

 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Virtueller_Marktplatz

http://www.pbs-business.de/inhalt/2296-Online-Geschaeft_-_Virtuelle_Marktplaetze_echte_Umsaetze/

http://business.chip.de/artikel/Online-Marktplaetze-im-Vergleich_60862888.html

http://t3n.de/news/marktplatze-vor-und-nachteile-415185/

 

 

Julian Heins

Autor: Julian Heins

Julian Heins hat sein E-Commerce Studium 2012 angefangen und befindet sich momentan im fünften Bachelorsemester.

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