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Kryptowährungen im E-Commerce: Warum sie trotz großer Versprechen kaum genutzt werden

Eine Seminararbeit aus dem E-Commerce-Studiengang der FH Wedel

Kryptowährungen werden seit Jahren als potenzielle Alternative zu klassischen Zahlungsmethoden im E-Commerce diskutiert. Schnelle Transaktionen, geringe Gebühren, hohe Sicherheit und globale Zahlungen ohne Banken gelten als zentrale Vorteile. Trotz dieser Versprechen spielen Kryptowährungen im Onlinehandel bislang jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

Genau dieser Widerspruch stand im Mittelpunkt der Seminararbeit. Die zugrunde liegende Forschungsfrage lautete:
Welche Faktoren hemmen oder fördern die Nutzung von Kryptowährungen als Zahlungsmethode im E-Commerce, und inwiefern lässt sich die geringe Verbreitung trotz ihres technologischen Potenzials durch technologische, ökonomische, regulatorische und psychologische Barrieren erklären?


Ausgangspunkt: Hohe Aufmerksamkeit, geringe Zahlungsnutzung

Die Recherche zeigte früh ein zentrales Muster: Kryptowährungen sind weit verbreitet, bekannt und medial präsent – werden jedoch nur selten für alltägliche Zahlungen genutzt.

Internationale Studien und Marktanalysen belegen zwar eine stetig wachsende Aktivität im Kryptomarkt, gleichzeitig bleibt der Einsatz im klassischen Onlinehandel gering. Kryptowährungen werden überwiegend als Anlageform, Spekulationsobjekt oder Transferinstrument wahrgenommen, nicht als alltägliches Zahlungsmittel.

Diese Beobachtung bildet die Grundlage für viele der späteren Erkenntnisse.


Empirische Einordnung: Nutzung und Realität im Vergleich

Globale Entwicklung: Stark steigende Transaktionszahlen

Statista. (2023). Gesamtzahl aller Bitcoin-Transaktionen weltweit von Februar 2017 bis Dezember 2022 (in Millionen).

Die weltweite Gesamtzahl der Bitcoin-Transaktionen ist zwischen 2017 und 2022 stark angestiegen – von rund 200 Millionen auf über 770 Millionen Transaktionen. Auf den ersten Blick könnte dies als Zeichen zunehmender Akzeptanz interpretiert werden.

Eine genauere Einordnung zeigt jedoch: Ein Großteil dieser Transaktionen entfällt nicht auf klassische Konsumkäufe im E-Commerce, sondern auf Börsenhandel, Wallet-Transfers und interne Verschiebungen. Die steigenden Transaktionszahlen spiegeln daher primär die Aktivität im Kryptomarkt wider – nicht zwangsläufig eine wachsende Nutzung als Zahlungsmittel.

Nutzung in Deutschland: Bekannt, aber selten verwendet

Statista. (2022). Nutzen Sie bereits Kryptowährungen, oder können Sie sich eine künftige Nutzung vorstellen?

Auch nationale Daten bestätigen dieses Bild. Eine Studie zur Nutzung von Kryptowährungen in Deutschland aus dem Jahr 2022 zeigt, dass lediglich 12 % der Befragten Kryptowährungen aktiv nutzen. Weitere 30 % können sich eine Nutzung grundsätzlich vorstellen, während 58 % Kryptowährungen weder nutzen noch dies künftig planen.

Für den E-Commerce ist diese Verteilung besonders relevant: Selbst wenn ein gewisses Interesse vorhanden ist, bleibt die tatsächliche Zahlungsnutzung gering. Entsprechend niedrig ist die Nachfrage im Checkout – ein Aspekt, der sich auch in den Experteninterviews deutlich widerspiegelte.


Was die Literatur zeigt: Potenzial mit klaren Grenzen

Die ausgewertete Fachliteratur zeichnet ein ambivalentes Bild. Einerseits werden Kryptowährungen als technologisch leistungsfähig beschrieben. Blockchain-basierte Zahlungen ermöglichen transparente, manipulationssichere Transaktionen und internationale Zahlungsabwicklung ohne klassische Intermediäre.

Gleichzeitig identifizieren zahlreiche Studien deutliche Hemmnisse:

Die Literatur macht deutlich: Technologische Vorteile allein reichen nicht aus, um Akzeptanz im Zahlungsalltag zu schaffen.


Die Perspektive der Experten: Rolle, Branche und Blick auf Krypto-Zahlungen

Um die Erkenntnisse aus Studien und Fachliteratur mit der Praxis abzugleichen, wurden Experteninterviews mit Entscheidungsträgern aus dem E-Commerce geführt. Die Interviewpartner stammen aus unterschiedlichen Branchen und Unternehmensgrößen, eint sie jedoch ihre operative Verantwortung für Zahlungsprozesse.


Über alle Interviews hinweg bestand Einigkeit darüber, dass Kryptowährungen und die zugrunde liegende Blockchain-Technologie grundsätzlich als nützlich und technologisch leistungsfähig eingeschätzt werden. Aspekte wie Sicherheit, Transparenz, internationale Einsetzbarkeit und Unabhängigkeit von klassischen Intermediären wurden von allen Gesprächspartnern anerkannt.

Trotz dieses anerkannten Potenzials fiel das Fazit der Experten jedoch überwiegend kritisch aus. Die Einschätzungen lassen sich auf mehrere zentrale Punkte verdichten:

Rechtliche Unsicherheit, Volatilität und fehlender Kundennutzen überwiegen aktuell

Aus Sicht der Interviewten überwiegen derzeit klar die Risiken gegenüber dem Nutzen. Insbesondere rechtliche Unsicherheiten, offene steuerliche Fragen sowie die hohe Volatilität klassischer Kryptowährungen werden als zentrale Hemmnisse genannt. Hinzu kommt, dass im operativen Tagesgeschäft kaum ein konkreter Mehrwert für die Mehrheit der Kund:innen erkennbar ist.

Solange Kryptowährungen keinen stabilen, nachvollziehbaren Nutzen im Checkout bieten, werden sie nicht als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Zahlungsarten wahrgenommen.

Technologisches Potenzial vorhanden – scheitert aktuell an Komplexität und Vertrauen

Mehrere Experten betonten, dass die Technologie an sich nicht das Problem darstellt. Vielmehr scheitert der Einsatz von Krypto-Zahlungen derzeit an ihrer Komplexität und an fehlendem Vertrauen auf Nutzerseite. Wallet-Strukturen, Kursrisiken und schwer verständliche Prozesse erschweren eine breite Akzeptanz, insbesondere im Vergleich zu etablierten und vertrauten Zahlungsarten.

Die technologische Reife allein reicht aus Sicht der Experten nicht aus, um diese Hürden zu überwinden.

Imagepotenzial ja – aber stark zielgruppen- und kontextabhängig

Ein weiterer Punkt aus den Interviews ist das mögliche Image- und Innovationspotenzial von Krypto-Zahlungen. In bestimmten Zielgruppen oder sehr spezifischen Geschäftsmodellen können Kryptowährungen als modernes oder innovationsgetriebenes Signal wirken.

Gleichzeitig wurde betont, dass dieses Potenzial stark vom Marktumfeld, der Zielgruppe und der regulatorischen Situation abhängt. Für den breiten E-Commerce-Massenmarkt sehen die Experten aktuell keinen strategischen Vorteil.

Hohe Compliance- und Buchhaltungsanforderungen verhindern derzeit eine Integration

Besonders deutlich wurde die Zurückhaltung in Bezug auf interne Prozesse. Hohe Anforderungen an Compliance, Buchhaltung und Dokumentation stellen aus Sicht der Experten ein wesentliches Integrationshemmnis dar. Der zusätzliche Aufwand steht derzeit in keinem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Nutzen.

Aus diesem Grund entscheiden sich viele Unternehmen bewusst gegen eine Integration von Krypto-Zahlungen – selbst dann, wenn die technische Umsetzung grundsätzlich möglich wäre.

Verdichtete Erkenntnisse: Warum Akzeptanz bislang ausbleibt

Aus der Kombination von Literatur, Studien und Experteneinschätzungen lassen sich vier zentrale Erkenntnisse ableiten:

  1. Steigende Transaktionszahlen bedeuten keine steigende Zahlungsnutzung
    Aktivität im Kryptomarkt ist nicht gleichbedeutend mit Akzeptanz im E-Commerce.
  2. Volatilität untergräbt die Zahlungsfunktion
    Preisstabilität ist eine Grundvoraussetzung für Zahlungsmittel – diese ist bei vielen Kryptowährungen nicht gegeben.
  3. Regulatorische Klarheit ist entscheidend
    Unsicherheit bei Steuern, Buchhaltung und Haftung wirkt für Händler stärker hemmend als technologische Hürden.
  4. Akzeptanz ist eine Frage von Vertrauen und Gewohnheit
    Selbst sichere Systeme scheitern, wenn sie subjektiv als riskant oder kompliziert wahrgenommen werden.

Ergebnis: Zukunftspotenzial ja – Alltagstauglichkeit noch nicht

Die Ergebnisse der Seminararbeit zeigen klar, warum Kryptowährungen im E-Commerce bislang eine Randerscheinung bleiben. Nicht mangelnde Technologie, sondern ökonomische, regulatorische und psychologische Barrieren verhindern ihre breite Nutzung.

Langfristig könnten stabilere Kryptowährungen, klarere gesetzliche Rahmenbedingungen und einfachere Zahlungslösungen dazu beitragen, diese Hürden abzubauen. Aktuell jedoch bleiben Kryptowährungen im Onlinehandel weniger Zahlungsmittel als Zukunftsvision.

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