Amazon, das neue Google?

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Jedes Jahr werden die wertvollsten Marken der Welt ermittelt und zu den zählen Amazon sowie auch Google, wobei das Unternehmen Google, welches mittlerweile dem Mutterkonzern Alphabet unterstellt ist im direkten Vergleich, laut Millward Brown[1], besser gestellt ist. Unabhängig von dieser Einstufung sind die beiden Internetunternehmen Weltmarktführer in ihren Kernbereichen. Amazon ist in diesem Kontext der größte Onlinehändler der Welt und Google die weltweit am meisten genutzte Suchmaschine. Doch längst konzentrieren sich die beiden Unternehmen nicht mehr nur auf Ihre Kernkompetenzen sondern sind ebenfalls in vielen weiteren Geschäftsfeldern aktiv. Amazon beispielsweise bietet mittlerweile Cloud Computing Systeme an, besitzt eine Online-Mediathek, vertreibt eigene Elektronik-Produkte und vieles mehr. [2] Ebenso Google. Schon längst nicht mehr steht nur die Suche im Internet im Vordergrund. Google entwickelt Online-Kartendienste, Betriebssysteme und arbeitet aktuell an der Entwicklung eines selbstfahrenden Autos. [3]

Amazon, das neue Google?

Genau aus diesem Grund stellt sich die Frage, wie können zwei Internetriesen wie Amazon und Google dauerhaft parallel in dieser digitalen Welt existieren und haben sie wirklich keine Berührungspunkte oder ist Amazon gar das neue Google? Um diese Frage objektiv beantworten zu können, ist es nötig, die beiden Unternehmen einem Vergleich zu unterziehen, jedenfalls in den Geschäftsbereichen, in denen Amazon und Google parallelen aufweisen.

Suchmaschinen

Google ist die weltweit am meisten genutzte Suchmaschine im Internet. Die Suchanfragen umfassen dabei alle Kategorien, von der allgemeinen Informationssuche bis hin zur spezifischen Suche von Produktinformationen. Genau in diesem Bereich ist Amazon in den letzten Jahren immer weiter in den Vordergrund gerückt. Laut einer Studie des ECC Köln zum Thema „Cross-Channel-Verhalten“ in Deutschland [4], ist Amazon die bevorzugte Suchmaschine für Produktinformationen. Demnach startet jeder dritte Onlinekauf in Deutschland auf der Internetseite von Amazon. Der Vorteil, vom dem der Nutzer bei der Suche über die Amazon Webseite profitiert, ist, dass Filterfunktionen zur Eingrenzung bei der Produktsuche bereitgestellt werden und viele Produkte durch Rezensionen eine gewisse Wertigkeit erhalten, was das Kaufverhalten des Kunden beeinflussen kann. Dabei ist nicht gesagt, dass die Produkte auch tatsächlich bei Amazon erworben werden. Der Studie des ECC zur Folge werden rund 38,5 Prozent der Käufe in Stationären Geschäftsstellen durch Produktsuchen im Internet vorbereitet. Da die Produktsuche nur einen Teil der Suchanfragen bei Google ausmacht, erschwert dies einen direkten Vergleich. So mal ein bedeutender Unterschied darin besteht, dass die Google Suchmaschine Milliarden von Internetseiten und die Amazon Suchmaschine seine eigene Datenbank durchsucht.[5] [6]

IT-Infrastrukturen

AWS vs Google Cloud ComputingAmazon sowie Google bieten beide ihre Dienste im Bereich von IT-Infrastrukturen an und nutzen ihren Vorteil, dass sie aufgrund ihrer Unternehmensgröße weltweit riesige Rechenzentren besitzen. Diese stellen sie Unternehmen sowie Entwicklern zur Verfügung, welche nicht auf diese Art von Ressourcen zurückgreifen können oder beispielweise aus finanzieller Sicht nicht in der Lange sind sich solche vernetzten IT-Strukturen aufzubauen. Des Weiteren bieten beide Unternehmen, zusätzlich zur Nutzung von Hardwarekapazitäten, auch unterschiedliche Service Dienstleistungen an. Im Rahmen der unter dem Namen Cloud Computing zusammengefassten Leistungen unterscheiden beide Unternehmen zwischen „Infrastructure as a Service“ (IaaS), welches die Bereitstellung von virtuellen Servern und Speichern beschreibt und „Platform as a Service“ (PaaS), welches die Bereitstellung von Werkzeugen und Dienstleitungen beschreibt. Laut einer Auswertung der Synergy Research Group hat Amazon Web Services im Jahr 2015 einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent im Bereich des Cloud Computings erlangt und belegt damit Platz eins. [7] Google hingegen hatte einen Marktanteil von rund 4 Prozent und liegt damit hinter den drei Unternehmen Amazon, Microsoft und IBM auf Platz vier.[8] [9]

Entertainment

Amazon und Google bieten beide Streaming-Dienste für Filme und Serien sowie für Musik an. Bereitgestellt werden nach eigenen Angaben Amazons, mehr als 25.000 Filme und Serien, welche je nach Aktualtät für ein entsprechendes Entgelt gestreamt oder gekauft werden können. Im Bereich des Musik-Streamings, genannt „Amazon Musik“, stehen dem Kunden rund 30 Millionen Lieder, käuflich in digitaler Form, zur Verfügung. [10] „Google Play Music“ und „Google Play Movie“ wie sich die beiden Streaming Dienste des Unternehmens nennen, bieten eine vergleichbare Auswahl von Video- sowie Musikmaterial an. Google wirbt mit 30 Millionen Musiktiteln und rund 10.000 Videoinhalten. [11] [12] Neben den eigenen Streaming-Diensten bieten Amazon und Google auch Hardwarelösungen an, um auf ihre Medieninhalte zuzugreifen. Im Fall von Amazon werden Geräte mit dem Namenszusatz „Fire“ vertrieben. Googles Äquivalent nennt sich in diesem Kontext „Chromecast“.

Cloud Systeme

Amazon bietet seinen Kunden unter dem Namen „Amazon Drive“ kostenlos einen Online-Speicher an, in dem sie Fotos, Videos, Musik oder andere Dokumente ablegen können. Der Zugriff erfolgt dabei über eine entsprechende Software Applikation oder einen Web Browser. Googles Gegenstück „Google Drive“ bietet seinen Kunden ebenfalls die Möglichkeit Fotos, Videos und Dokumente verschiedener Arten abzulegen und von überall aus, via entsprechender Software Applikation oder
Web Browser, auf die Inhalte zugreifen.[13] [14]

Smart Home

Amazon Smart Homehat mit seinem Produkt „Amazon Echo“, Mitte letzten Jahres, den Start in die Smart Home Welt bekannt
gegeben und Google hat im vergangen Monat auf der Google I/O Konferenz in Kalifornien nachgelegt und sein Smart Home Produkt mit dem Namen „Google Home“ vorgestellt. In beiden Fällen handelt es sich um einen sprachgesteuerten Computer, der in das Heimnetzwerk eingebunden wird. Die Geräte ermöglichen dabei die Wiedergabe von Musik und erlauben den Zugriff auf die eigene Mediathek sowie auf verschiedene Interpodcasts. Des Weiteren ermöglichen die Smart Home Produkte die Informationswiedergabe aus dem Internet und mit deren Hilfe lassen sich Terminkalender koordinieren, Einkaufslisten generieren oder Tickets buchen. Des Weiteren können sie technische Komponenten innerhalb des Heimnetzes steuern. Dazu zählen z.B. Thermostat- und Lichtsysteme, wenn diese den entsprechenden Kommunikationsstandard unterstützen. Allerdings sind beide Geräte vorerst nur in den USA erhältlich.[15] [16]

Fazit

Die eingangs gestellte Frage: „Amazon, das neue Google?“ scheint plausibel. Doch bei näherer Betrachtung der Unternehmen wird deutlich, dass sich Amazon und Google zwar in einigen Geschäftsfeldern sehr nahe sind, wie z.B. im Bereich der IT-Strukturen und Cloud Services, des Entertainments oder dem immer dominanter werdenden Bereich der Smart Home Technologien, jedoch die Kernkompetenzen des jeweiligen Unternehmens sehr stark auseinander laufen. Amazon ist in erster Linie eine E-Commerce Plattform und repräsentiert den größten Onlineshop der Welt. Google hingehen ist die weltweit am meisten genutzte Suchmaschine und erwirtschaftet den Großteil seines Umsatzes sowie seines Gewinns mit dem Schalten von Onlinewerbung.

Somit lässt sich die Eingangsfrage teilweise beantworten. Allerdings steht in diesem Kontext dann ausschließlich die Produktsuche im Vordergrund und in diesem Sektor hat Amazon in den vergangenen Jahren stark an Marktanteilen dazu gewonnen. Dennoch sollte, um beiden Unternehmen gerecht zu werden, vielmehr ein direkter Unternehmensvergleich angestrebt werden, vielleicht mit dem Titel: „Amazon vs. Google“.

 

[1] Millward Brown Optimor BrandZ – Top 100 Most valuable global brands 2015, Seite 58

[2] http://www.reuters.com/finance/stocks/companyProfile?rpc=66&symbol=AM ZN.O (Zugriff am 07.05.2016)

[3] https://www.google.com/intl/de_DE/about/company/history (Zugriff am 22.05.2016)

[4] http://go.sap.com/germany/docs/download/2015/09/804a08ca-407c-0010- 82c7-eda71af511fa.pdf (Zugriff am 04.06.2016)

[5] https://www.amazon-watchblog.de/unternehmen/234-suchmaschine- amazon-google.html (Zugriff am 04.06.2016)

[6] http://www.internetworld.de/e-commerce/amazon/amazon-marktplatz- suchmaschine-911494.html (Zugriff am 04.06.2016)

[7] https://www.statista.com/chart/4546/cloud-infrastructure-market-share-2015/ (Zugriff am 11.06.2016)

[8] http://www.internetworld.de/technik/google/konkurrenz-amazon-281838.html (Zugriff am 04.06.2016)

[9] http://www.wiwo.de/unternehmen/it/cloud-service-aws-amazons- konkurrenten-und-schwaechen/11991000-3.html (Zugriff am 04.06.2016)

[10] http://www.giga.de/webapps/amazon-prime/specials/amazon-prime-music- musik-streaming-von-amazon-in-deutschland/ (Zugriff am 21.05.2016)

[11] http://beste-apps.chip.de/android/app/google- play-movies-android-app,com.google.android.videos/ (Zugriff am 28.05.2016)

[12] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-play-music-all-inclusive-fuer-wen- sich-die-musik-flatrate-lohnt-a-937546.html (Zugriff am 28.05.2016)

[13]https://www.amazon.de/clouddrive/pricingref_=cd_home_plans_pricing (Zugriff am 21.05.2016)

[14] https://www.google.com/intl/de_de/drive/ (Zugriff am 28.05.2016)

[15] http://www.zdnet.de/88269675/io-amazon-echo-konkurrent-google-home- vorgestellt/ (Zugriff am 11.06.2016)

[16] http://t3n.de/news/google-home-707817/ (Zugriff am 11.06.2016)

Nannika Rosendahl

Autor: Nannika Rosendahl

Nannika Scholz studiert E-Commerce an der FH-Wedel. Zuvor absolvierte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Carl Kühne KG in Hamburg.

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel. Bleibt die Frage, wie es mit Google vs. Youtube ausschaut.

  2. Das mit dem Smart Home hört sich sehr interessant an und wird auch eine erfolgreiche Zukunft haben.

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