Generationswechsel am Point-of-Sale – Kartenzahlung mit Smartphone und Tablet

| 1 Kommentar

Beim Bäcker bequem mit Kredit- oder EC-Karte zahlen? Bisher war dies aus Unternehmersicht in Deutschland nicht wirtschaftlich, denn besonders bei Kreditkartenzahlungen verschlingen hohe Transaktionsgebühren und die Kosten für Kartenterminals meist die Gewinnmargen bei niedrigpreisigen Verkäufen. Auch Kioske, Friseure, Taxiunternehmen und andere mobile Dienstleister bieten aus dem gleichen Grund meist keine Kreditkartenzahlung an.

Seit Ende 2012 gibt es jedoch eine Alternative auf dem deutschen Markt. Das schwedische Unternehmen iZettle ermöglicht mit Hilfe eines kleinen und kostengünstigen Lesegerätes EC- und Kreditkartenzahlungen per Smartphone und Tablet. Bereits Anfang 2010 startete in den USA das Unternehmen „Square“ einen solchen Dienst. Der Vorteil dieser Systeme zum klassischen Kartenterminal liegt in der niedrigen konstanten Transaktionsgebühr von 2,75%, außerdem gibt es keine monatlichen Gebühren oder Vertragslaufzeiten.

iZettle Geräte in der Basisvariante (links) und in der neusten Version mit Möglichkeit zur PIN Eingabe (rechts)

iZettle Geräte in der Basisvariante (links) und in der neusten Version mit Möglichkeit zur PIN Eingabe (rechts)
[Quelle: izettle.com/de/press]

Wie funktioniert iZettle?

Aktuell bietet iZettle zwei verschiedene Kartenleser an. Die Basisvariante kostet einmalig 25€ und wird bei Android Geräten in den Audioausgang bzw. bei iPhones in den Dockinganschluss gesteckt und akzeptiert die meisten Karten. Der Kunde steckt zur Bezahlung seine EC- oder Kreditkarte in das Lesegerät und bestätigt in der iZettle-App (kostenlos für iOS & Android) die Zahlung auf dem Touchscreen mit seiner Unterschrift. Wenn der Käufer seine Mailadresse zusätzlich eintippt, ist es möglich direkt eine Rechnung zu versenden. Die Basisvariante darf zudem auch privat von jedermann gekauft und verwendet werden, z.B. auf dem Flohmarkt.

Die neuste Lesegerät-Version ist mit 99€ etwas teurer, akzeptiert jedoch alle gängigen Karten und bietet die Möglichkeit per PIN, statt mit Unterschrift, die Zahlung zu bestätigen. Verbunden wird das Gerät kabellos per Bluetooth mit dem Smartphone oder Tablet des Verkäufers. Per Applikation lässt sich auch direkt eine Rechnung drucken oder per E-Mail an den Kunden senden.
Welches Lesegerät man als Unternehmer verwenden sollte ist abhängig von den Ansprüchen an den Funktionsumfang.
Es sei noch erwähnt, dass das Geld einige Tage nach der Transaktion automatisch auf das Konto des Verkäufers überwiesen wird und iZettle auch ein kleines Statistik-Tool zur Verfügung stellt.

Für ein schnelles Verständnis empfiehlt sich dieses Video von iZettle.

Manch einer mag ein mulmiges Gefühl bekommen, wenn er seine Kreditkarte in ein solches mit dem Internet verbundenen Lesegerät steckt. Der Anbieter versichert jedoch, dass keinerlei Daten auf dem Smartphone oder Tablet gespeichert werden und sämtlicher Datenverkehr verschlüsselt wird. Zusätzlich entspricht der Service den PCI-DSS-Bestimmungen und das Unternehmen iZettle untersteht als Zahlungsinstitut der schwedischen Finanzaufsichtsbehörde.

Marktüberblick

Hinter den verschiedenen mobilen Payment-Systemen stehen neben weltweit führenden Finanzinstituten wie Mastercard, American Express und Visa auch Unternehmen wie zum Beispiel der Inkubator Rocket Internet. Die Segmentierung des deutschen Marktes und den jeweiligen Investoren sieht momentan wie folgt aus:

iZettle – Mastercard, American Express
SumUp – American Express, Groupon
Streetpay – Masterpayment
Payleven – Rocket Internet
Wirecard – Visa, Mastercard
Payworks – Johnston Group, Paychex
Shuttle – adyen
monitise – Visa, Omega Advisors, Norges Bank

Zudem gibt es Kooperationen zwischen den Anbietern. Ein Beispiel hierfür bieten Wirecard und Payleven die Mitte des Jahres eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung neuer Technologien im Bereich Mobile Payment eingegangen sind.[1]

Alle Anbieter bieten Lösungen zur Kartenzahlung per Smartphone und unterscheiden sich meist nur im Detail. SumUp und Payleven geben die Basisvarianten ihrer Lesegeräte kostenlos an Händler ab und Streetpay unterbietet mit seiner niedrigen Transaktionsgebühr von 1,7% – 1,95% die sonst einheitlichen 2,75%.
Ein detaillierter Vergleich der vier Anbieter iZettle, SumUp, Payleven und Streetpay findet sich auf smartphone-kartenzahlung.de.

Bei einer detaillierten Betrachtung des Marktes sind auch andere Lösungen für die Zahlung mit mobilen Endgeräten zu beachten. Zu ihnen zählen NFC-Nahfunk und Apps, welche über QR-Codes oder Barcodes mit dem Kassensystem kommunizieren. Auch die Otto Group startet demnächst mit der Bezahldienst-Tochter Yapital. Es wird auch die Möglichkeit der Zahlungen per App geben, wobei dabei die QR-Code Technik zum Einsatz kommen wird. Yapital wird versuchen viele Zahlungswege in einem Dienstleister zu vereinen.[2]

Ausblick

Die Systeme stecken in der Pionier-Phase und die Verbreitung ist noch nicht hoch, doch in absehbarer Zeit wird man vermehrt im Alltag auf sie stoßen. Der Anbieter SumUp hat im Mai diesen Jahres in einer Finanzierungsrunde 2 Millionen Euro Kapital zur Expansion eingesammelt.[3] iZettle bekam jüngst sogar ganze 5 Millionen Euro Finanzierung von der Banco Santander, der größten Bank Europas und wird damit auch international noch stärker in den Markt dringen.[4] Die Reichweite wird entscheidend für den Erfolg der Zahlungsverkehrsprojekte sein. Der Anbieter Payleven versucht sich im privaten Sektor und bietet zukünftig sein Gerät in deutschen Apple-Stores für 129€ allen Endkunden an.[5]

Auch werden vermehrt andere Systeme zum bargeldlosen bezahlen auftauchen, so ist es seit kurzem möglich in Hamburger und Berliner Edeka-Märkten per App zu bezahlen.[6]

„Ich trage eine Geldbörse mit mir, mein Vater hatte eine, mein Großvater auch. In zwei Jahren wird die verschwunden sein.“ (Ebay-Chef John Donahoe) [7]

Quellen:

[1] Wirecard und Payleven verbünden sich
[2] M-Payment: „Yapital ist überall näher am Kaufimpuls“
[3] Zweistelliger Millionenbetrag für SumUp
[4] Größte Euro-Bank investiert in iZettle
[5] Mobile Payment: Apple verkauft Payleven-Kartenleser
[6] Edeka führt mobiles Bezahlen per Smartphone ein
[7] Mobiles Bezahlen: Geldbörse in zwei Jahren überflüssig

Weiterführende Links:

Welche Betriebssystem und Geräte werden von iZettle unterstützt?
mpaymentde.blogspot.de – Mobile Payment in Deutschland
Global Map of mPOS Companies & Solutions

Ole Meistering

Autor: Ole Meistering

Ole Meistering studierte 2012/2013 zwei Semester im Studiengang E-Commerce an der Fachhochschule Wedel und wechselte dann in den Studiengang Medienmanagement an die Macromedia Hochschule. Nebenher sammelt Ole als Werksstudent Praxiserfahrung im Bereich SocialMedia bei der bonprix Handelsgesellschaft mbH.

Ein Kommentar

  1. Ole Meistering

    Hier ein anderer Versuch eines groben Marktüberblicks von Maik Klotz http://t3n.de/news/mobile-payment-deutschland-497207/

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.