Same-Day-Delivery: Status Quo und Ausblick

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Schaut man sich auf E-Commerce Webseiten wie z. B. internetworld.de oder etailment.de um, so ist das Thema Same-Day-Delivery aktuell in aller Munde. Doch wie weit verbreitet ist dieser Service in Deutschland und für wen – sowohl Händler als auch Kunde – ist das Thema interessant? Diese und einige weitere Punkte werde ich in meinem Blogbeitrag betrachten.

Same-Day-Delivery bedeutet, dass man die bestellte Ware noch am gleichen Tag geliefert bekommt. Den Rekord für die schnellste Lieferung hält hierbei ein Kurierfahrer, der für den britischen Kurierdienstvermittler Shutl arbeitet. Der Rekord liegt bei knapp 15 Minuten.

Die Ursache für diesen neuartigen Service liegt im Kampf um Marktanteile und in der Tatsache, dass die Lieferung am Folgetag inzwischen nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal gilt. Voraussetzungen für derartig schnelle Lieferungen sind ein sehr großes Kuriernetz und die örtliche Nähe zwischen Händler und Kunde. Aktuell wird der Service fast ausschließlich in Metropolen angeboten.

Auf Händlerseite kann das Thema sowohl für stationäre Händler, als auch für Online-Pure-Player interessant sein.

Stationäre Händler: Sie können sich dadurch gegen die vermeintlich „übermächtigen“ Online-Pure-Player zur Wehr setzen. Der Vorteil liegt ganz klar darin, dass die stationären Händler ihre Lager meist in zentraler Lage haben und somit die Ware schnell abgeholt und zum Kunden geliefert werden kann. Die Lager der Online-Pure-Player befinden sich häufig fernab der Großstädte, sodass die Bereitstellung der Ware orts- und zeitnah nur mit sehr großem logistischen Aufwand möglich ist.

Online-Pure-Player: Trotzdem ist das Thema auch für diese Gruppe interessant. Sie können durch Same-Day-Delivery den Mangel an eigenen Läden in den Städten ausbügeln. [1]

Ein Blick über den Atlantik in die USA zeigt, dass auch Amazon die Relevanz von Same-Day-Delivery erkannt hat. Die Firma investiert mehr als 1,2 Mrd. US$ in neue Lager im ganzen Land, u.a. in New Jersey, Virginia, Texas und Kalifornien. Zusätzlich wird auch in die Effizienz der Lager und der damit verbundenen logistischen Prozesse investiert. Lockers – ähnlich wie die Packstationen in Deutschland – und Abholmöglichkeiten in nahegelegenen Supermärkten sollen die Flexibilität für den Kunden steigern. [2]

In Großbritannien spielt das Thema hauptsächlich in London eine wichtige Rolle. Hier ist auch der Kurierdienstvermittler Shutl ansässig, der den bereits erwähnten Rekord von knapp 15 Minuten aufgestellt hat. Das System funktioniert ähnlich wie der in Deutschland weit verbreitete Dienst „mytaxi“. Über GPS wird ermittelt, welcher verfügbare Kurier die Ware am schnellsten beim Händler abholen und dem Kunden zustellen kann. Die Kuriere sind in dem Fall nicht bei Shutl angestellt, sondern stellen ihren Service für einzelne Fahrten zur Verfügung. [3]

Ein deutsches Unternehmen, welches Same-Day-Delivery anbietet ist Tiramizoo. Bei dem Münchener Start-up handelt es sich ebenfalls um einen Kurierdienstleister, der hauptsächlich in den deutschen Metropolen agiert (Abb. 1). [4]

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Abbildung 1: Das Liefergebiet von Tiramizoo (Quelle: https://www.tiramizoo.com/de)

Zu dem Kundenkreis zählen Unternehmen, wie z. B. Lodenfrey, Hugendubel, Luxodo oder notebooksbilliger.de. Sobald die Ware vom Kunden bestellt wurde und der Händler die Bestellung zur Abholung vorbereitet, ermittelt Tiramizoo den passenden Fahrer und beauftragt diesen mit der Lieferung. Anschließend muss die Ware nur noch beim Händler abgeholt und dem Kunden geliefert werden (Abb. 2). Die Kosten belaufen sich auf ca. 10-15 Euro, je nach Größe des Pakets und geforderter Schnelligkeit der Lieferung.

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Abbildung 2: So funktoniert Same-Day-Delivery (Quelle: https://www.tiramizoo.com/de)

Same-Day-Delivery bietet dem Kunden zwar neue Möglichkeiten des Online-Shoppings, es ergeben sich aber auch ganz neue Herausforderungen an die logistischen Prozesse. Lager und Transportlogistik müssen optimal auf einander abgestimmt sein. Perfektionierte Transportprozesse nützen nur dann etwas, wenn die Ware auch schnell genug aus dem Lager an den Lieferanten übergeben werden kann. Des Weiteren muss die Warenverfügbarkeit sichergestellt sein. Ein Kunde soll nur dann bestellen können, wenn das Produkt auch in einem Lager innerhalb seines Liefergebiets vorrätig ist. Automatisierte Lager- und Kommissioniersysteme unterstützen dabei die logistischen Prozesse und führen gleichzeitig zu besserer Qualität.

Ausblick

Das Thema Same-Day-Delivery gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das belegt auch eine eBay-Studie. Derer zufolge würden 60% der Befragten online häufiger einkaufen, wenn die Ware noch am selben Tag geliefert würde. [1] Wichtig hierbei ist, dass dem Kunden bewusst ist, dass es sich um einen Premium-Service handelt. Kostenfrei wäre dieser Service über einen längeren Zeitraum nicht realisierbar. Die notwendige Zahlungsbereitschaft auf Seiten des Kunden ist vorhanden.
Die sogenannte Zeitfensterzustellung ist eine logische Erweiterung des Themas. So kann der Kunde flexibel entscheiden, wann die Ware geliefert werden soll. Dies wird das Scheitern von Zustellversuchen reduzieren.
Hermes und Zalando sind aktuell nicht bereit, auf den Zug der tagesgleichen Lieferung aufzuspringen. Next-Day-Delivery heißt die Devise. Ein Sprecher von Zalando äußert sich zu dem Thema: „Wir machen klassische Versandlogistik. Same Day spielt keine Rolle und Express gibt es auch nicht“. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Service in Deutschland durchsetzen wird und ob er sich – sowohl für den Kunden als auch für den Händler – als Mehrwert herausstellt. [5]

Quellen:

[1] Etailment: Wenn der Paketbote früher klingelt
[2] Slate: I Want It Today – How Amazon’s ambitious new push for same-day delivery will destroy local retail 
[3] Shutl
[4] Tiramizoo
[5] Etailment: Logistik – Vielversprechende Alternativen zu Same-Day-Delivery

Weiterführende Links:

t3n: Tiramizoo – Same-Day-Delivery für den deutschen Online Handel
Internet World Business: Früher, schneller, teurer – Immer mehr Händler setzen auf Same-Day-Delivery, obwohl der Expressversand deutlich teurer ist
Etailment: Logistik – Same Day Delivery für spitze Rechner

 

 

Friederike Bartholomäus

Autor: Friederike Bartholomäus

Friederike Bartholomäus studiert seit dem Sommersemester 2013 den Masterstudiengang E-Commerce an der FH Wedel. Zuvor war sie 2 1/2 Jahre als Consultant bei einer Hamburger Software-Beratung tätig, nachdem sie 2010 ihren Bachelor in Business Administration an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erfolgreich absolviert hat. Sie freut sich darauf, intensive Einblicke in die E-Commerce Branche zu erhalten und sich mit eigenen Ideen in dem Bereich einbringen zu können.

3 Kommentare

  1. Pingback: Berlin Valleythe big picture - vom 25. Juni 2013

  2. Sehr guter Artikel! Freue mich auf weitere Einblicke ins Thema E-Commerce !

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