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Arang goes Amazon: Ein koreanisches D2C Food-Startup evaluiert Amazon als zusätzlichen Vertriebskanal

koreanisches Essen

koreanisches Essen

Authentisch. Koreanisch. Für zuhause.

Das Food Startup Arang steht für authentische koreanische Food-Produkte. Bekannt aus einer Episode des Formates “Die Höhle der Löwen” auf VOX im Sommer 2025 bietet Arang bisher Produkte wie Saucen über den eigenen Shopify Webshop an. Die Gründerin Sung-Hee Kim verfolgt den Ansatz, koreanische Speisen mit dem Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe und einer hochwertigen Produktion in Deutschland in die heimische Küche zu bringen.

Durch den TV-Auftritt wurden nicht nur mögliche Neukunden erreicht, auch ein Partnermanager von Amazon wurde auf Arang aufmerksam. Damit entstand die Möglichkeit Teil des Amazon-Partnerprogramms zu werden.

Im Rahmen des Projekts sollte mit Unterstützung von uns, einem Team aus Studenten des Masterstudienganges E-Commerce, ergründet werden, ob Amazon als zukünftiger zusätzlicher Vertriebskanal einen Mehrwert für ein D2C Unternehmen wie Arang abbildet und wie ein Verkaufsstart auf Amazon realisiert werden kann. Hierzu wurde durch enge Zusammenarbeit mit der Gründerin und dem Amazon Partner Manager der gesamte Prozess von der Account Erstellung bis hin zum Verkauf erster definierter Angebote auf Amazon realisiert.

Markenanalyse

Zu Beginn des Projekts führten wir eine Markenanalyse durch, um ein gemeinsames und umfassendes Bild der bestehenden Positionierung der Marke zu haben. Hierzu wurde der bestehende Shopify Webshop untersucht und durch gezielte Fragestellungen im Gespräch mit der Gründerin erörtert, welche Marken- & Strategieperspektiven aktuell bestehen. Zusätzlich wurde eine Auswertung der bestehenden Shopify-Daten auf Grundlage von Personas durchgeführt.

Das Ergebnis zeigte, dass Arang für natürliche und hochwertige asiatische Gerichte steht. Ein zentrales Element der Markenstrategie ist der persönliche Bezug zur Gründerin. Ihre Eltern gründeten 1975 das erste koreanischen Restaurant in Norddeutschland, wodurch die heutige Marke ihren Namen hat. Es steckt also nicht nur ein Gesicht hinter der Marke, sondern eine damit verbundene Geschichte.

Unter Beachtung der Markenanalyse und der Markenvision der Gründerin wurde festgelegt, dass Amazon primär zur Neukundengewinnung und Reichweitensteigerung genutzt werden soll. Sorgen vor Kannibalisierungseffekten gegenüber dem bestehenden Kanal waren durchaus präsent. Zur Differenzierung der Kanäle wurde die gemeinsame Entscheidung getroffen, mit vom Webshop abweichenden Produkt-Bundles auf Amazon zu starten.

Markt- und Wettbewerbsanalyse

Die Markt- und Wettbewerbsanalyse bezog sich ausschließlich auf den Marktplatz Amazon, da hier relevante Keywords, sowie gängige Praktiken der Konkurrenz erkannt werden sollten.

Es wurde eine manuelle Keyword Analyse zu häufig verwendeten Begriffen durchgeführt. Im Fokus standen vor allem die Produkttitel. Hierbei konnte je nach Produkten verschiedene Schwerpunkte festgestellt werden. Während bei Saucen überwiegend der Geschmack im Fokus stand, lag der Schwerpunkt bei Algen- und Suppenprodukten vermehrt auf Inhaltsstoffen und Natürlichkeit.

Bei der Analyse der Wettbewerber fiel ebenfalls auf, dass Arang die Chance hat, sich durch visuelle Aspekte abzuheben. Die Nutzung von auf Amazon verfügbaren Zusatzelementen wie einer Brandstory oder A+ Content standen dabei im Vordergrund.

Pricing und Definition der Listings auf Amazon

Für den Erfolg auf Amazon bildete die Auswahl der richtigen Angebote und das entsprechende Pricing eine zentrale Rolle. Durch den Verkauf über Amazon entstehen für Arang zusätzliche Kosten, etwa für das Verkäuferkonto und spezifische Verkaufsgebühren. Mithilfe relevanter Kalkulationen wurde sich für Bundles entschieden, die aus mehreren gleichen Produkten bestehen oder eine Kombination verschiedener einzelner Produkte darstellen. Auch die Nutzung des Amazon FBA Service wurde für die Zukunft in Betracht bezogen und kalkulatorisch im Vergleich des aktuell eingesetzten FBM eingeordnet.

Content/Design

Für die Erstellung von passendem visuellem Content der Amazon Listings wurde zusammen mit der Gründerin im Rahmen einer Fokusgruppe erörtert, wie die bisherige Designsprache von Arang aufgebaut ist. Ziel war es eine Harmonisierung zwischen dem für Amazon optimiertem Content und dem bestehenden Produkt- und Webshop-Design von Arang zu erreichen. Wir entschieden uns daher für eine einheitliche Sortierung von Produktbildern auf Amazon:

Für das Erarbeiten von Konzepten wurde hierbei auf die Hilfe von KIs wie Gemini und ChatGPT gesetzt. Die Bearbeitung der durch die Gründerin bereitgestellten Bilder wurde mit kostenlosen Anwendungen, wie PicsArt, umgesetzt. Es wurde sich gegen die Nutzung rein KI-generierter Bilder entschieden, da nach Erprobung dieses Vorgehens klar wurde, dass eine konsistente Qualität der gewünschten Ergebnisse durch die im Projekt verfügbaren Tools nicht gegeben war. Trotzdem lässt sich festhalten, dass diese Tools eine positive Unterstützung in der Erstellung des Konzepts dargestellt haben.

Die Erstellung der Listings im Amazon Seller Central Portal

Die Erstellung der Listings begann nach initialer Accountanlage und Freischaltung als Händler, sowie Markeninhaber, parallel zur Finalisierung des Contents. Es wurde ein frühzeitiger Soft-Launch angestrebt und umgesetzt, der wichtige reale Zwischenergebnisse lieferte. So konnte frühzeitig weiterer Optimierungsbedarf an den Listings festgestellt werden, ohne diese nur im Backend-Entwurfsmodus aufrufen zu können. Während Amazon die Möglichkeit bietet, über Tabellen eine Vielzahl von Produkten anzulegen, besteht im Portal Amazon Seller Central ebenfalls die Möglichkeit, die Daten über eine manuelle Eingabe in übersichtliche Produktmasken vorzunehmen. Durch dieses Vorgehen machten wir uns mit dem Portal vertraut und kommunizierten das Erlernte regelmäßig mit der Gründerin, um diese in den gängigen Abläufen zu schulen.

Grundlegend für die organische Auffindbarkeit auf Amazon ist eine vorteilhafte Verortung innerhalb der Produktkategorien von Amazon. Diese Entscheidung muss bereits bei initialer Produktanlage getroffen werden und lässt sich im Nachhinein für bereits bestehende Listings nicht anpassen. Die Entscheidung wurde auf Grundlage der anfänglichen Markt- und Wettbewerbsanalyse auf Amazon getroffen.

Neben den spezifisch relevanten Produktinformationen je Produktkategorie stehen bei Amazon besonders die Attribute:

im Fokus. Die Attribute werden nach dem Launch auf der Produktdetailseite am Produkt ausgespielt und bilden die Basis für ein attraktives, auffindbares und informatives Listing. Einzig das Attribut Keywords wird nur im Backend hinterlegt und beeinflusst die organische Auffindbarkeit der Produkte zusätzlich zur Produktkategorie.

Durch den Verkauf von Lebensmitteln gab es zudem weitere Pflichtangaben, um sowohl Amazons Voraussetzungen als auch gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen. Ein Beispiel hierfür ist das Ausweisen von Allergenen.

Durch die Zusammenarbeit mit unserem Amazon Partnermanager war es für Arang möglich, sich für das ’Kleinunternehmer-Badge’ zu qualifizieren. Es zeigt aus, dass Arang ein in Deutschland lokal ansässiges Unternehmen mit kleiner Größe ist. Dies schafft ein Vertrauen, dass sich hervorragend in die Markenstrategie von Arang einfügt.

Schon ca. 2 Monate nach Projektbeginn gelang es die Listings auf Amazon zu launchen und im weiteren Verlauf des Projekts zu optimieren. Nachträglich wurde der visuelle Content in Form von weiteren Bildern und dem Hinzufügen eines Produktvideos optimiert. Seitdem sind die Produkte auf Amazon zum Verkauf und Versand nach Deutschland grundsätzlich aktiv.

A+ Content und Brandstore

Zusätzlich zu den Standardinhalten der Listings wurde, wie anfangs erwähnt, Wert daraufgelegt, sich visuell von der Konkurrenz abzuheben und die Marke Arang im erweiterten Rahmen zu präsentieren. Hierzu wurde die Möglichkeit der Erstellung von sogenannten A+ Contenteinheiten, sowie die Erstellung eines Brandstores in Anspruch genommen. Der Brandstore wurde nach dem initialen Launch der Listings live geschaltet und mit unseren Produktlistings verlinkt. Die Darstellung aller verfügbaren Arang-Produkte bietet dadurch Potential für Crosselling-Effekte innerhalb des Sortiments. Für die zukünftige Erhebung von Statistiken zu Aufrufen und Conversion-Rate bietet der Brandstore ebenfalls erweiterte wertvolle Insights. Auch können Ads direkt auf individuelle Bereiche im Brandstore angewendet werden.

Der A+ Content auf Amazon umfasst Module, welche entweder zusätzlich zur regulären Produktbeschreibung oder stattdessen auf der individuellen Produktdetailseite der Listings angezeigt werden. Diese Module ermöglichen eine visuelle Darstellung von Produktfeatures, sowie das Einbringen strukturierter Textelemente, welche optisch gegenüber dem standardisierten Fließtext als Beschreibung ein Eyecatcher sind und für einen professionellen Auftritt auf Amazon sorgen. Hier wurde vorerst ein Modul erstellt, welches Informationen über alle angebotenen Produkte einbindet und die Anwendung auf alle Listings erlaubt.

Ergebnis und Ausblick über das Projekt hinaus

Das Ergebnis des Projekts sind nach etwa drei Monaten Projektarbeit vier definierte Listings, bestehend aus jeweils mehreren gleichen oder verschiedenen Produkten. Diese sind zum Kauf auf Amazon verfügbar und wurden nach den festgelegten Kriterien hinsichtlich der strategischen Markenausrichtung und der bestehenden Markenidentität mit Attributen angereichert. Die Listings umfassen durch den Einsatz vieler Produktbilder, Produktvideos, Informationsausweisungen über Badges, sowie der Erweiterung über A+ Content und Brandstore eine große Informationsbreite, wobei die Designsprache der Marke in allen Abschnitten Anwendung findet. Mit einem Blick auf die anfängliche Analyse der Konkurrenz bietet Arang ein überdurchschnittlich vielfältiges Angebot an Informationen und visuellen Inhalten. Die Optimierung der Listings ist in diesem Kontext allerdings nicht als abgeschlossener Prozess zu betrachten, sondern bietet auch zukünftig Möglichkeiten zur Anpassung unter Beobachtung der Performance. Zur Erprobung neuer Inhalte können beispielsweise A/B-Tests durchgeführt werden. Ebenfalls besteht die Möglichkeit die Nutzung von A+ Content-Module auszuweiten und je Listing zu individualisieren.

Die Performance, und somit auch der Erfolg der Erweiterung des Webshops um ein zusätzlichen Amazon-Kanal, kann zu aktuellem Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden. Dies hängt mit dem geringen Zeitraum seit dem Launch zusammen und ist durch bisher fehlende KPIs zu begründen. Daher gilt es fortlaufend den Traffic, die Conversion-Rate, sowie den erstrebten Spillover-Effekt in den eigenen Webshop zu beobachten und zu analysieren. Die Sichtbarkeit auf Amazon sollte ebenfalls im Anschluss an das Projekt durch den zielgerichteten Einsatz von Amazon Ads ausgebaut werden, da die organische Auffindbarkeit auf Amazon für neue Produkte gegenüber etablierten Angeboten mit Verkaufshistorie und bestehenden Kundenbewertungen gering ist.

Wir Studenten bedanken uns für den Einblick in den Amazon-Kosmos und die angenehme Zusammenarbeit mit Sung-Hee Kim, sowie Amazon und wünschen Arang alles Gute für die Zukunft.

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