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Mass Customization als Geschäftsmodell im Zeitalter des E-Commerce

Aufgabe und Zielsetzung

Massenhersteller stehen häufig vor dem Problem nur die Wünsche der Durchschnittskunden anzusprechen. Mit der häufigen „one size fits all“ – Strategie, basierend auf Durchschnittswerten von Marktforschungsinstituten, stoßen sie häufig auf große Unzufriedenheit beim Kunden und einer folglich sinkenden Zahlungsbereitschaft und Kundenloyalität. [1] Die Integration des Kunden in den Innovationsprozess und die kundenindividuelle Massenfertigung (Mass Customization) stellen Ansätze zur Begegnung dieser Probleme dar.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, den jetzigen Stand der Realisierung von MC-Geschäftsmodellen der Unternehmen darzustellen und die Frage zu beantworten welches die wesentlichen Treiber sind, warum MC als Geschäftsmodell so populär geworden ist. Das Hauptaugenmerk wird im Rahmen dieser Arbeit auf die internetbasierte MC im B2C-Bereich gelegt.

Methodik und Vorgehen

Das Vorgehen unterteilt sich in mehrere aufbauende Teilschritte. Aufbauend auf einer umfassenden Betrachtung der theoretischen Hintergründe, welche aus der Definition des Begriffs Mass Customization, der dazugehörigen Rahmenbedingungen und Systematisierung der Mass Customiation im E-Commerce besteht, folgt eine Betrachtung von unterschiedlichen Geschäftsmodellen im E-Commerce anhand von Praxisbeispielen. Diese untersuchten Unternehmen verdeutlichen die Entwicklung von Mass Customization im E-Commerce und zeigen zugleich die verschiedenen Ziele auf die Unternehmen verfolgen – egal ob Mass Customization als Strategie oder als Hauptgeschäftsmodell angewendet wird.

Kernergebnisse

Rahmenbedingungen und technologischer Fortschritt

Für die vorliegende Betrachtung von Mass Customization sind innerhalb der sozioökonomischen Forschung die nachfolgend aufgeführten veränderten Konsummuster wichtig zu erwähnen. Ebenso entscheidend für eine holistische Betrachtung sowie für ein Verständnis von aktuellen MC-Geschäftsmodellen werden die wichtigsten technologischen Treiber für MC stichpunktartig dargestellt.

Rahmenbedingungen aus Konsumentensicht [2]

  • Individualisierung und Personalisierung
  • Nachhaltiger Konsum
  • Kollaborativer Konsum

Rahmenbedingungen aus Unternehmenssicht [3]

  • Veränderte Markt- und Wettbewerbsbedingungen (beschleunigter Wettbewerb)
  • Bedürfnisse der Kunden werden zunehmend heterogen bzw. verlangt der Markt eine größere Vielfalt. Dadurch entsteht ein genereller Trend der Individualisierung
  • Kundenloyalität und Zahlungsbereitschaft sinken
  • die Innovationszyklen verkürzen sich zunehmend
  • die Anzahl an Kanälen mit denen eine Kundeninteraktion stattfindet erhöht sich (Multi-Channel-Retailing)

Technologische Treiber [4]

  • Soziale Technologien
  • Interaktive Online-Produkt-Konfiguratoren
  • 3D Scanner und Printer
  • Empfehlungsmaschinen

Ziele und Praxisbeispiele

Da MC gekoppelt an die Entwicklung des Internets ist, konnten erst durch Neuerungen im Online-Bereich erforderliche Effienz- und Kostenpotenziale realisiert werden. Darum treten die ersten MC-Angebote in den 90er Jahren auf. Große Konzerne wie Nike oder Adidas sind in dieser ersten Welle des MC vorzufinden. Piller erkennt, dass sich seit den ersten MC-Angebote, drei verschiedene Unternehmensziele herauskristallisiert haben. [5]

Mass Customization Ziele

Abbildung 1: Die drei Ziele von Mass Customization Quelle: Piller, F. T., & Walcher, D. (2016)

Aufgrund der zuvor veränderten Rahmenbedingungen waren große Firmen zu Beginn der Internetwelle daran interessiert ihr Image zu verbessern und sich vom Wettbewerb zu differenzieren, um neue Kunden zu gewinnen bzw. bestehende Kunden zu binden.[6] Diese Firmen  wie bspw. Nike gab Kunden die Möglichkeit ihren Namen oder Initialen auf Schuhen oder Kleidung aufzusticken. Dieser Service war zuvor nur Weltklasseathleten vorbehalten.[7]

Nike, eine der größten Hersteller in der Sportartikelbranche, bietet seit 1999 die Möglichkeit an Schuhe zu personalisieren. []Eines der Unternehmen die den Trend der kundenindividuellen Massenproduktion für sich erkannt und umgesetzt hat. Wegen des hohen Wettbewerbsdrucks in der Sportartikelindustrie schaffte Nike auf sich aufmerksam zu machen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Mit Hilfe, eines über die Zeit kontinuierlich optimierten Online-Konfigurators, welcher zurzeit nicht nur anschaulich aufbereitet ist, sondern auch Freude bereitet zu nutzen. Um keine Entscheidungsermüdung durch zu viele Auswahlmöglichkeiten hervorzurufen und einen Start in die Benutzung des Konfigurators zu geben, werden zusätzlich auf jeder Produktseite sog. „ID Inspirationen“ vorgeschlagen – personalisierte Produkte von anderen Kunden.

Das durch diesen Erstellungsprozess generierte Wissen, sei es explizit durch direkte Angabe der Kundenwünsche oder implizit, durch die Auswertung des Kundekontakts durch den Anbieter. Diese Analyse sämtlicher Informationen stellt den Gegenstand des zweiten Zieles von MC Unternehmen dar – das Lernen. Durch das Lernen aus den Konfigurationen und dem entstandenen Wissen kann durch das Unternehmen weiterer Kundennutzen gestiftet werden. Diese Erkenntnisse können nicht nur für die Optimierung von Produkten online sondern auch offline genutzt werden. Innerhalb des Erstellungsvorgangs können nämlich nützliche Fragen an den Kunden gestellt werden wie z.B. welche Verpackung der Kunden präferiert. Diese Informationen können an stationäre Geschäfte weitergegeben oder sogar verkauft werden. MC kann also auch als ein Marktforschungsintrument gesehen werden.

Im Anschluss an die erste Welle von MC Unternehmen (Big Brands) folgt die zweite große Welle ab dem Jahr 2000. Diese Welle wird von Startups bestimmt und Mass Customization und Personalisierung ist das zentrale Geschäftsmodell. Dies ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die für MC benötigten Technologien besser und vor allem günstiger zugänglich geworden sind. Das Ziel dieser Startups ist „Überleben“ und damit Profit. Sie analysieren Kundenbedürfnisse im Vorfeld und bringen systematisch MVPs (minimal viable products) auf den Markt und verbessern ihr Angebot von Schritt zu Schritt. Als Repräsentant der zweiten Welle wird Chocri gewählt, ein MC Unternehmen, welches 2008 in Berlin gegründet wurde und erlaubt organische, nachhaltige und individualisierte Schokolade zu erwerben. Im Gegensatz zu Nike, verfolgt Chocri das alleinige Ziel profitabel zu werden. Um den Kunden die Vielzahl an möglichen Individualisierungsmöglichkeiten zu vergegenwärtigen, baute das Unternehmen einen internen Blog auf und nutzt außerdem die sozialen Netzwerke um den Kunden zusätzliche Inspirationen zu geben. Jede Woche werden die Top 5 Produkte unter neuen Namen im Blog veröffentlicht, ebenso werden Erfahrungen von Kunden auf Facebook gepostet. Chocri wertet die Kommentare von Nutzern auf deren Blog und Facebook-Seite aus um den Co-Design-Prozess ständig zu verbessern.

Die dritte Welle von MC-Unternehmen sind Social‐Commerce Firmen, die es dem Kunden erlauben, sein individuelles Produkt zu gestalten und ihm darüber hinaus die Möglichkeit bieten, dieses Produkt an andere zu verkaufen und Geld zu verdienen. Hier steht ebenfalls Profit als Hauptunternehmensziel im Fokus. Spreadshirt als Repräsentant für die dritte große Welle von MC-Unternehmen, bietet Kunden an jegliche Artikel von T-Shirt über Handyhüllen, Kuscheltieren, Regenschirmen, Anstecker, Schlüsselanhänger, Schals und vieles mehr selbst gestalten. Der Unterschied zu anderen MC-Anbietern ist jedoch, dass Kreationen von Kunden auch von anderen Kunde gekauft werden können. Das Unternehmen bietet sogar an, einen eigenen Webshop auf einer eigenen Seite zu eröffnen und seine Designs zu verkaufen. Spreadshirt übernimmt dabei das gesamte Fulfilling, von der Bereitstellung über die Bestellannahme, die Produktion, sowie das Versenden und die Rechnungserstellung. Die Rolle des Kunden hat sich somit vom Co-Designer weiter entwickelt zum Co-Earner. [9]

Zusammengefasst lassen sich die Hauptunternehmensziele und Entwicklungswellen wie folgt systematisieren.

  1. Big Brands: Image, Learn
  2. Startups: Profit
  3. Socal Commerce: Profit

Fazit

Die untersuchten Geschäftsmodelle der Unternehmen verdeutlichen die Diversifikation der notwendigen Herangehensweisen für einen erfolgreichen Betrieb von MC.

Durch Integration des Kunden in den Wertschöpfungsprozess des Unternehmens und die damit entstehenden Möglichkeiten zur Bedürfnisermittlung – etwa durch Auswertungen von Big Data – ändert sich der gesamte Prozess, wie und welche physischen Güter produziert werden. Die Kunden stehen nicht mehr passiv an der Seite, sondern sind aktiver Wertschöpfer im Unternehmen. Nicht nur die Kunden selbst profitieren daraus, sondern auch die Unternehmen.

Da Unternehmen außerdem die Chance erkannt haben ihren Kunden „zuzuhören“ und von ihnen zu lernen, entsteht hierdurch eine „win-win“-Situation aus Anbieter und Abnehmersicht. Unternehmen wie Chocri oder Spreadshirt gelten als Paradebeispiel dafür, wie MC als Geschäftsmodell betrieben werden kann. Diese Unternehmen motivieren junge Entrepreneure ihr eigenes MC Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Szene ist nach wie vor dynamisch, geprägt von zahlreichen Neugründungen, so bietet bspw. der Bereich des 3D-Drucks völlig neue Möglichkeiten neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Es lässt sich also feststellen, dass die Bedeutung von MC weiterhin zunehmen wird und viele Möglichkeiten für neue Innovationen bietet.

[1] Piller, F. T., & Walcher, D. (2016). Mass Customization und Social Commerce Grundlagen, Kundennutzen und Konsumentenverhalten. Working Paper, (April). Retrieved from https://www.researchgate.net/publication/289531802_Mass_Customization_und_Social_Commerce_Grundlagen_Kundennutzen_und_Konsumentenverhalten_Working_Paper

[2] Ternès, A., Towers, I., & Jerusel, M. (2015). Konsumentenverhalten im Zeitalter der Mass Customization. Konsumentenverhalten (Vol. XXXIII). http://doi.org/10.1007/s13398-014-0173-7.2

[3] Reisenhofer, D. (2011). Internetbasierte Mass Customization als wettbewerbsstrategische Option.

[4] Gandhi, A., Magar, C., & Roberts, R. (2014). How technology can drive the next wave of mass customization. MC Kinsey & Company’s Business Technology Jurnal, 1–8. Retrieved from http://www.mckinsey.com/insights/business_technology/how_technology_can_drive_the_next_wave_of_mass_customization

[5] Prof. Dr. Stumpf (2016). Die 10 wichtigsten Zukunftsthemen im Marketing

[6] Piller, F. T., & Walcher, D. (2016). Mass Customization und Social Commerce Grundlagen, Kundennutzen und Konsumentenverhalten. Working Paper, (April). Retrieved from https://www.researchgate.net/publication/289531802_Mass_Customization_und_Social_Commerce_Grundlagen_Kundennutzen_und_Konsumentenverhalten_Working_Paper

[7] Journal, I., & Media, A. (2016). The next revolution in mass customization : An insight into the sneaker market, (October).

[8] https://www.mass-customization.com/custom-shoes/nikeid/ (Aufgerufen am 12.12.2016)


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Tobias Bogotzek
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Betrug im E-Commerce: Auswirkungen, Betrugsmuster und präventive Maßnahmen

E-Commerce Unternehmen werden immer häufiger Opfer von Betrügern. Laut einer Studie wurden bereits 84 Prozent der befragten Händler mit Betrug beziehungsweise Betrugsversuchen konfrontiert[1]. Eine im Jahr 2014 veröffentlichte Studie der bbw Hochschule schätzt den Anteil von Betrug im Onlinehandel auf circa fünf Prozent am Gesamtumsatz des digitalen Einzelhandels in Deutschland. 2014 wurde die Summe aller Betrugsschäden somit auf circa 1,855 Milliarden Euro geschätzt.[2] Aufgrund der hohen Schäden und des starken Einflusses auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen, kommt der Kriminalität im Internet heutzutage ein hoher Stellenwert zu.

Auswirkungen auf Unternehmen

Die Auswirkungen dieser betrügerischen Aktivitäten können unterschiedliche Formen annehmen. Als wichtigste Auswirkungen von Betrug an Unternehmen gelten Reputationsschäden, juristische Kosten und der direkte finanzielle Schaden.[3]

Ein Unternehmen, das durch Internetkriminalität einen Reputationsschaden erlitten hat ist Ashley Madison. 2015 stahlen und veröffentlichten Hacker sensible Daten der über 30 Millionen Nutzer des Seitensprungportals.[4] Zusätzlich wurde der Einsatz von Fake Accounts und Chat-Bots öffentlich. Durch die Bots wurden den männlichen Nutzern das Interesse von Frauen vorgetäuscht, um zusätzliche Einnahmen zu generieren.[5] Juristische Kosten umfassen eine Vielzahl von Positionen – darunter Kosten für eine juristische Beratung und gegebenenfalls Verfahrenskosten.[6] Mögliche Folgekosten können einen multiplikatorischen Effekt auf den entstandenen finanziellen Schaden ausüben, da der Verlust von sensiblen Daten beispielsweise Schadensersatzforderungen hervorrufen kann. So ist es möglich, dass Angriffe auf Finanzdienstleister Wiederherstellungskosten von mehr als 100 Millionen US-Dollar verursachen.[7] Als signifikanteste Auswirkung wird von Online-Händlern allerdings der direkte finanzielle Verlust angesehen.[8] Als Beispiel dafür welche hohen Ausmaße der finanzielle Verlust annehmen kann, dient das Unternehmen Zalando, welches Opfer eines großen Rechnungsbetruges wurde. Im Zeitraum von Juni 2014 bis Juni 2015 gingen 962 Bestellungen per Rechnung aus Flüchtlingsheimen ein, von denen 627 nicht beglichen wurden, was einen Verlust von circa 120.000 Euro verursachte.[9] Insgesamt musste der börsennotierte Versandhändler aufgrund der steigenden Betrugsfälle in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2015 18,5 Millionen Euro für Zahlungsausfälle zurücklegen.[10]

Neben den hier beschriebenen Betrugsfällen, existieren zahlreiche weitere Betrugsmuster im E-Commerce, die sich in Abhängigkeit verschiedener Zahlungsarten entwickelt haben.

Betrugsmuster im E-Commerce

Bei den aus Händlersicht unsicheren Zahlungsarten Rechnung und Lastschrift sind Online-Händler besonders häufig von Betrug betroffen. Beim Lastschriftverfahren nutzen Betrüger die Möglichkeit, trotz vollständiger Lieferung und einer somit rechtmäßigen Kontobelastung seitens des Online-Händlers, eine Rücklastschrift anzufordern. Dazu verwenden diese häufig auch gestohlene Kontodaten und involvieren damit unwissende Dritte in den Betrug.[11] Der Zahlung per Rechnung liegen aus Händlersicht besonders häufig Betrugsfälle zu Grunde. 63 Prozent der von der ibi research GmbH befragten und bereits mit Betrug konfrontierten Unternehmen verzeichneten Fälle des sogenannten Eingehungsbetrugs.[12] Eingehungsbetrug bezeichnet einen Bestellvorgang, bei dem der Käufer bereits vorab weiß, dass er die an die Transaktion gebundene Rechnung nicht begleichen kann oder begleichen wird, das Eigentum aber dennoch vom Händler zum nicht zahlenden Kunden übergeht.[13]

Allgemeine Vorgehensweise beim "Friendly Fraud" (eigene Darstellung)

Allgemeine Vorgehensweise beim „Friendly Fraud“ (eigene Darstellung)

Online-Händler und/oder Käufer sehen sich aber nicht nur im Kontext von unsicheren Zahlungsarten mit Betrug konfrontiert. Auch bei vermeintlich sicheren Varianten der Bezahlung haben Betrüger spezifische Betrugsmuster entwickelt.

Kreditkartenbetrug

Beispielsweise wird der “Friendly Fraud” bei Kreditkartenzahlungen verwendet. Bei diesem Betrugsmuster wird das Chargeback-Verfahren angewendet, also die Stornierung von Kreditkartenabbuchungen. Betrüger bestellen physische oder digitale Güter in einem Online-Shop und zahlen per Kreditkarte. Kurz vor Ablauf der Stornierungsfrist beantragt der Betrüger dann einen Chargeback mit der Begründung, dass die Ware nicht angekommen sei. Häufig kann dies nur schwer widerlegt werden und der Händler muss sich der Erstattungsforderung beugen. Damit verzeichnen die Händler nicht nur den Verlust des Warenwerts, sondern zahlen als Zahlungsempfänger auch noch die Prüfungskosten für das Chargeback-Verfahren.[14] Diese Prüfungskosten belaufen sich je nach individueller Gegebenheit zwischen 20,00 und 60,00 Euro.[15]

Allgemeine Vorgehensweise beim "PayPal Dreiecksbetrug" (eigene Darstellung)

Allgemeine Vorgehensweise beim „PayPal Dreiecksbetrug“ (eigene Darstellung)

 

Pay-Pal Dreicksbetrug

Ein weiteres Beispiel für ein Betrugsmuster bei sicheren Zahlungsarten ist der PayPal-Dreiecksbetrug, der bei privaten Transaktionen auf Auktionsplattformen wie “ebay” angewendet wird. Bei diesem Betrugsmuster bestellt der Betrüger einen Artikel einer Privatperson und verkauft das gleiche, beziehungsweise ein gleichpreisiges Produkt an eine zweite Privatperson, ohne im tatsächlichen Besitz des Produktes zu sein. Der Betrüger übermittelt anschließend die Zahlungsdaten der ersten Privatperson an den Käufer des nicht vorhandenen Artikels, welcher im Anschluss den entsprechenden Betrag überweist. Vorerst erhält der Verkäufer, der in diesem Prozess das Betrugsopfer darstellt, den Verkaufspreis für seinen Artikel, jedoch nicht vom eigentlichen Käufer, dem Betrüger, sondern einer unbeteiligten dritten Person. Der Betrüger fordert den Verkäufer anschließend auf, den Versand an eine von den Rechnungsinformationen abweichende Adresse zu senden. Währenddessen wartet der Käufer des imaginären Artikels vergeblich auf sein Produkt und zieht die Zahlung zurück. Bei PayPal steht ihm dies aufgrund des sogenannten PayPal-Käuferschutz zu, da er keine Ware erhalten hat.[16] Am Ende dieses Betrugsszenarios hat der Betrüger sein Produkt erhalten, der Käufer des imaginären Artikels hat sein Geld zurückerhalten und der Verkäufer sieht sich mit dem Verlust seiner Ware konfrontiert, ohne im Besitz des Geldes zu sein.[17] Zusätzlich greift bei ihm der PayPal-Verkäuferschutz nicht, da er die Ware an eine abweichende Adresse geschickt hat.

Betrugsprävention aus Unternehmenssicht

Die Beschreibung der Betrugsmuster und der dadurch entstehenden Schäden zeigt, dass es für E-Commerce Unternehmen unerlässlich ist, eine erfolgreiche Betrugsprävention zu etablieren.

Möglicher Kreislauf zur stetigen Optimierung der Betrugsprävention im E-Commerce (eigene Darstellung)

Möglicher Kreislauf zur stetigen Optimierung der Betrugsprävention im E-Commerce (eigene Darstellung)

Dabei sollten Unternehmen zunächst die Motive von Betrügern identifizieren und feststellen welche Werte und Daten des Unternehmens als attraktiv gelten könnten. Im nächsten Schritt sollte ermittelt werden, welche Vorgehensweisen Betrüger zum Diebstahl der jeweiligen Güter wählen könnten. Dabei sollten mögliche realistische Szenarien in Betracht gezogen und infolgedessen auf Sicherheitsschwachstellen analysiert werden. Im Anschluss an die Ermittlung der potenziellen Betrugsszenarien, sollte formuliert werden,  welche Schäden hierdurch entstehen könnten. In Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit bestimmter Szenarien und der Höhe des Schadens, kann eine Priorisierung der einzuleitenden Maßnahmen erfolgen. Nachdem Kosten und Nutzen der einzelnen Maßnahmen abgewogen wurden, können diese durchgeführt werden. Bereits grundlegende und weit verbreitete Maßnahmen können eine große Wirkung erzielen. So nehmen 56 Prozent der Händler eine Beschränkung des Umfangs offener Posten pro Kunde vor. Jeweils 43 Prozent setzen 3-D Secure bei Kreditkartenzahlungen ein und passen die angebotenen Zahlungsarten in Abhängigkeit zum Warenkorb an. Zudem nehmen 16 Prozent der befragten Unternehmen keinen Versand an Packstationen vor und 14 Prozent beschränken den Versand gänzlich auf die Rechnungsadresse.[18] Die Einbeziehung von Daten in den Entscheidungsmechanismus führt zwar zu einem höheren Aufwand, aber gleichzeitig zu einer höheren Zahl von vermiedenen Transaktionen durch Betrüger. Am häufigsten setzen Händler dabei eine Adressprüfung und ein Bonitäts-Scoring ein.[19] Um die Anzahl von betrügerischen Transaktionen zu minimieren, kann es für Unternehmen empfehlenswert sein, einen externen Dienstleister in Anspruch zu nehmen. Es gibt eine Vielzahl von Lösungen, die interne und externe Daten einbeziehen, um ein automatisiertes transaktionsbasiertes Risiko Scoring zu realisieren. Sie dienen dazu, Händler dabei zu unterstützen, normales Kaufverhalten von risikobehafteten Transaktionen zu unterscheiden. Auf Basis verschiedener Daten wird ein Risiko Score ermittelt, auf dessen Basis mittels Kategorisierung und Entscheidungsfindung in Echtzeit automatisch Aktionen durchgeführt werden.[20] So können Transaktionen beispielsweise als akzeptiert, abgelehnt oder zur manuellen Überprüfung markiert werden. Der Prozess der Prävention sollte dabei kontinuierlich verbessert werden, um einen effektiven Schutz vor Betrügern zu gewährleisten. Die Weiterentwicklung der Betrugsmuster zwingt Unternehmen dazu, an der Weiterentwicklung zu partizipieren und sollte daher im alltäglichen Geschäft des Unternehmens verankert werden.

Zusammenfassung und Ausblick

Der technische Fortschritt und die Digitalisierung begünstigen die Entstehung neuartiger Betrugsmethoden und erhöhen durch die Übertragung persönlicher Daten das Ausmaß von Schäden, die infolge von betrügerischen Aktivitäten im Internet entstehen.

Insbesondere die Entwicklung vom einstigen Kommunikationsmedium zum “Internet of Things” stellt eine Entwicklung dar, die Kriminellen im Internet vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen könnte. Das Internet der Dinge wird Nutzer und Unternehmen in Zukunft somit vor weitere Probleme im Kampf gegen Betrüger stellen. Durch zahlreiche neue Geschäftsmodelle und ein zunehmendes Interesse an persönlichen Nutzerdaten, werden Betrüger stets neue Möglichkeiten und Schwachpunkte finden, um sich finanziell oder in anderer Weise an Nutzern und Unternehmen zu bereichern. Passwortsicherheit und ein umsichtiger Umgang mit seinen persönlichen Daten sollten für Nutzer daher elementar werden und Unternehmen ist geraten, eine systematisierte Betrugsprävention in die Geschäftsprozesse zu integrieren.

Quellen:

[1] Vgl. Stahl, Dr. Ernst/ Weinfurther, Dr. Stefan/ Wittmann, Dr. Georg (2015, S.13) “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[2] Vgl. WIN-Verlag (2014): „Studie: 2,4 Milliarden Euro Schaden durch Betrug im Online-Handel

[3] Vgl. Innovation Process Technology AG (2016): “Betrug in der digitalen Welt

[4] Vgl. Szoldra, Paul (2016): Meet the guys trying to turn the infamous Ashley Madison site into more than a cheating hotspot

[5] Vgl. Bergert, Denise (2016): “Ashley Madison: Erpressung, Selbstmorde, Fake-Profile

[6] Vgl. Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V (2016): “Kosten eines Cyber-Schadensfalles

[7] Vgl. Center for Strategic and International Studies (2014, S.15): “) “Net Losses: Estimating the Global Cost of Cybercrime”

[8] siehe 3

[9] Vgl. Berger, Melanie (2015): Zalando: Hat nichts mit Flüchtlingen zu tun

[10] Vgl. Gassmann, Michael (2015): Moderne Diebe lassen sich Beute frei Haus liefern

[11] Vgl. Bachmann, Yvonne (2013):  “Die Lastschrift zwischen Kundenservice und Betrugsfalle

[12] Vgl. Stahl, Dr. Ernst/ Weinfurther, Dr. Stefan/ Wittmann, Dr. Georg (2015, S.14) “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[13] Vgl. Linkhorst Popken & Kollegen (2012): “Eingehungsbetrug: Was ist Eingehungsbetrug?

[14] Vgl. 2checkout.com (2016): What is Friendly Fraud?

[15] Vgl. Novalnet (2016): Chargeback

[16] Vgl. PayPal.de (2016b): PayPal-Käuferschutzrichtlinie

[17] Vgl. Achten, Nils (2015): PayPal Dreiecksbetrug: Was ist das und wie schützt man sich?

[18] Vgl. Stahl, Dr. Ernst / Weinfurther, Stefan /  Wittmann, Dr.Georg (2015, S.27): “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[19] Vgl. Stahl, Dr. Ernst/ Weinfurther, Dr. Stefan/ Wittmann, Dr. Georg (2015, S.29): “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[20] Vgl. Ward, Theresa (2010, S.4): Strategies for Reducing the Risk of eCommerce Fraud


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Natascha Knack-Zeribi
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Lidl: vom Stationär- zum Multichannel-Händler

Einleitung

Lidl gehört, nach Aldi, zu den führenden Stationärhändlern in Deutschland und Europa. Im Jahre 1973 wurde der erste Discountmarkt in Ludwigshafen eröffnet. Nicht nur in Deutschland wurde die Discountkette Lidl immer größer, ab 1988 expandierte Lidl als erstes in Frankreich und daraufhin auch in anderen europäischen Ländern wie Italien und Großbritannien. Den ersten kleinen Schritt in Richtung Onlinehandel machte Lidl 1997; Lidl launchte www.lidl.de zu dem damaligen Zeitpunkt mit der Anzeige der aktuellen Prospekte. Auch der Punkt Nachhaltigkeit steht bei Lidl im Fokus der Kommunikation und gründete bereits 2006 als erster Discounter die Fairtrade Marke „Fairglobe“. In demselben Jahr starteten auch die Crossselling Dienste Lidl Fotos, Lidl Blumen und Lidl Reisen online. Im Jahre 2008 wurde www.lidl.de zu einem Online Shop erweitert. Weiterlesen →


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Dynamic Pricing – Fluch oder Segen für den Kunden?

Viele Händler im E-Commerce nutzen die Möglichkeit zur dynamischen Preisgestaltung

Viele Händler im E-Commerce nutzen die Möglichkeit zur dynamischen Preisgestaltung. Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/20140814193544-49814607-dynamic-pricing-the-future-of-ecommerce-in-india

Wer heutzutage im Internet nach dem Preis für ein bestimmtes Produkt sucht, wird mit vielen verschiedenen Preisen konfrontiert. Ausgelöst wird dies durch eine Vielzahl von Anbietern, die versuchen den größtmöglichen Profit zu machen. Doch bleibt der Kunde dabei auf der Strecke oder schafft er es, einen Vorteil aus der Lage zu ziehen? Weiterlesen →


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Evgueni Schulze
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Mobile & App Tracking im Überblick

Mittlerweile ist man nicht mehr daran gebunden sich an einen Desktop Rechner zu setzen um ins Internet zu gelangen. Angefangen mit Laptops wurden die Geräte immer kleiner und vielfältiger. Ein einfacher Besuch des World Wide Webs zur Informationssuche, kauft man mit einem Mobilgerät ebenso ein und wie man Inhalte downloadet. Der Datenverbrauch steigt von Jahr zu Jahr. Laut Statista soll dieser Ende 2017 bereits im doppelstelligen Exabyte Volumen liegen.

Parallel zum Wachstum der Download-Statistiken des mobilen Webs und mobiler App Nutzung, steigt auch das Interesse der Unternehmen die gewonnenen Daten zu analysieren. Viele optimieren ihre Webseite für mobile Endgeräte. Sie gehen auch oft einen Schritt weiter und stellen eigene App-Erweiterungen zur Verfügung. Damit helfen sie dem Kunden auch auf kleineren Bildschirmen Problemlos zu surfen. Die Schwierigkeit dabei ist, die Daten von einem beweglichen Endgerät zu sammeln und sie einem Nutzer zuzuordnen. Weiterlesen →


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AdBlocker – Nutzungsmotivationen der User und Gegenstrategien der Publisher

Einleitung

Die Nutzungszahlen von AdBlocker steigen in den letzten Jahren rasend an. Neben den positiven Aspekten einer AdBlocker Installation für den Nutzer, entsteht jedoch für Publisher eine große Problematik. Durch Werbeblocker komm es zu sinkender Reichweiten der Online-Werbung, die wiederum zu Erlösverlusten führen und sowohl die Advertiser als auch die Publisher vor eine wachsende Herausforderung stellen.

AdBlocker

AdBlocker Nutzerzahlen weltweit Quelle: PageFair and Adobe 2015 Ad Blocking Report

 

Wie hoch sind die Nutzungszahlen von AdBlockern wirklich und wie können Publisher dem entgegenwirken? Gibt es DIE Gegenstrategie für Publisher oder handelt es sich um ein Mysterium ohne Möglichkeit dem entgegen zu wirken?

All diese Fragen werden in dem folgenden Beitrag genauer untersucht. Die Arbeit wurde mit der Unterstützung der shopping24 internet group verfasst. Weiterlesen →


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David
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Apps für Produktsuchmaschinen

Einleitung

Der Online-Handel in Deutschland blickt mit einem Umsatz in Höhe von 52,79 Milliarden Euro und einem Umsatzwachstum von 23,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück. Laut einer Studie des Gutscheinportals Retailmenot und dem Centre for Retail Research bilden zunehmend die mobilen Käufe das Fundament für das stetige Wachstum im E-Commerce. Während die Käufe via Desktop-Computer um 7,0 Prozent wachsen, beläuft sich die Zunahme im M-Commerce um mehr als 100 Prozent. Bereits jeder vierte Euro wird im E-Commerce über ein Smartphone oder Tablet umgesetzt.[1]

Produkt- und Preissuchmaschinen fungieren als Intermediäre und vermitteln das Angebot einer Vielzahl von Online-Shops an Konsumenten. Der Aufbau und die Struktur der Produktsuche kann, abgesehen von der Warenkorbfunktion, mit einem Online-Shop verglichen werden. Folglich wird der mobile Auftritt der Intermediäre bei fortlaufend starkem Wachstum des M-Commerce ebenfalls zunehmend relevanter.

Ziel ist es, eine Übersicht über den App-Markt und seine Player zu geben und Handlungsempfehlungen für das Unternehmen shopping24 internet group hinsichtlich einer zukünftigen Positionierung zu formulieren.

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Bianca Schütz
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Customer Centricity – kundenorientierte Unternehmenskulturen im E-Commerce

Einordnung von Customer Centricity

Jedem einzelnen Kunden steht im E-Commerce eine große Auswahl an Unternehmen und Kommunikationsformen gegenüber. Kunden können dadurch Produkte und Services vergleichen und verschiedene Kommunikationskanäle für ihre Zwecke nutzen. Diese Möglichkeiten fordern Unternehmen heraus ihren Mehrwert deutlich herauszustellen und eine Beziehung zu dem Kunden aufzubauen. Nicht umsonst wird von der Entwicklung vom Transaktionsmarketing zum Beziehungsmarketing gesprochen, dessen Ergebnis das Customer Relationship Management darstellt.

Im Customer Relationship Management soll eine Beziehung zu dem Kunden aufgebaut werden, indem alle Marketing-Aktivitäten auf den Kunden ausgerichtet werden. Grundlage dessen stellt eine abteilungsübergreifende Datensammlung und -nutzung dar.

Customer Centricity geht jedoch weiter und wird als ganzheitliches Unternehmenskonzept verstanden, welches sich auf die individuellen Kunden ausrichtet und die Unternehmensprozesse ausgehend von Philosophie, Vision und Mission noch einmal grundlegend neu ordnet. Die Unternehmenskultur, die dem St. Galler Managementkonzept zufolge Teil des normativen Rahmens des Unternehmens ist, muss dementsprechend ganzheitlich auf den Kunden ausgerichtet sein. Unternehmenskultur ist weiter das angepasste Verhalten einer Gruppe an interne und externe Faktoren, wodurch sich diese Gruppe grundlegend von anderen unterscheidet und wo innerhalb dessen bestimmte Normen, Werte und Verhaltensmuster bestimmt und eingehalten werden. Weiterlesen →


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Lars Nehls
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Entwicklung der Investmentschwerpunkte von VCs

Die Höhe der Investitionen für Startups wird durch Trends bestimmt. Je mehr ein bestimmter Markt bei Venture-Capital-Unternehmen (VCs) angesagt ist, desto höher fallen die Bewertungen aus.[1] Als aktuelle Trends im VC-Markt können u. a. die Themen Internet of Things und Fintech identifiziert werden.[2] E-Commerce wird dagegen von VCs als eher unattraktiv angesehen.[3] Dementsprechend müsste die Höhe der Investitionen in E-Commerce-Startups im Vergleich zu anderen Branchen geringer ausfallen. Ob dies der Fall ist, wird in folgendem Artikel untersucht.

Rahmenbedingungen

Zunächst erfolgt eine Betrachtung der Rahmenbedingungen des B2C-Ecommere in Deutschland. Hierbei verdeutlichen folgende Gründe, warum E-Commerce für VCs unattraktiv erscheint.

Zunehmende Konzentration

Der gesamte Umsatz des B2C-Ecommerce in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren zwar von 15,7 auf 41,7 Milliarden Euro gestiegen, jedoch werden die steigenden Umsätze auf immer weniger Händler verteilt. So ist der Anteil der Top-1000-Shops am gesamten Umsatz von 70 Prozent in 2010 auf 61 Prozent in 2014 gefallen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Top-10-Shops am Umsatz der Top-100-Shops von 45 auf 57 Prozent.[4]

zunehmende -konzentration

Eigene Darstellung in Anlehnung an [4]

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