Was passiert, wenn drei Studierende ein Semester lang einen echten Onlineshop übernehmen dürfen, mit echtem Kunden, echtem Umsatz und echten Deadlines? Genau das durften wir, Felix, Jeremy und Tom, im Modul „E-Commerce Plattform (Betrieb & Optimierung)“ herausfinden. In diesem Beitrag erfahrt ihr alles über unser Projekt „Workwear-Shop Relaunch von Moden-Holst“. Von der ersten Analyse, über einen selbst entwickelten Logo-Konfigurator bis zu messbaren Ergebnissen in der Google Search Console.
Der Kunde: Moden-Holst aus Sittensen
Unser Projektpartner ist Moden-Holst, ein 2021 gegründetes Unternehmen aus Sittensen in Niedersachsen. Unter dem Motto „Modische, robuste und funktionelle Arbeitskleidung für richtige Anpacker und Anpackerinnen“ verkauft Moden-Holst Arbeitskleidung mit individuellem Druck oder Stick. Mehr als 700 ausgestattete Unternehmen und über zehn namhafte Lieferanten für Arbeits- und Berufsbekleidung sprechen für sich. Stationär läuft das Geschäft hervorragend. Der dazugehörige Workwear-Shop unter shop-workwear.de blieb bislang jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Und genau hier kamen wir ins Spiel.
Das Projektvorhaben: Vier Ziele für ein Semester
Gemeinsam mit dem Kunden haben wir zu Beginn vier übergeordnete Ziele definiert:
1. Die Steigerung des monatlichen Umsatzes und die Erschließung neuer Umsatzpotenziale
2. Die Verbesserung der Online-Sichtbarkeit
3. Die Implementierung eines Full-Tracking-Setups
4. Die Professionalisierung des gesamten digitalen Auftritts
Zunächst haben wir alle Maßnahmen in einer Impact-Effort-Matrix priorisiert: Quick Wins wie SEO- und Meta-Optimierungen (hoher Impact, geringer Aufwand) kamen zuerst, größere Brocken wie der Logo-Konfigurator wurden bewusst eingeplant, und Ideen mit wenig Hebelwirkung flogen raus. Organisiert haben wir uns in Sprints mit Jira, eine Entscheidung, die sich über das gesamte Projekt hinweg ausgezahlt hat. Mit dem Kunden gab es alle zwei Wochen einen festen Call sowie eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe für kurze Abstimmungen.
Ein neues Gesicht für den Workwear-Shop
Der erste große Arbeitsblock war die Überarbeitung der Oberfläche des Workwear-Shops. Dafür haben wir zunächst den IST-Zustand dokumentiert und mit dem Kunden besprochen, welche Inhalte seinen stationären Erfolg ausmachen, denn genau diese Stärken sollten endlich auch online sichtbar werden. Die Startseite wirkte vorher generisch und wenig vertrauensbildend. Nach dem Relaunch begrüßt der Shop seine Besucher mit einer klaren Navigation nach Zielgruppen (Herren, Damen, Kinder), eigenen Bereichen für Gewerke sowie Veredelung & Service und einer prominenten Referenzleiste mit Kunden wie STRABAG, Zeitfracht, Fricke und Vorwerk.


Besonders viel Liebe steckt in den Produktdetailseiten: Color Switches für alle Artikel, korrekt dargestellte Größen, aufklappbare Reiter für die Produktbeschreibung, sichtbare Shop-USPs, Payment-Icons und eine Rabatt-Anzeige machen aus einer nüchternen Produktseite eine echte Verkaufsseite. Dazu kamen ein Terminbuchungstool für die kostenlose Beratung und die Anbindung eines CRM-Systems (HubSpot), damit Anfragen nicht mehr im E-Mail-Postfach versanden.
Der Logo-Konfigurator: Unser Herzstück (und unsere größte Lektion)
Das Kerngeschäft von Moden-Holst ist veredelte Arbeitskleidung, also Kleidung mit aufgesticktem oder aufgedrucktem Firmenlogo. Genau diese Kernleistung konnte der Shop bisher nicht abbilden. Unser Plan: ein Logo-Konfigurator, mit dem Kunden ihr Logo direkt auf dem Produkt platzieren können.
Der erste Anlauf mit der Shopify-App Teeinblue entpuppte sich als Sackgasse: Jeder Artikel musste einzeln angelegt, jedes Rückseitenbild einzeln hochgeladen werden, es gab kein Dashboard zum Herunterladen der Logodateien und keinen Wechsel zwischen Vorder- und Rückseite. Nach viel investierter Zeit zogen wir die Reißleine und bauten den Konfigurator kurzerhand selbst. Das Ergebnis: Kunden wählen heute in drei einfachen Schritten Platzierung, Veredelungsart und Logo direkt auf der Produktseite, inklusive transparenter Preise für Vorder- und Rückseite. Die Erkenntnis daraus hat es später auch in unsere Learnings geschafft: Dank moderner KI-gestützter Entwicklung ist man heute nicht mehr zwingend auf Shopify-Apps angewiesen.

Full-Tracking-Setup: Der Workwear-Shop verlässt den Blindflug
Im IST-Zustand gab es keinerlei Analyse-Anbindung. Der Workwear-Shop lief im kompletten Blindflug. Wir haben deshalb ein vollständiges Tracking-Setup mit Google Analytics 4, Google Tag Manager, Search Console und Microsoft Clarity aufgebaut. In einer Kreativsession sammelten wir zunächst alle Messwünsche und setzten anschließend die wichtigsten um: das Tracking des Logo-Konfigurators, die Analyse interner Sucheingaben (inklusive Suchen ohne Ergebnis) sowie Angebotsanfragen als Conversion. Damit kann Moden-Holst heute datenbasiert entscheiden, statt auf ein Bauchgefühl angewiesen zu sein.
SEO für den Workwear-Shop: Sichtbar werden, wo die Kunden suchen
Parallel dazu lief unsere SEO-Offensive. Suchmaschinenoptimierung ist gerade im B2B-Bereich ein unterschätzter Kanal: Wer nach „Arbeitskleidung mit Logo besticken“ sucht, hat bereits eine konkrete Kaufabsicht. Man muss nur gefunden werden. Wir haben deshalb für jede Produkt- und Kategorieseite optimierte Seitentitel und Meta-Beschreibungen erstellt, sodass der Shop in den Suchergebnissen nicht mehr mit kryptischen Standardtiteln, sondern mit klaren, klickstarken Snippets erscheint. Alle Produktbilder erhielten sprechende Dateinamen und ALT-Texte: gut für Google, gut für die Barrierefreiheit. Ergänzend haben wir mit dem Aufbau von Backlinks begonnen, um die Autorität der Domain langfristig zu stärken.
Der größte Hebel war jedoch die Ladegeschwindigkeit. Page Speed ist nicht nur ein Rankingfaktor, sondern entscheidet auch direkt über Conversions, denn jede Sekunde Wartezeit kostet Kunden. Durch konsequente Performance-Optimierung stieg der Lighthouse-Score der Startseite von 76 auf starke 96 Punkte.

Die Ergebnisse: Zahlen, die für sich sprechen
Und hat sich das alles gelohnt? Ein Blick in die Google Search Console beantwortet die Frage eindrucksvoll, und zwar mit genau den Daten, die es ohne unser Tracking-Setup gar nicht gäbe. Vor dem Projekt verzeichnete der Workwear-Shop rund 81 Klicks in 90 Tagen. Heute stehen im gleichen Zeitraum 341 Klicks bei 32.567 Impressionen zu Buche, mit einem klaren Aufwärtstrend seit April, der sich Woche für Woche fortsetzt. Dazu kommen der stark verbesserte PageSpeed-Score, ein stehendes Full-Tracking-Setup und ein Shop, der die Kernleistung des Unternehmens endlich digital abbildet.

Was nicht geklappt hat und was wir gelernt haben
Zu einem ehrlichen Projektbericht gehört auch die andere Seite. Die geplante Integration externer Kanäle wie Google Shopping mussten wir zugunsten des Logo-Konfigurators streichen. Teeinblue hat uns viel Zeit gekostet, die eine frühere und gründlichere Tool-Evaluation gespart hätte. Und die Kundenkommunikation war trotz fester Calls und WhatsApp-Gruppe deutlich zeitintensiver als geplant.
Daraus haben wir konkrete Learnings mitgenommen:
- Feste Kommunikationsfenster mit dem Kunden vereinbaren statt Ad-hoc-Abstimmungen
- Aufwandsschätzungen immer mit Puffer versehen, weil manuelle Aufgaben fast immer länger dauern als geplant
- Google-Konten niemals im Team teilen, da das schnell zu Kontosperrungen führt. Besser sind eigene Konten mit geteilten Berechtigungen.
- Die Sprint-Organisation mit Jira hat uns gezeigt, wie wertvoll strukturiertes Arbeiten auch in kleinen Teams ist.
- Vielleicht die schönste Erkenntnis: Die Themenfelder ähneln sich in fast allen Onlineshops. Wer einmal gelernt hat, einen Shop systematisch zu analysieren und zu optimieren, kann dieses Wissen überall anwenden.
Unser Fazit
Dieses Projekt war für uns die perfekte Mischung aus Theorie und Praxis: Wir haben SEO, Tracking, UX-Optimierung und Kundenmanagement nicht in Vorlesungsfolien kennengelernt, sondern an einem echten Shop mit echten Konsequenzen. Wenn ihr überlegt, ein Studium mit E-Commerce-Schwerpunkt zu beginnen: Genau solche Projekte erwarten euch. Und wenn ihr als Unternehmen wissen wollt, was in eurem Shop steckt: Manchmal braucht es nur ein motiviertes Team, eine gute Priorisierung und ein Semester Zeit. Bei Interesse kontaktiert uns direkt hier!
Den fertigen Workwear-Shop könnt ihr euch unter shop-workwear.de ansehen.
Jetzt seid ihr gefragt: Was bringt aus eurer Sicht den größten Umsatz-Hebel in einem Onlineshop? Stimmt ab!
Ein Projektbericht von Felix, Jeremy und Tom aus dem Modul E-Commerce Plattform (Betrieb & Optimierung), Sommersemester 2026. Weitere Projektberichte findet ihr auf webspotting.de.
