14 Erfolgsfaktoren für die Nutzung von digitalen Planspielen an Hochschulen

Studentengruppe

In der Lehre können verschiedene Lehrmethoden verwendet werden. Zu den klassischen Lehrmethoden zählt zum Beispiel der Frontalunterricht oder die Gruppenarbeit. Planspiele wiederum zählen zu den handlungsorientierten Lehrmethoden, wo die Studenten in einem interaktiven und praxisnahen Szenario lernen können. Aber was sind Planspiele eigentlich? Und gibt es Faktoren, die zu einer erfolgreichen Durchführung beitragen? In den folgenden Abschnitten werden diese Fragestellungen näher betrachtet.

Grundlegend bilden Planspiele in vereinfachter Form die Realität ab. Teilnehmer werden dabei in fiktive, praxisnahe Situationen versetzt, in denen sie Entscheidungen treffen müssen und somit das Spielgeschehen nachhaltig beeinflussen. Das didaktisch Besondere ist, dass die Studenten selbst Teil eines Modells werden und somit eine hohe Identifikation zum Thema geschaffen wird.

Abbildung 1 Modellszenario angelehnt an Blötz

Planspiele ermöglichen es den Teilnehmern komplexe Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven in einer risikofreien Umgebung zu erfahren und können sowohl an Schulen, Universitäten oder in Unternehmen eingesetzt werden. Besonders der Aspekt des „spielerischen Lernens“ differenziert das allgemeingültige Planspiel von reinen Simulationen, wie beispielsweise dem Flugzeugsimulator.

Ein typisches Planspielszenario

Innerhalb eines Seminars werden Studenten in gleich große Gruppen eingeteilt. Die Gruppen werden konstruiert und nehmen verschiedene Rollen ein, beispielhaft die Funktionen eines IT-Unternehmens. Somit bilden die Gruppen bzw. die IT-Unternehmen, einen Wettbewerbsmarkt ab, die gegeneinander spielen. Er werden pro Spielrunde Entscheidungen simuliert, die Einfluss auf das Marktgeschehen haben. Abschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und reflektiert und eine neue Spielrunde beginnt.

Das Planspiel wird von einem Planspielleiter begleitet, der häufig vom Dozenten dargestellt wird. Dieser hat die Aufgaben der Moderation, Reflexion und Auswertung.

Durchführung von Experteninterviews (n=6)

Mit dem Ziel die Erfolgsfaktoren bei der Durchführung von digitalen Planspielen zu ermitteln, wurden sechs Experteninterviews durchgeführt. Bei der Auswahl der Interviewkandidaten wurde darauf geachtet, dass sie an einer Hochschule Planspiele mit wirtschaftlichem Bezug durchführen. In der nachfolgenden Tabelle ist eine anonymisierte Übersicht der Teilnehmer zu sehen:

Tabelle 1 Übersicht der Interviewkandidaten

Die 14 Erfolgsfaktoren

Aus den durchgeführten Interviews konnten folgende Erfolgsfaktoren abgeleitet werden:

Der Aufbau von relevantem Vorwissen

Es muss sichergestellt werden, dass die Teilnehmer in vorangegangenen Modulen bereits relevantes Wissen aufbauen konnten.

Die Durchführung des Planspiels als Blockseminar

Das Planspiel sollte nicht über das Semester verteilt durchgeführt werden, sondern in zwei bis drei Tagen innerhalb eines in sich geschlossenen Blockseminars. So kann der Fokus und die Motivation besonders hochgehalten werden.  

Die Auswahl des passenden Planspiels

Auf dem Markt gibt es viele verschiedene Planspielanbieter mit ebenso vielen Planspiellösungen. Bei der Auswahl des Planspiels muss sichergestellt werden, dass das Planspiel exakt zu den Bedürfnissen und dem Lehrschwerpunkt passt.

Die fachliche und soziale Kompetenz des Planspielleiters

Der Planspielleiter muss, zumindest aus fachlicher Sicht, ein Experte in den zu behandelnden Themengebieten sein. Zusätzlich spielt auch die soziale Komponente eine entscheidende Rolle, da der Erfolg auch von der Betreuung der Studenten abhängt.

Der Planspielleiter als Experte des Planspielsystems

Damit der Spielleiter den Studenten gerecht werden kann, ist eine intensive Vorbereitung auf das Planspiel notwendig. Der Planspielleiter muss das Planspiel vollumfänglich kennen. Hierfür sollte das Planspiel im Vorfeld einige Male selbst durchgespielt werden.

Der Rückzugsort der Gruppen

Die Gruppen können nur dann interaktiv agieren, sofern sie einen eigenen Rückzugsort besitzen. Hierbei ist auf die Gegebenheiten vor Ort einzugehen. Nicht überall ist es möglich den Gruppen einen eigenen Raum zur Verfügung zu stellen, ein Rückzugsort auf dem Campus kann bereits ausreichend sein.

Die adäquate Einarbeitung der Teilnehmer in das Planspielsystem

Die Studenten müssen ausreichend auf das Planspielsystem vorbereitet werden. Ansonsten verlaufen die ersten Runden deutlich schleppender und der Lerneffekt tritt später ein. Die Einarbeitung kann durch Methoden, wie Tests oder Präsentationen, sichergestellt werden.

Die Gruppengröße

Idealerweise sollte die Gruppengröße zwischen vier bis sechs Personen liegen. Bei zu kleinen Gruppen kann es zu einer Überforderung kommen, da das Planspiel eine gewisse Komplexität mit sich bringt. Bei zu großen Gruppen kann es hingegen zur Unterforderung innerhalb der Gruppe kommen.

Die Gruppenanzahl

Ein Planspiel sollte mit fünf bis sieben, mindestens aber mit drei Gruppen durchgeführt werden. Bei zu wenigen Gruppen ist das Planspiel häufig zu einfach und der Zufallsaspekt spielt eine zu große Rolle. Agieren zu viele Gruppen, kann das Planspiel insgesamt zu komplex werden.

Die Zusammensetzung der Gruppen

Die Gruppeneinteilung sollte durch den Spielleiter erfolgen, um ein Kompetenzgefälle zwischen den Gruppen zu minimieren. Die Teilnehmer mit ihren individuellen Kompetenzen werden hierbei ausgewogen auf die Gruppen verteilt. So entsteht in Bezug auf die Kompetenzen eine Heterogenität innerhalb der Gruppen und eine Homogenität zwischen den Gruppen.  

Die Anzahl der Spielrunden

Bei der Anzahl der Spielrunden sollte eine ausgewogene Balance gefunden werden. Insgesamt sollten sechs bis acht Runden gespielt werden. Werden zu wenig Runden gespielt, kann es passieren, dass noch nicht alles didaktisch Relevante platziert wurde. Werden zu viele Runden gespielt, kann dies die Motivation der Teilnehmer beeinflussen.

Die Reflexion in zwei unterschiedlichen Teilnehmerkreisen

Die Reflexion der einzelnen Spielrunden sollte zum einen mit allen Teilnehmern und zum anderen in den einzelnen Gruppen durchgeführt werden. Der Planspielleiter sollte nur die Ergebnisse der vergangenen Spielrunde mit allen Planspielteilnehmern besprechen. Teamrelevante Fragen oder Feedback sollten innerhalb der einzelnen Gruppen besprochen werden.

Die Motivation der Teilnehmer und des Spielleiters

Die Teilnehmer müssen über das gesamte Planspiel hinweg motiviert bleiben. Dies kann beispielsweise durch die Bereitstellung von Rückzugsorten erreicht werden. Die Motivation der Teilnehmer korreliert zusätzlich stark mit der Motivation des Planspielleiters.

Die Selbstreflexion in der Spielauswertung

Zum nachhaltigen Erfolg von Planspielen ist es relevant, dass in der finalen Spielauswertung das Verhalten reflektiert wird. Diese Selbstreflexion zahlt maßgeblich darauf ein, inwieweit das Gelernte auf andere Situationen übertragen werden kann.

Ausblick

Planspiele bieten insgesamt verschiedene Vorteile gegenüber der klassischen Lehre. Neben fachlichen Kompetenzen werden auch Softskills, wie Teamarbeit oder Entscheidungsfähigkeit vermittelt. In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung wird es immer einfacher digitale Planspiele durchzuführen und sollten aus diesem Grund als begleitendes Lehrmittel in Betracht gezogen werden.

Besonders im Fachbereich E-Commerce kann ein Planspiel als Ergänzung erfolgreich sein, um die Lehrinhalte praxisnah und interaktiv zu vermitteln. Aus Sicht der Fachhochschule Wedel sollte bei einer Strategie für die Einführung von Planspielen tiefergehend untersucht werden, ob die Erfolgsfaktoren zur Durchführung erfüllt werden können.

Quellen

Blötz, U. (Hrsg.). (2008). Planspiele in der beruflichen Bildung mit CD-ROM: Auswahl, Konzepte, Lernarrangements, Erfahrungen Aktueller Planspielkatalog 2008 (4. Aufl.). wbv Media.

Blötz, U. (2015). Planspiele und Serious Games in der beruflichen Bildung Auswahl, Konzepte, Lernarrangements, Erfahrungen – Aktueller Katalog für Planspiele und Serious Games 2015. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.

Distel, A. (2019, Mai 14). Unsplash. Unsplash.com. https://unsplash.com/photos/wD1LRb9OeEo

Eggenschwiler, D. (2014). Handbuch der Methodenvielfalt. http://www.afap.ch/wp-content/uploads/2017/03/handbuch_methodenvielfalt_0.pdf

Herz, D., & Blätte, A. (2000). Simulation und Planspiel in den Sozialwissenschaften: Eine Bestandsaufnahme der internationalen Diskussion. LIT.

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