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Tobias Bogotzek
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Ein Zukunftsausblick: Online-Marketing ohne Cookies

Cookies sind unverzichtbar im Online-Marketing, doch geht es in Zukunft auch ohne die Datenkekse?

Cookies sind unverzichtbar im Online-Marketing, doch geht es in Zukunft auch ohne die Datenkekse?[2]

Cookies sind allgegenwärtig. Die kleinen Datenkekse enthalten für Webseitenbetreiber wichtige Informationen. Zum Beispiel kann durch sie der Affiliate Partner getrackt und somit vergütet werden. Im Display Marketing werden sie eingesetzt, um anhand der gesammelten Informationen zielgerichtete und individualisierte Werbung auszustreuen. Auch um in der Customer Journey den Weg des Kunden genau nachzuverfolgen, um so die unternehmenseigene Online-Marketing-Strategie zu optimieren, sind Cookies unverzichtbar. Eine Zukunft ohne die Kekse scheint also schier unmöglich, dennoch beginnt das Bild des perfekten Tracking- und Targetinginstruments langsam zu brechen.[1]

EU-Richtlinie E-Privacy: undurchsichtig und problematisch

Der Grund hierfür liegt in der EU-Richtlinie „E-Privacy“ von 2009 sowie in Blockade-Tools gegen das Setzen von Cookies. Durch die „neue“ Richtlinie sind Webseitenbetreiber dazu gezwungen, die Nutzereinwilligung einzuholen (Opt-In-Verfahren), um Cookies auf dem Browser der Nutzer setzen zu dürfen. Zuvor mussten Nutzer selber in ihren Browsereinstellungen die Cookies entfernen (Opt-Out-Verfahren). Aktuell ist die Rechtslage noch undurchsichtig, denn ein neues Gesetz oder eine Gesetzesänderung gab es seit Verabschieden der EU-Richtlinie in Deutschland nicht. Somit setzen nur wenige, mittlerweile aber immer mehr Online-Händler die Richtlinie um. Dies liegt am offiziellen Statement der Bundesregierung von 2013, in der klargestellt wurde, dass kein neues Gesetz notwendig wäre, da die EU-Richtlinie schon im deutschen Telemediengesetz verankert sei. Rechtsexperten schätzen, dass erst ein Präzedenzfall die Rechtslage klären könnte. Dann wären alle Webseitenbetreiber gezwungen, sich die Nutzereinwilligung zum Setzen von Cookies einzuholen, was die Anzahl an verwendeten Cookies deutlich reduzieren würde. [3]

Alternativen zum Tracking und Targeting

Aufgrund dessen müssen sich Online-Unternehmen langsam aber sicher Alternativen zum handelsüblichen Tracking und Targeting überlegen. Für beide Themenbereiche gibt es sogar eine Vielzahl an Alternativen, die Ergebnisse ohne das Setzen der Datenkekse erlangen. Zur Ausspielung von Werbung gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, anhand des Standortes oder der Herkunft passende Produkte und Services auszusteuern (Geo-Targeting), aber auch anhand des Inhaltes der Website (kontextuelles Targeting) oder der Uhrzeit kann man ohne Cookies zielgerichtete Werbung aussteuern.[4][5] Theoretisch gesehen sind dies durchaus gute Alternativen, praktisch jedoch kann die Werbung nicht individualisiert auf den Nutzer ausgerichtet werden. Man weiß zwar, an welchem Ort und auf welcher Seite sich ein Nutzer befindet, was genau ihn interessiert und was er sich schon einmal angeschaut hat, weiß das Unternehmen jedoch nicht. Doch genau das sind die wichtigsten Aspekte, um eine personalisierte, auf den Nutzer ausgerichtete Werbung zu erstellen. Auch im Tracking gibt es durchaus Cookie-Alternativen, eine Lösung, die für einen großen Zeitraum einen Lead dem Affiliate zuordnen kann ist jedoch ohne Cookies nicht praktikabel.[6]

Fingerprinting: eine Lösung für die Zukunft?

Eine ernsthafte Alternative zu den Cookies stellt eine neue und innovativere Methode, das Fingerprinting dar. Die Fingerprinting-Methode zählt derzeit als die einzige wirklich ernsthafte Alternative zu Cookies, da ähnlich wie bei Cookies der Weg des Kunden beim Fingeprinting eindeutig verfolgt werden kann. Möglich ist dies, indem die Eigenschaften des jeweiligen Endgerätes analysiert werden und so ein eigener Steckbrief des Gerätes und dementsprechend des Nutzers entsteht, der sogenannte „digitale Fingerabdruck“. Anhand dieser eindeutigen ID kann der Weg des Users durch den eigenen Shop oder das Web genau verfolgt und so persönliche Daten gesammelt werden. Noch ist dieses Verfahren nicht perfektioniert, dennoch ist eine positive Entwicklung zu erkennen und schon bald könnte das Fingerprinting auf dem gleichem Arbeitslevel sein wie die Cookies aktuell. Eine individuelle und persönliche Ausrichtung auf jeden beliebigen Nutzer wäre somit gegeben und das wichtigste Ziel im Online-Marketing erreicht.[7][8]
Beim Fingerprinting werden elementare technische Merkmale des Endgerätes analysiert und so ein Fingerabdruck des Users erstellt.

Beim Fingerprinting werden elementare technische Merkmale des Endgerätes analysiert und so ein Fingerabdruck des Users erstellt.[10]

Doch auch am Fingerprinting gibt schon einige Schwächen beziehungsweise Kritikpunkte. So soll es auch gegen das Fingerprinting schon einige Blockade-Tools geben, wie gut und ob diese überhaupt funktionieren ist nicht ganz sicher, bei einem Durchsetzen dieser Methode braucht es jedoch nicht lange, bis zuverlässige Blockade-Tools auf dem Markt erhältlich sind. Zusätzlich werden die Daten beim Fingerprinting auf Webservern der Unternehmen gespeichert, was datenschutzrechtlich noch kritischer zu sehen ist als das Datensammeln mittels Cookies.[9]

Ökosystem-Tracking: das Horror-Szenario der Online-Branche

Im Falle eines Cookie-“Verbots“ und auch beim Verbot der Fingerprinting-Methode, was aufgrund der noch größeren Datenschutzproblematik in Zukunft durchaus realistisch ist, könnte das „Horror-Szenario“ der Onlinebranche wahr werden. Denn wenn das Tracking kaum möglich ist, liegt die Trackingmacht bei den größten Unternehmen des Onlinebereiches. Unternehmen wie Google, Facebook oder Apple besitzen ein großes Ökosystem, indem sie Möglichkeiten haben, die Nutzer zu identifizieren und Daten zu sammeln. Google beispielsweise vergibt jedem Nutzer der Suchmaschine eine eigene Google-ID und kann damit seinen Weg durch das Netzwerk verfolgen. Aber auch über das soziale Netzwerk Google+ können wichtige persönliche Daten, wie Interessen und Hobbys getrackt werden. Google besitzt eine Vielzahl an Diensten und Programmen und wenn ein User sich nicht von Google abmeldet, surft er so für Google sichtbar durch das Web und so erhält der Online-Riese Google eine Unmenge an Eckpunkten, um Daten zu filtern. Gleiches gilt für Facebook und Apple, die ebenfalls genügend eigene Software und Endgeräte herstellen, um ein exaktes Userprofil zu erstellen und das meistens sogar noch über Device-Grenzen hinaus. Dienstleister aus Europa, die Nutzerdaten sammeln um diese für eigene Systeme zu nutzen, müssten nun die Daten von den Global Playern der Online-Branche einkaufen und sich ihnen somit anpassen. Die Global Player könnten zudem hohe Preise für das rare Gut der Daten verlangen und somit einen weiteren lukrativen Geschäftszweig entwickeln. Die Macht der Unternehmen würde exponentiell steigen.[11]

Fazit: Datenschutzdebatten und Machtverlust

„Wir entwickeln einfach neue Methoden, und die Diskussion geht in absehbarer Zeit wieder von vorne los.“ Dieses Zitat des Online-Marketing Experten Heiko Staab fasst die Situation und eine mögliche Problematik für die Zukunft sehr gut zusammen. Durch das Cookie-Verbot ausgelöst, könnte eine Negativspirale in Gang gesetzt werden. Zuerst einmal werden die Cookies datenschutzrechtlich kritisiert und die Politik spricht ein Verbot aus. Nun muss die Online-Branche neue Methoden entwickeln, die logischerweise noch „feindlicher“ zum Datenschutz stehen. Das zeigt die Entwicklung hin zum Fingerprinting: bei Cookies haben die Nutzer aktuell noch selber in der Hand, was mit ihren Daten geschieht. Sie können sie selber einsehen und selbst löschen. Beim Fingerprinting ist das schon schwieriger. Die Daten liegen auf Webservern der Unternehmen und für Nutzer ist es kaum möglich diese einzusehen. Diese Problematik würde erneut eine Datenschutzdebatte auslösen und die Unternehmen müssten sich vielleicht wieder neue Varianten überlegen. Schlussendlich könnte diese Spirale bei den Großunternehmen enden. Diese wäre für die Nutzer noch wesentlich kritischer, denn an die Daten der Online-Riesen zu gelangen oder in einem Gerichtsprozess gegen sie anzutreten ist schier unmöglich. Die EU hätte sich dann mit einer Richtlinie gegen Cookies zum Schutz der Daten vielleicht ein großes Eigentor geschossen, zum einen wirtschaftlich, zum anderen hinsichtlich des Schutzes von Nutzerdaten.[12]

 

Quellen:

[1] Andre Alpar, „Graphische Bannerwerbung und die Bedeutung von Cookies- Andre in der FAZ“ http://www.akm3.de/blog/graphische-bannerwerbung-und-die-bedeutung-von-cookies-andre-in-der-faz (Abruf:27.02.2015)

[2] Bildquelle: Pixabay: http://pixabay.com/static/uploads/photo/2014/09/04/05/27/cookies-435296_640.png (Abruf: 28.02.2015)

[3] Daniel Huber, „Verwendung von Cookies nur noch bei ausdrücklicher Einwilligung der Nutzer?“ http://www.it-recht-kanzlei.de/cookies-einwilligung-datenschutz.html(Abruf:27.02.2015)

[4] Adzine, Alternativen zum Cookie http://www.it-recht-kanzlei.de/cookies-einwilligung-datenschutz.html (Abruf:27.02.2015)

[5] Bundesverband digitale Wirtschaft, „Targeting-Begriffe und Definitionen“  http://www.bvdw.org/medien/targeting-begriffe-und-definitionen?media=691 (Abruf: 09.01.2015)

[6] Andre Alpar, „Graphische Bannerwerbung und die Bedeutung von Cookies- Andre in der FAZ“ http://www.akm3.de/blog/graphische-bannerwerbung-und-die-bedeutung-von-cookies-andre-in-der-faz (Abruf:27.02.2015)

[7] Sebastian Helm, „Die Zukunft der Onlinewerbung: Vier Szenarien für die Zukunft von Cookies“ http://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/356123sh.html?pay=1 (Abruf:27.02.2015)

[8] Karsten Zunke, „Zukunft ohne Cookies“ http://heftarchiv.internetworld.de/2013/Ausgabe-18-2013/Tracking-ohne-Cookies (Abruf:27.02.2015)

[9 ]Sebastian Helm, „Die Zukunft der Onlinewerbung: Vier Szenarien für die Zukunft von Cookies“ http://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/356123sh.html?pay=1 (Abruf:27.02.2015)

[10] Bildquelle: Pixabay, http://pixabay.com/static/uploads/photo/2014/04/21/09/10/fingerprint-328992_640.jpg (Abruf: 28.02.2015)

[11] Sebastian Helm, „Die Zukunft der Onlinewerbung: Vier Szenarien für die Zukunft von Cookies“ http://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/356123sh.html?pay=1 (Abruf:27.02.2015)

[12] Karsten Windfelder,“Heiko Staab: Tracking-Alternativen für das Affiliate-Marketing“ http://blog.100partnerprogramme.de/2014/02/06/heiko-staab-tracking-alternativen-fuer-das-affiliate-marketing/ (Abruf: 27.02.2015)


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Tobias Bogotzek
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Betrug im E-Commerce: Auswirkungen, Betrugsmuster und präventive Maßnahmen

E-Commerce Unternehmen werden immer häufiger Opfer von Betrügern. Laut einer Studie wurden bereits 84 Prozent der befragten Händler mit Betrug beziehungsweise Betrugsversuchen konfrontiert[1]. Eine im Jahr 2014 veröffentlichte Studie der bbw Hochschule schätzt den Anteil von Betrug im Onlinehandel auf circa fünf Prozent am Gesamtumsatz des digitalen Einzelhandels in Deutschland. 2014 wurde die Summe aller Betrugsschäden somit auf circa 1,855 Milliarden Euro geschätzt.[2] Aufgrund der hohen Schäden und des starken Einflusses auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen, kommt der Kriminalität im Internet heutzutage ein hoher Stellenwert zu.

Auswirkungen auf Unternehmen

Die Auswirkungen dieser betrügerischen Aktivitäten können unterschiedliche Formen annehmen. Als wichtigste Auswirkungen von Betrug an Unternehmen gelten Reputationsschäden, juristische Kosten und der direkte finanzielle Schaden.[3]

Ein Unternehmen, das durch Internetkriminalität einen Reputationsschaden erlitten hat ist Ashley Madison. 2015 stahlen und veröffentlichten Hacker sensible Daten der über 30 Millionen Nutzer des Seitensprungportals.[4] Zusätzlich wurde der Einsatz von Fake Accounts und Chat-Bots öffentlich. Durch die Bots wurden den männlichen Nutzern das Interesse von Frauen vorgetäuscht, um zusätzliche Einnahmen zu generieren.[5] Juristische Kosten umfassen eine Vielzahl von Positionen – darunter Kosten für eine juristische Beratung und gegebenenfalls Verfahrenskosten.[6] Mögliche Folgekosten können einen multiplikatorischen Effekt auf den entstandenen finanziellen Schaden ausüben, da der Verlust von sensiblen Daten beispielsweise Schadensersatzforderungen hervorrufen kann. So ist es möglich, dass Angriffe auf Finanzdienstleister Wiederherstellungskosten von mehr als 100 Millionen US-Dollar verursachen.[7] Als signifikanteste Auswirkung wird von Online-Händlern allerdings der direkte finanzielle Verlust angesehen.[8] Als Beispiel dafür welche hohen Ausmaße der finanzielle Verlust annehmen kann, dient das Unternehmen Zalando, welches Opfer eines großen Rechnungsbetruges wurde. Im Zeitraum von Juni 2014 bis Juni 2015 gingen 962 Bestellungen per Rechnung aus Flüchtlingsheimen ein, von denen 627 nicht beglichen wurden, was einen Verlust von circa 120.000 Euro verursachte.[9] Insgesamt musste der börsennotierte Versandhändler aufgrund der steigenden Betrugsfälle in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2015 18,5 Millionen Euro für Zahlungsausfälle zurücklegen.[10]

Neben den hier beschriebenen Betrugsfällen, existieren zahlreiche weitere Betrugsmuster im E-Commerce, die sich in Abhängigkeit verschiedener Zahlungsarten entwickelt haben.

Betrugsmuster im E-Commerce

Bei den aus Händlersicht unsicheren Zahlungsarten Rechnung und Lastschrift sind Online-Händler besonders häufig von Betrug betroffen. Beim Lastschriftverfahren nutzen Betrüger die Möglichkeit, trotz vollständiger Lieferung und einer somit rechtmäßigen Kontobelastung seitens des Online-Händlers, eine Rücklastschrift anzufordern. Dazu verwenden diese häufig auch gestohlene Kontodaten und involvieren damit unwissende Dritte in den Betrug.[11] Der Zahlung per Rechnung liegen aus Händlersicht besonders häufig Betrugsfälle zu Grunde. 63 Prozent der von der ibi research GmbH befragten und bereits mit Betrug konfrontierten Unternehmen verzeichneten Fälle des sogenannten Eingehungsbetrugs.[12] Eingehungsbetrug bezeichnet einen Bestellvorgang, bei dem der Käufer bereits vorab weiß, dass er die an die Transaktion gebundene Rechnung nicht begleichen kann oder begleichen wird, das Eigentum aber dennoch vom Händler zum nicht zahlenden Kunden übergeht.[13]

Allgemeine Vorgehensweise beim "Friendly Fraud" (eigene Darstellung)

Allgemeine Vorgehensweise beim „Friendly Fraud“ (eigene Darstellung)

Online-Händler und/oder Käufer sehen sich aber nicht nur im Kontext von unsicheren Zahlungsarten mit Betrug konfrontiert. Auch bei vermeintlich sicheren Varianten der Bezahlung haben Betrüger spezifische Betrugsmuster entwickelt.

Kreditkartenbetrug

Beispielsweise wird der “Friendly Fraud” bei Kreditkartenzahlungen verwendet. Bei diesem Betrugsmuster wird das Chargeback-Verfahren angewendet, also die Stornierung von Kreditkartenabbuchungen. Betrüger bestellen physische oder digitale Güter in einem Online-Shop und zahlen per Kreditkarte. Kurz vor Ablauf der Stornierungsfrist beantragt der Betrüger dann einen Chargeback mit der Begründung, dass die Ware nicht angekommen sei. Häufig kann dies nur schwer widerlegt werden und der Händler muss sich der Erstattungsforderung beugen. Damit verzeichnen die Händler nicht nur den Verlust des Warenwerts, sondern zahlen als Zahlungsempfänger auch noch die Prüfungskosten für das Chargeback-Verfahren.[14] Diese Prüfungskosten belaufen sich je nach individueller Gegebenheit zwischen 20,00 und 60,00 Euro.[15]

Allgemeine Vorgehensweise beim "PayPal Dreiecksbetrug" (eigene Darstellung)

Allgemeine Vorgehensweise beim „PayPal Dreiecksbetrug“ (eigene Darstellung)

 

Pay-Pal Dreicksbetrug

Ein weiteres Beispiel für ein Betrugsmuster bei sicheren Zahlungsarten ist der PayPal-Dreiecksbetrug, der bei privaten Transaktionen auf Auktionsplattformen wie “ebay” angewendet wird. Bei diesem Betrugsmuster bestellt der Betrüger einen Artikel einer Privatperson und verkauft das gleiche, beziehungsweise ein gleichpreisiges Produkt an eine zweite Privatperson, ohne im tatsächlichen Besitz des Produktes zu sein. Der Betrüger übermittelt anschließend die Zahlungsdaten der ersten Privatperson an den Käufer des nicht vorhandenen Artikels, welcher im Anschluss den entsprechenden Betrag überweist. Vorerst erhält der Verkäufer, der in diesem Prozess das Betrugsopfer darstellt, den Verkaufspreis für seinen Artikel, jedoch nicht vom eigentlichen Käufer, dem Betrüger, sondern einer unbeteiligten dritten Person. Der Betrüger fordert den Verkäufer anschließend auf, den Versand an eine von den Rechnungsinformationen abweichende Adresse zu senden. Währenddessen wartet der Käufer des imaginären Artikels vergeblich auf sein Produkt und zieht die Zahlung zurück. Bei PayPal steht ihm dies aufgrund des sogenannten PayPal-Käuferschutz zu, da er keine Ware erhalten hat.[16] Am Ende dieses Betrugsszenarios hat der Betrüger sein Produkt erhalten, der Käufer des imaginären Artikels hat sein Geld zurückerhalten und der Verkäufer sieht sich mit dem Verlust seiner Ware konfrontiert, ohne im Besitz des Geldes zu sein.[17] Zusätzlich greift bei ihm der PayPal-Verkäuferschutz nicht, da er die Ware an eine abweichende Adresse geschickt hat.

Betrugsprävention aus Unternehmenssicht

Die Beschreibung der Betrugsmuster und der dadurch entstehenden Schäden zeigt, dass es für E-Commerce Unternehmen unerlässlich ist, eine erfolgreiche Betrugsprävention zu etablieren.

Möglicher Kreislauf zur stetigen Optimierung der Betrugsprävention im E-Commerce (eigene Darstellung)

Möglicher Kreislauf zur stetigen Optimierung der Betrugsprävention im E-Commerce (eigene Darstellung)

Dabei sollten Unternehmen zunächst die Motive von Betrügern identifizieren und feststellen welche Werte und Daten des Unternehmens als attraktiv gelten könnten. Im nächsten Schritt sollte ermittelt werden, welche Vorgehensweisen Betrüger zum Diebstahl der jeweiligen Güter wählen könnten. Dabei sollten mögliche realistische Szenarien in Betracht gezogen und infolgedessen auf Sicherheitsschwachstellen analysiert werden. Im Anschluss an die Ermittlung der potenziellen Betrugsszenarien, sollte formuliert werden,  welche Schäden hierdurch entstehen könnten. In Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit bestimmter Szenarien und der Höhe des Schadens, kann eine Priorisierung der einzuleitenden Maßnahmen erfolgen. Nachdem Kosten und Nutzen der einzelnen Maßnahmen abgewogen wurden, können diese durchgeführt werden. Bereits grundlegende und weit verbreitete Maßnahmen können eine große Wirkung erzielen. So nehmen 56 Prozent der Händler eine Beschränkung des Umfangs offener Posten pro Kunde vor. Jeweils 43 Prozent setzen 3-D Secure bei Kreditkartenzahlungen ein und passen die angebotenen Zahlungsarten in Abhängigkeit zum Warenkorb an. Zudem nehmen 16 Prozent der befragten Unternehmen keinen Versand an Packstationen vor und 14 Prozent beschränken den Versand gänzlich auf die Rechnungsadresse.[18] Die Einbeziehung von Daten in den Entscheidungsmechanismus führt zwar zu einem höheren Aufwand, aber gleichzeitig zu einer höheren Zahl von vermiedenen Transaktionen durch Betrüger. Am häufigsten setzen Händler dabei eine Adressprüfung und ein Bonitäts-Scoring ein.[19] Um die Anzahl von betrügerischen Transaktionen zu minimieren, kann es für Unternehmen empfehlenswert sein, einen externen Dienstleister in Anspruch zu nehmen. Es gibt eine Vielzahl von Lösungen, die interne und externe Daten einbeziehen, um ein automatisiertes transaktionsbasiertes Risiko Scoring zu realisieren. Sie dienen dazu, Händler dabei zu unterstützen, normales Kaufverhalten von risikobehafteten Transaktionen zu unterscheiden. Auf Basis verschiedener Daten wird ein Risiko Score ermittelt, auf dessen Basis mittels Kategorisierung und Entscheidungsfindung in Echtzeit automatisch Aktionen durchgeführt werden.[20] So können Transaktionen beispielsweise als akzeptiert, abgelehnt oder zur manuellen Überprüfung markiert werden. Der Prozess der Prävention sollte dabei kontinuierlich verbessert werden, um einen effektiven Schutz vor Betrügern zu gewährleisten. Die Weiterentwicklung der Betrugsmuster zwingt Unternehmen dazu, an der Weiterentwicklung zu partizipieren und sollte daher im alltäglichen Geschäft des Unternehmens verankert werden.

Zusammenfassung und Ausblick

Der technische Fortschritt und die Digitalisierung begünstigen die Entstehung neuartiger Betrugsmethoden und erhöhen durch die Übertragung persönlicher Daten das Ausmaß von Schäden, die infolge von betrügerischen Aktivitäten im Internet entstehen.

Insbesondere die Entwicklung vom einstigen Kommunikationsmedium zum “Internet of Things” stellt eine Entwicklung dar, die Kriminellen im Internet vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen könnte. Das Internet der Dinge wird Nutzer und Unternehmen in Zukunft somit vor weitere Probleme im Kampf gegen Betrüger stellen. Durch zahlreiche neue Geschäftsmodelle und ein zunehmendes Interesse an persönlichen Nutzerdaten, werden Betrüger stets neue Möglichkeiten und Schwachpunkte finden, um sich finanziell oder in anderer Weise an Nutzern und Unternehmen zu bereichern. Passwortsicherheit und ein umsichtiger Umgang mit seinen persönlichen Daten sollten für Nutzer daher elementar werden und Unternehmen ist geraten, eine systematisierte Betrugsprävention in die Geschäftsprozesse zu integrieren.

Quellen:

[1] Vgl. Stahl, Dr. Ernst/ Weinfurther, Dr. Stefan/ Wittmann, Dr. Georg (2015, S.13) “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[2] Vgl. WIN-Verlag (2014): „Studie: 2,4 Milliarden Euro Schaden durch Betrug im Online-Handel

[3] Vgl. Innovation Process Technology AG (2016): “Betrug in der digitalen Welt

[4] Vgl. Szoldra, Paul (2016): Meet the guys trying to turn the infamous Ashley Madison site into more than a cheating hotspot

[5] Vgl. Bergert, Denise (2016): “Ashley Madison: Erpressung, Selbstmorde, Fake-Profile

[6] Vgl. Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V (2016): “Kosten eines Cyber-Schadensfalles

[7] Vgl. Center for Strategic and International Studies (2014, S.15): “) “Net Losses: Estimating the Global Cost of Cybercrime”

[8] siehe 3

[9] Vgl. Berger, Melanie (2015): Zalando: Hat nichts mit Flüchtlingen zu tun

[10] Vgl. Gassmann, Michael (2015): Moderne Diebe lassen sich Beute frei Haus liefern

[11] Vgl. Bachmann, Yvonne (2013):  “Die Lastschrift zwischen Kundenservice und Betrugsfalle

[12] Vgl. Stahl, Dr. Ernst/ Weinfurther, Dr. Stefan/ Wittmann, Dr. Georg (2015, S.14) “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[13] Vgl. Linkhorst Popken & Kollegen (2012): “Eingehungsbetrug: Was ist Eingehungsbetrug?

[14] Vgl. 2checkout.com (2016): What is Friendly Fraud?

[15] Vgl. Novalnet (2016): Chargeback

[16] Vgl. PayPal.de (2016b): PayPal-Käuferschutzrichtlinie

[17] Vgl. Achten, Nils (2015): PayPal Dreiecksbetrug: Was ist das und wie schützt man sich?

[18] Vgl. Stahl, Dr. Ernst / Weinfurther, Stefan /  Wittmann, Dr.Georg (2015, S.27): “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[19] Vgl. Stahl, Dr. Ernst/ Weinfurther, Dr. Stefan/ Wittmann, Dr. Georg (2015, S.29): “Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel. Status quo und Bewertung aus Händlersicht”,  Regensburg: ibi research an der Universität Regensburg GmbH

[20] Vgl. Ward, Theresa (2010, S.4): Strategies for Reducing the Risk of eCommerce Fraud


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Augmented Reality- Eine Technik mit Zukunft?

Augmented Reality heißt frei aus dem Englischem übersetzt „erweiterte Realität“ und meint die Anreicherung der Realität mit digitalen Informationen, wie zum Beispiel 3D-Inhalte, in Echtzeit. Beispiele für die Anwendung von Augmented Reality kennt jeder aus dem Alltag. So sind die Einblendungen von Abseitslinien in Fußballübertragungen oder das Einblenden einer Gesichtserkennung beim Blick durch die Digitalkamera auf die Technik der Augmented Reality zurückzuführen. Weiterlesen →