Einleitung
Der digitale Vertrieb konfigurierbarer Produkte stellt viele Unternehmen vor besondere technische und organisatorische Herausforderungen. Während klassische E-Commerce-Systeme auf standardisierte Produkte, klare Variantenlogiken und weitgehend automatisierte Prozesse ausgelegt sind, erfordern individualisierte und maßgefertigte Produkte deutlich komplexere Strukturen. Preislogiken sind häufig nicht linear, Produktionsprozesse lassen sich nicht vollständig automatisieren und Standardmechanismen wie Retouren oder Stornierungen müssen neu gedacht werden.
Dieser Beitrag beleuchtet die technische Umsetzung eines solchen Szenarios am Beispiel des Praxispartners HHandwerk. Im Fokus steht dabei weniger die Oberfläche des Online-Shops als vielmehr die Frage, wie reale Geschäftsprozesse – von der Produktkonfiguration über die Preisberechnung bis hin zur Produktionsfreigabe – technisch sinnvoll in einem bestehenden E-Commerce-System abgebildet werden können.
Kurzvorstellung des Praxispartners
Der Praxispartner HHandwerk ( https://hhandwerk.de/ )positioniert sich als Anbieter handwerklicher Dienstleistungen mit einem klaren Fokus auf Renovierungs-, Sanierungs- und Einrichtungsleistungen. Ausgehend von diesem handwerklichen Kern wurde das Leistungsportfolio gezielt um die Gestaltung und Einrichtung von Wohn- und Arbeitsräumen erweitert. Diese Erweiterung stellt keinen Bruch mit dem bisherigen Geschäftsmodell dar, sondern eine konsequente Weiterentwicklung hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung von Raumwirkung und Nutzung.
Im Zentrum dieses erweiterten Angebots steht die Verbindung funktionaler Anforderungen mit gestalterischen Aspekten der Raumgestaltung. Fensterlösungen nehmen dabei eine besondere Rolle ein, da sie sowohl technische Funktionen erfüllen als auch maßgeblich Einfluss auf Licht, Atmosphäre und Raumwirkung haben. Verantwortet wird dieser Bereich von einer ausgebildeten Raumausstatterin mit dem Schwerpunkt Licht-, Sicht- und Sonnenschutz, die zugleich als Interior Designerin tätig ist. Ihre fachliche Qualifikation und praktische Erfahrung bilden die Grundlage für die konzeptionelle Ausrichtung dieses Angebots.
Fenster werden bei HHandwerk nicht als rein funktionales Bauelement verstanden, sondern als integraler Bestandteil eines Raumkonzepts. Die gezielte Auswahl von Materialien, Stoffen und Systemen verfolgt das Ziel, Funktionalität und Ästhetik in Einklang zu bringen. Dabei fließen sowohl technisches Fachwissen als auch ein ausgeprägtes Gespür für Proportionen, Lichtführung und gestalterische Details in die Arbeit ein. Jedes Fenster wird als individuelles Gestaltungselement betrachtet, das wesentlich zur Atmosphäre eines Raumes beiträgt (hhandwerk.de, 2025).
Entwicklung des Online Shops des Praxispartners
Mit der Entwicklung des Online-Shops betrat HHandwerk bewusst Neuland. Ziel war es, die hohe Beratungsqualität und den gestalterischen Anspruch des Unternehmens in eine digitale Vertriebsstruktur zu überführen. Im Rahmen dieses Prozesses setzte sich der Praxispartner intensiv mit einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien, Stoffe und technischer Systeme auseinander. Auf dieser Basis entstand eine bewusst reduzierte und sorgfältig kuratierte Produktauswahl.
Im Vordergrund stand dabei nicht eine möglichst große Produktvielfalt, sondern eine Auswahl, die Orientierung bietet und qualitativ überzeugt. Kriterien wie hochwertige Verarbeitung, nachhaltige Materialien, ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie langlebige und funktionale Lösungen mit zeitlosem Design spielten eine zentrale Rolle. Diese kuratierte Auswahl soll Kund:innen die Entscheidungsfindung erleichtern und gleichzeitig sicherstellen, dass die angebotenen Produkte sowohl gestalterischen als auch funktionalen Anforderungen gerecht werden.
Die bewusste Reduktion auf ausgewählte Optionen dient zudem dazu, Unsicherheiten im Konfigurationsprozess zu vermeiden. Anstatt Kund:innen mit einer Vielzahl möglicher Varianten zu überfordern, entstehen auf dieser Grundlage durchdachte und harmonische Fensterlösungen, die sich in unterschiedliche Raumkonzepte integrieren lassen.
Aus Projektsicht wurde hier deutlich, dass ein Online-Shop für konfigurierbare Produkte nicht primär über Sortimentstiefe, sondern über Struktur, Klarheit und Entscheidungsunterstützung funktioniert. Gerade bei beratungsintensiven Produkten ist eine kuratierte Vorauswahl kein Nachteil, sondern ein wesentliches Qualitätsmerkmal des digitalen Angebots.
Ergänzend zum digitalen Angebot besteht die Möglichkeit persönlicher Beratung sowie der Besuch eines Showrooms in Hamburg-Poppenbüttel. Dort können Materialien, Stoffe und Lösungen direkt erlebt werden. Die Kombination aus digitaler Plattform und physischer Anlaufstelle unterstreicht den Anspruch von HHandwerk, Raumlösungen ganzheitlich zu denken und sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugend umzusetzen.

Ziel des Projekts
Ziel des Projekts war die Analyse, Validierung und technische Optimierung zentraler Prozesse eines Online-Shops für konfigurierbare Produkte. Im Fokus standen dabei weniger gestalterische oder marketingbezogene Fragestellungen, sondern vor allem die technische Abbildung realer Geschäftsprozesse innerhalb eines E-Commerce-Systems. Die hohe Individualisierung der angebotenen Produkte machte es erforderlich, klassische Standardprozesse kritisch zu hinterfragen und gezielt an die Anforderungen des Praxispartners anzupassen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf dem Bestellprozess, der nicht nur den Checkout und die Zahlungsabwicklung umfasst, sondern auch die interne Weiterverarbeitung einer Bestellung bis hin zur Produktionsfreigabe. Ergänzend wurden Stornierungs- und Reklamationsprozesse betrachtet, da diese bei individuell gefertigten Produkten erheblich von klassischen E-Commerce-Standards abweichen. Darüber hinaus spielte das technische Onboarding neuer Produkte eine zentrale Rolle, da der Online-Shop langfristig erweiterbar und wartbar konzipiert werden sollte.
Ziel war es, eine Prozessarchitektur zu entwickeln, die technisch stabil, nachvollziehbar dokumentiert und in der Praxis handhabbar ist. Gleichzeitig sollte sichergestellt werden, dass die internen Preislogiken des Praxispartners vollständig und korrekt im System abgebildet werden. Die technische Umsetzung wurde damit nicht nur als funktionale Aufgabe verstanden, sondern als wirtschaftlich relevante Grundlage für den digitalen Vertrieb konfigurierbarer Produkte.
Technische Umsetzung
Systemarchitektur und Plattformwahl
Die technische Umsetzung des Projekts erfolgte auf Basis der Shopify-Plattform. Shopify wurde als zentrales Shopsystem gewählt, da es eine stabile Infrastruktur für grundlegende E-Commerce-Prozesse bietet und sich über Apps und Erweiterungen an spezifische Anforderungen anpassen lässt. Bereits zu Beginn des Projekts zeigte sich jedoch, dass Shopify in seiner Standardkonfiguration primär auf den Verkauf standardisierter Produkte ausgelegt ist und bei hochgradig konfigurierbaren Produkten funktionale Grenzen aufweist.
Vor diesem Hintergrund wurde ein hybrider Ansatz gewählt, der automatisierte Systemfunktionen gezielt mit manuellen Prozessschritten kombiniert. Wiederkehrende und fehlerarme Prozesse wurden automatisiert, während komplexe oder risikobehaftete Schritte bewusst unter menschlicher Kontrolle blieben. Ziel war nicht maximale Automatisierung, sondern eine ausgewogene Balance zwischen Effizienz, Transparenz und Kontrolle.
Technische Abbildung des Bestellprozesses
Im Bestellprozess konfigurieren Kund:innen ihr gewünschtes Produkt direkt im Frontend des Online-Shops. Dabei wählen sie verschiedene Parameter wie Breite, Höhe, Material, Farbe und weitere produktspezifische Eigenschaften aus. Diese Eingaben bilden die Grundlage für die Preisberechnung sowie für die spätere Produktion.
Nach Abschluss des Checkouts legt Shopify automatisch eine Bestellung an und verarbeitet die Zahlung über den angebundenen Zahlungsanbieter. Dieser Schritt ist vollständig automatisiert und stellt sicher, dass nur bezahlte Bestellungen in die weitere Bearbeitung gelangen. Parallel dazu erfolgt eine automatische Kommunikation mit den Kund:innen in Form von Bestellbestätigungen und Statusmeldungen.
Die Produktionsfreigabe erfolgt jedoch bewusst nicht automatisiert. Stattdessen wird jede Bestellung manuell geprüft, bevor sie in die Produktion übergeht. Diese Unterbrechung der Automatisierung ist technisch notwendig, da individuelle Konfigurationen eine erhöhte Fehleranfälligkeit mit sich bringen. Durch die manuelle Kontrolle wird sichergestellt, dass z.B. Maße oder Materialauswahl korrekt sind.
Aus fachlicher Sicht zeigt sich hier ein zentrales Spannungsfeld konfigurierbarer E-Commerce-Projekte: Während Kund:innen eine möglichst reibungslose und schnelle Abwicklung erwarten, erfordern individualisierte Produkte zusätzliche Kontrollschritte. Die bewusste Entscheidung für eine manuelle Freigabe stellt daher keinen Rückschritt dar, sondern ist Ausdruck einer risikobewussten Prozessgestaltung, die Qualität und Wirtschaftlichkeit priorisiert.
Implementierung des Produktkonfigurators
Ein zentraler technischer Schwerpunkt des Projekts war die Implementierung eines Produktkonfigurators. Die Standardfunktionen von Shopify ermöglichen zwar die Anlage von Varianten und Optionen, sind jedoch nicht für komplexe, mehrdimensionale Konfigurationen mit abhängigen Preislogiken ausgelegt. Für die angebotenen Produkte war daher eine Lösung erforderlich, die sowohl technische Plausibilitäten als auch wirtschaftliche Anforderungen abbilden kann.

Abbildung nicht-linearer Preislogiken
Die größte Herausforderung bestand in der Abbildung der Preislogik. Die Preise folgen keinen linearen Staffelungen, sondern hängen von mehreren Faktoren ab, die in einem nicht linearen Verhältnis zueinanderstehen. Breite und Höhe beeinflussen den Preis nicht unabhängig voneinander, sondern in Kombination. Hinzu kommen materialabhängige Zuschläge sowie weitere produktspezifische Faktoren.
Viele verfügbare Konfigurator-Lösungen erwiesen sich in diesem Kontext als unzureichend, da sie entweder nur eingeschränkte Konfigurationsmöglichkeiten boten oder auf stark vereinfachte Preislogiken setzten. Die gewählte Lösung musste so angepasst werden, dass sie die interne Kalkulation möglichst exakt widerspiegelt und gleichzeitig für Kund:innen nachvollziehbar bleibt. Damit entstand ein Spannungsfeld zwischen technischer Korrektheit und Nutzerfreundlichkeit, das im Projekt bewusst adressiert wurde.
Aus Projektsicht wurde deutlich, dass Preislogik bei konfigurierbaren Produkten nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie beeinflusst sowohl die technische Architektur als auch die Nutzerführung im Frontend. Jede zusätzliche Regel erhöht die Komplexität des Systems und wirkt sich potenziell auf Wartbarkeit und Fehleranfälligkeit aus. Gleichzeitig ist eine zu starke Vereinfachung wirtschaftlich nicht tragfähig. Die gefundene Lösung stellt daher einen bewusst gewählten Kompromiss dar, der sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Anforderungen berücksichtigt.
Für den Praxispartner ist der Konfigurator ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Nur durch die korrekte technische Abbildung der Preis- und Konfigurationslogik ist gewährleistet, dass Produkte wirtschaftlich tragfähig verkauft werden können. Der Konfigurator ist damit nicht nur ein funktionales Element des Shops, sondern ein integraler Bestandteil der Wertschöpfung.
Technische Umsetzung von Stornierungsprozessen
Stornierungen sind systemseitig nur möglich, solange sich eine Bestellung noch nicht in der Produktionsphase befindet. Kund:innen nehmen in diesem Fall Kontakt mit dem Shopbetreiber auf, der den Status prüft und die Stornierung im System auslöst. Die Rückerstattung erfolgt anschließend automatisiert über den Zahlungsanbieter. Diese klare technische Abgrenzung reduziert Missverständnisse und schützt den Praxispartner vor wirtschaftlichen Risiken.
Ausschluss regulärer Retouren bei konfigurierten Produkten
Da im Online-Shop ausschließlich individuell konfigurierte und maßgefertigte Produkte angeboten werden, sind reguläre Retouren ausgeschlossen. Eine Rückgabe ohne konkreten Mangel ist technisch und organisatorisch nicht vorgesehen, da die Produkte nach Kund:innenvorgaben gefertigt werden und nicht erneut verkauft werden können. Diese Einschränkung ist sowohl wirtschaftlich notwendig als auch bewusst Teil der technischen Prozessgestaltung.
Shopify bietet standardmäßig Funktionen für Retouren und Rückerstattungen an, diese wurden im Projekt jedoch nicht für reguläre Rückgaben genutzt, um falsche Erwartungen zu vermeiden. Der Retourenprozess ist somit klar darauf ausgelegt, dass Rücksendungen ohne Mangel nicht möglich sind.
Abgrenzung und Behandlung von Reklamationen
Davon klar zu unterscheiden ist der Umgang mit Reklamationen. Reklamationen beziehen sich auf beschädigte, fehlerhafte oder nicht vertragsgemäß gelieferte Produkte und stellen keinen freiwilligen Rückgabeprozess dar, sondern eine berechtigte Beanstandung seitens der Kund:innen. Für diesen Fall wurde bewusst ein separater, manuell gesteuerter Prozess vorgesehen. Kund:innen können sich bei Mängeln über E-Mail oder Kontaktformular an den Shopbetreiber wenden, woraufhin eine individuelle Prüfung des Sachverhalts erfolgt. Diese Prüfung umfasst sowohl die technische Bewertung des Mangels als auch die Klärung möglicher Ursachen, etwa Produktions- oder Transportschäden.
Die Entscheidung, Reklamationen nicht vollständig zu automatisieren, sondern manuell zu bearbeiten, dient der notwendigen Flexibilität im Umgang mit Einzelfällen. Je nach Art des Mangels können unterschiedliche Lösungen sinnvoll sein, beispielsweise eine Ersatzproduktion, eine Nachbesserung oder eine teilweise oder vollständige Erstattung. Eine starre technische Abbildung dieses Prozesses würde der Vielfalt möglicher Reklamationsfälle nicht gerecht werden und könnte zu unpassenden oder wirtschaftlich nachteiligen Entscheidungen führen.
Durch die bewusste Trennung zwischen ausgeschlossenen Retouren und individuell behandelten Reklamationen wird die technische Komplexität des Systems insgesamt reduziert, ohne die Servicequalität für Kund:innen zu beeinträchtigen. Gleichzeitig ermöglicht dieser Ansatz eine klare Kommunikation gegenüber Kund:innen und schützt den Praxispartner vor wirtschaftlichen Risiken, die durch eine unkontrollierte Rückgabe individuell gefertigter Produkte entstehen würden. Die technische Umsetzung unterstützt somit die Geschäftslogik des Praxispartners und stellt sicher, dass Sonderfälle kontrolliert, transparent und situationsgerecht behandelt werden können.
Technisches Onboarding neuer Produkte
Das Onboarding neuer Produkte erfolgt manuell im Administrationsbereich von Shopify und bildet einen zentralen Bestandteil der technischen Prozessstruktur des Online-Shops. Im Shopify-Admin werden dabei die grundlegenden Produktinformationen wie Titel, Beschreibungen, Bilder und weitere inhaltliche Daten gepflegt, die für die Darstellung der Produkte im Frontend erforderlich sind. Auch organisatorische Angaben wie steuerliche Einstellungen, Versandprofile sowie produktionsrelevante Informationen werden an dieser Stelle hinterlegt und geprüft. Diese zentrale Pflege im Administrationsbereich stellt sicher, dass alle Produkte konsistent dargestellt werden und sich nahtlos in die bestehenden Shop-Prozesse einfügen.
Die eigentliche Konfiguration der Produkte, insbesondere die Auswahl von Farben, Maßen und weiteren individualisierbaren Eigenschaften, wird hingegen nicht direkt über die Standardfunktionen von Shopify abgebildet, sondern über eine zusätzliche App realisiert, die in den Shop integriert wurde. Hierfür wurde die App „Option Calculator“ eingesetzt, die es ermöglicht, komplexe Konfigurationsoptionen sowie die damit verknüpften Preisberechnungen technisch umzusetzen. Durch diese Trennung zwischen der inhaltlichen Produktpflege im Shopify-Administrationsbereich und der technischen Konfiguration über eine spezialisierte App können die jeweiligen Funktionen gezielt genutzt und übersichtlich strukturiert werden.
Die manuelle Vorgehensweise beim Onboarding neuer Produkte ist insbesondere aufgrund der komplexen Konfigurations- und Preislogiken notwendig. Sie erlaubt es, jede neue Produktkonfiguration sorgfältig zu prüfen und sicherzustellen, dass die hinterlegten Optionen und Preisberechnungen korrekt funktionieren. Gleichzeitig ermöglicht dieser Ansatz eine kontrollierte und schrittweise Erweiterung des Sortiments, ohne bestehende Prozesse oder bereits integrierte Produkte zu destabilisieren. Die Kombination aus manueller Produktpflege im Shopify-Admin und der konfigurationsspezifischen Abbildung über „Option Calculator“ trägt somit wesentlich zur technischen Stabilität und Wartbarkeit des Online-Shops bei.
Qualitätssicherung durch Testbestellungen
Zur Qualitätssicherung wurden alle relevanten Prozesse mithilfe von Testbestellungen überprüft. Unterschiedliche Konfigurationskombinationen wurden gezielt getestet, um potenzielle Fehlerquellen in der Preisberechnung, der Bestellanlage oder der Statuskommunikation zu identifizieren. Diese Tests waren ein zentraler Bestandteil der technischen Umsetzung und stellten sicher, dass die Prozesse auch unter realistischen Bedingungen zuverlässig funktionieren.
Insbesondere bei nicht linearen Preislogiken erwiesen sich Testbestellungen als unverzichtbares Instrument. Theoretisch korrekt definierte Regeln führten in der Praxis teilweise zu unerwarteten Ergebnissen, etwa durch Grenzwerte oder seltene Konfigurationskombinationen. Durch systematisches Testen konnten diese Fälle frühzeitig identifiziert und korrigiert werden. Die Qualitätssicherung war damit nicht als einmaliger Schritt zu verstehen, sondern als iterativer Prozess, der eng mit der Weiterentwicklung des Systems verknüpft ist.
Ausblick
Lessons Learned aus der technischen Umsetzung
Im Verlauf des Projekts wurden mehrere Erkenntnisse gewonnen, die über den konkreten Anwendungsfall hinaus relevant sind. Eine zentrale Erfahrung bestand darin, dass konfigurierbare Produkte im E-Commerce eine grundsätzlich andere Herangehensweise erfordern als der Verkauf standardisierter Artikel. Viele etablierte Plattformen und Tools sind auf Skalierung und Automatisierung ausgelegt, stoßen jedoch an Grenzen, sobald individuelle Logiken, Abhängigkeiten und Prüfmechanismen notwendig werden.
Deutlich wurde zudem, dass technische Entscheidungen frühzeitig mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen verzahnt werden müssen. Insbesondere die Preislogik erwies sich als sensibler Bereich, in dem kleine technische Vereinfachungen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben können. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine zu komplexe technische Abbildung langfristig Wartungsaufwand und Fehleranfälligkeit erhöht. Die Herausforderung bestand daher darin, eine Lösung zu finden, die fachlich korrekt, wirtschaftlich tragfähig und technisch handhabbar bleibt.
Ein weiterer wichtiger Lernpunkt betrifft die Rolle manueller Prozesse. Entgegen der häufigen Annahme, dass Automatisierung grundsätzlich überlegen ist, erwies sich die bewusste Integration manueller Kontrollschritte als Qualitäts- und Sicherheitsfaktor. Gerade bei maßgefertigten Produkten kann menschliche Prüfung einen entscheidenden Beitrag zur Fehlervermeidung leisten und wirtschaftliche Risiken reduzieren. Diese Erkenntnis ist insbesondere für Projekte relevant, die zwischen Individualisierung und Skalierung vermitteln müssen.
Schließlich zeigte das Projekt, wie wichtig eine klare und transparente Kommunikation gegenüber Kund:innen ist. Technische Einschränkungen, etwa beim Ausschluss regulärer Retouren, müssen nicht nur systemseitig korrekt umgesetzt, sondern auch verständlich vermittelt werden. Die technische Prozessgestaltung kann hier unterstützen, indem sie klare Zustände und Entscheidungslogiken abbildet und damit sowohl interne Abläufe als auch externe Kommunikation vereinfacht.
Weiterentwicklung des Produktkonfigurators
Ein weiterer relevanter Aspekt betrifft die technische Weiterentwicklung des Produktkonfigurators. Zwar erfüllt der aktuell eingesetzte Konfigurator die grundlegenden Anforderungen an Konfigurierbarkeit und Preisabbildung, dennoch zeigen die Projekterfahrungen, dass insbesondere bei komplexen, nicht linearen Preisstrukturen langfristig ein erhöhter Wartungsaufwand entstehen kann. Künftige Optimierungen könnten darauf abzielen, die Preislogik modularer zu gestalten oder zusätzliche Validierungsmechanismen zu integrieren, die fehlerhafte oder unplausible Konfigurationen bereits während der Eingabe durch Kund:innen erkennen. Dadurch ließen sich potenzielle Fehlerquellen weiter reduzieren und die Systemstabilität erhöhen.
Skalierbarkeit und Effizienzsteigerung
Auch im Hinblick auf die Skalierbarkeit des Online-Shops ergeben sich aus technischer Sicht weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Mit einer wachsenden Produktpalette und steigenden Bestellzahlen wird die manuelle Prüfung jeder einzelnen Konfiguration zunehmend zeitintensiv. Perspektivisch könnte daher geprüft werden, welche Prüfschritte sich technisch standardisieren oder teilautomatisieren lassen, ohne die notwendige Kontrolle über individuelle Produktanforderungen zu verlieren. Dies erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen Effizienzgewinnen und dem Risiko fehlerhafter Automatisierung, insbesondere bei maßgefertigten Produkten.
Datengestützte Prozessoptimierung
Darüber hinaus bietet die systematische Auswertung der im Shop anfallenden Daten weiteres Optimierungspotenzial. Verkaufsdaten, Konfigurationshäufigkeiten oder Abbruchraten im Konfigurationsprozess könnten genutzt werden, um sowohl die technische Umsetzung als auch die Nutzerführung im Shop gezielt zu verbessern. So ließen sich beispielsweise besonders fehleranfällige Konfigurationsschritte identifizieren und technisch optimieren oder alternative Darstellungsformen im Frontend erproben. Auch für den Praxispartner eröffnen sich dadurch Möglichkeiten, das Sortiment und die Preisstruktur auf Basis realer Nutzungsdaten weiterzuentwickeln.
Langfristige Wartbarkeit und Weiterentwicklung
Ein weiterer technischer Ausblick betrifft die langfristige Wartbarkeit und Erweiterbarkeit des Systems. Da der Online-Shop auf einer externen Plattform basiert, ist der Praxispartner in gewissem Maße von den technischen Rahmenbedingungen und Weiterentwicklungen des Systems abhängig. Zukünftige Anpassungen der Plattform oder eingesetzter Erweiterungen können Auswirkungen auf bestehende Prozesse haben und erfordern eine kontinuierliche technische Überprüfung. Eine klare Dokumentation der bestehenden Prozesse und Konfigurationen stellt daher eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Stabilität des Systems dar.
Insgesamt zeigt der Ausblick, dass die technische Umsetzung nicht als abgeschlossener Zustand zu verstehen ist, sondern als fortlaufender Entwicklungsprozess. Die im Projekt entwickelte Lösung bildet eine belastbare Grundlage, auf der weitere technische, organisatorische und prozessuale Optimierungen aufbauen können. Gerade im Kontext konfigurierbarer Produkte wird deutlich, dass eine flexible und reflektierte Systemarchitektur entscheidend dafür ist, digitale Vertriebslösungen erfolgreich und nachhaltig zu gestalten.
Literaturverzeichnis
Kernsanierung, Raumausstattung & Immobilienverkauf Hamburg. (o. J.). hhandwerk.de. Abgerufen 27. Januar 2026, von https://hhandwerk.de/
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Kernsanierung, Raumausstattung & Immobilienverkauf Hamburg. (o. J.). hhandwerk.de. Abgerufen 27. Januar 2026, von https://hhandwerk.de/
Abbildung 2 : Produktkonfigurator der App „Option Calculator“ (eigene Darstellung).
