Social Media im Online-Fitness-Coaching: So gewinnen Coaches Klienten und binden sie langfristig


Online-Fitness-Coaching boomt: Immer mehr Menschen trainieren ortsunabhängig, suchen
individuelle Betreuung und erwarten digitale Kommunikation auf Augenhöhe. Gleichzeitig
wird der Markt deutlich kompetitiver. Viele Coaches sind sichtbar, aber nicht zwingend
strategisch. Genau hier setzt unsere Seminararbeit an: Wie können Fitness-Coaches Social
Media gezielt nutzen, um neue Klienten zu rekrutieren und bestehende zu binden?
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Social Media wirkt im Coaching nicht über einzelne „virale
Posts“, sondern prozesshaft entlang der Customer Journey – von Awareness bis Retention.
Vertrauen ist dabei die zentrale Währung (Ilina, 2015; Luo et al., 2025).

1) Social Media funktioniert im Coaching wie ein Funnel – nicht wie ein Zufallstreffer

Viele Fitness-Coaches hoffen noch immer auf den einen viralen Post, der spontan zu
Buchungen führt. Die Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild: Social Media wirkt im
Coaching-Kontext nicht punktuell, sondern schrittweise entlang der Customer Journey.
Vertrauen entsteht nicht über Nacht, sondern wird über wiederholte Kontakte aufgebaut.
Konkret bedeutet das, dass Inhalte unterschiedliche Funktionen erfüllen sollten:

  • Awareness: Sichtbarkeit, erster Kontakt, Wiedererkennung
  • Consideration: Kompetenzaufbau, Beziehung, Social Proof
  • Conversion: Lead, Erstgespräch, Angebot
  • Retention: Betreuung, Feedback, Community, Wiederbuchung


Wer alle Inhalte gleichbehandelt oder rein intuitiv postet, überspringt zentrale Phasen
dieses Prozesses. Erfolgreiche Coaches benutzen Social Media deshalb als strukturierten
Conversion-Pfad – von der ersten Aufmerksamkeit bis zur langfristigen Bindung.
Social Media ist also kein Zufallsspiel, sondern ein System. Wer die Journey bewusst
gestaltet, baut nachhaltige Nachfrage statt kurzfristiger Besuche auf.

Abbildung 1: Customer Journey Phasen

2) Welche Plattformen eignen sich für Online-Fitness-Coaching?

Viele Coaches fragen: „Soll ich Instagram, TikTok oder Facebook machen?“
Die Daten zeigen: Es gibt nicht die eine beste Plattform, entscheidend ist die Zielgruppe.
Plattformnutzung in Deutschland: Instagram vorn, TikTok wächst stark
Aktuelle Nutzungszahlen aus Deutschland (wöchentliche Nutzung) zeigen:

  • Instagram steigt stark an und liegt 2025 bei rund 40 %
  • Facebook sinkt leicht, bleibt aber relevant (2025 ca. 31 %)
  • TikTok wächst deutlich (2025 ca. 20 %)

Abbildung 2: Nutzungshäufigkeit von Social-Media-Plattformen in Deutschland (2019–2025)
Quelle: Thuy D. (2025a), Statista; Primärquelle ARD/ZDF


Noch entscheidender ist der Blick auf die Altersverteilung, denn hier unterscheiden sich die Plattformen deutlich (Thuy D., 2025b).

  • Instagram ist vor allem bei den 14–29-Jährigen stark, bleibt aber auch in der Gruppe 30–49 relevant
  • TikTok ist im Vergleich noch stärker auf jüngere Zielgruppen fokussiert
  • Facebook hingegen wird überdurchschnittlich häufig von 30–49- und 50–69-Jährigen genutzt.


Daraus folgt ganz praktisch: Die Plattformwahl sollte sich konsequent an der Zielgruppe
orientieren und nicht nur an der reinen Gesamt-Reichweite (Agrawal & Trivedi, 2021).

Abbildung 3: Plattformnutzung nach Altersgruppen (Deutschland 2025)
Quelle: Thuy D. (2025b), Statista; Primärquelle ARD/ZDF

3) Content-Formate: Short Form bringt Reichweite, Long Form bringt Tiefe

Ein besonders relevanter Befund für Coaches ist die unterschiedliche Rolle von
Videoformaten:
Short-Form (Reels/TikTok): Reichweite + Erstvertrauen
Kurzvideos sind ideal für Aufmerksamkeit, Erstkontakt und Engagement. Studien zeigen,
dass besonders Nützlichkeit, Einfachheit und Unterhaltungswert Vertrauen aufbauen und
Vertrauen wiederum die Kaufabsicht vermittelt (Luo et al., 2025). Für Fitness-Coaches
funktionieren typischerweise:

  • kurze Erklärvideos (Technik, Mythen, Fehler)
  • Snippets aus dem Alltag / Behind the scenes
  • Transformationen & Erfolgsgeschichten
  • Mini-Workouts
  • schnelle, effiziente Tipps

Long-Form (YouTube): Vertiefung zwischen Erstkontakt und Conversion
Long-Form eignet sich stärker für Kompetenznachweis und Entscheidungstiefe: Methodik,
Hintergründe, Prozesse. Gleichzeitig ist Long-Form in der Retention anspruchsvoll.
Engagement sinkt oft schon nach kurzer Zeit deutlich, weshalb Serienlogik und Interaktion
entscheidend sind (Sui et al., 2022).
➡️ Strategie: Short-Form holt Menschen in den Funnel. Long-Form vertieft und qualifiziert
Richtung Lead/Erstgespräch.


4) Organisch vs. Paid: Was wirkt besser für Kundengewinnung?


In der Praxis wird häufig diskutiert, ob organischer Content oder bezahlte Werbung „besser“
funktioniert. Die Studienlage zeigt jedoch klar: Beide Ansätze erfüllen unterschiedliche
Aufgaben innerhalb des Funnels.
Paid Advertising eignet sich vor allem zur schnellen Steigerung von Reichweite und Leads –
insbesondere in der frühen Phase der Customer Journey. Diese Effekte sind jedoch meist
kurzfristig und verlieren nach Kampagnenende deutlich an Wirkung.
Organischer Content wirkt langsamer, dafür nachhaltiger. Er stärkt Glaubwürdigkeit,
Beziehung und Vertrauen – genau jene Faktoren, die im Coaching vor einer Buchung
entscheidend sind. Über Interaktion und wiederholten Mehrwert entsteht Bindung, die sich
nicht einfach einkaufen lässt.
In der Praxis ist daher nicht die Entscheidung für einen Kanal entscheidend, sondern deren
Verzahnung: Paid Ads funktionieren am besten, wenn sie auf bereits vorhandene
Vertrauenssignale treffen, etwa durch Retargeting von Personen, die organische Inhalte
konsumiert haben.
➡️ Praxis-Takeaway: Bezahlte Werbung kann Aufmerksamkeit beschleunigen – Vertrauen
entsteht primär durch organische Inhalte.


5) Nach der Buchung zählt Betreuung: Personalisierte Nachbetreuung als Schlüssel zur
Bindung


Im Coaching entscheidet sich Loyalität nicht mehr durch Reichweite, sondern
durch wahrgenommene Prozessqualität. Personalisierte Nachbetreuung
bedeutet: digitales, individuelles Feedback und das häufig und zeitnah.
Die Literatur zeigt, dass Feedback Outcomes verbessert und die Durchhaltequote steigern
kann (Steelman et al., 2019). Besonders stark wirkt Feedback, wenn es menschlich
begleitet ist (Tate et al., 2006). Gleichzeitig kann auch skalierbares, modulares Feedback
wirksam sein, ohne proportional mehr Aufwand (West et al., 2022).
Zentrale Prinzipien personalisierter Betreuung:

  1. Orientierung an individuellen Zielen
  2. passendes und variierendes Feedback
  3. datenbasierte Anpassung (Fortschritt, Rückmeldungen)
    (Kulyk, 2014)
    Als strukturierende Hilfe lässt sich der R2C2-Leitfaden nutzen: Beziehung aufbauen →
    Reaktionen klären → Inhalt einordnen → Schritte festlegen (Lockyer et al., 2019).

Abbildung 4 : https://cfepsurveys.com.au/articles/the-four-stages-of-multi-source-feedback/7)

6) Online-Communities erhöhen Loyalität – wenn sie aktiv sind
Online-Communities können im digitalen Coaching fehlende physische Nähe kompensieren.
Sie fördern Zugehörigkeit, Motivation und sozialen Rückhalt – Faktoren, die insbesondere im
Fitnesskontext entscheidend für Durchhaltevermögen und Loyalität sind.
Allerdings zeigt sich ebenso deutlich: Communities entfalten ihren Effekt nicht automatisch.
Ohne klare Struktur, Moderation und regelmäßige Impulse droht passive Nutzung oder
vollständige Inaktivität. Entscheidend ist daher die aktive Gestaltung des Interaktionsraums.
Bewährt haben sich unter anderem:

  • Challenges und gemeinsame Ziele
  • kommentierte Fortschritts-Posts
  • gezielte Rückfragen und Moderation durch den Coach
    So wird aus einer Community kein „Zusatzkanal“, sondern ein didaktisch gestalteter Raum,
    der Motivation stabilisiert und Bindung stärkt.
    Kurz gesagt: Communities wirken dann, wenn sie geführt werden – nicht, wenn man sie sich selbst überlässt.

7) Grenzen der Evidenz & Forschungsbedarf
Viele Studien stammen nicht direkt aus Online-Fitness-Coaching, sondern aus allgemeinem
Marketing oder digitalen Gesundheitsprogrammen. Zudem sind einige Befunde korrelativ:
Zusammenhänge sind plausibel, aber Kausalität ist nicht immer eindeutig (Cordova-Buiza et
al., 2022). Plattformlogiken ändern sich zudem schnell, Ergebnisse sind teils
Momentaufnahmen (Agrawal & Trivedi, 2021).
Forschungsbedarf besteht vor allem bei:

  • „Welche Inhalte führen messbar zu Leads?“ (praxisnahe Feldstudien/A-BTests)
  • Bindung über harte KPIs (Wiederbuchung/Churn statt nur Zufriedenheit)
  • optimale Balance zwischen Personalisierung und Skalierung in der Betreuung
    Fazit: Erfolgreich sind Coaches, die Akquise und Bindung als System denken
    Die zentralen Befunde lassen sich in einem Satz bündeln:
    Social Media funktioniert im Online-Fitness-Coaching am besten, wenn Coaches es als
    integriertes System entlang der Customer Journey nutzen – mit zielgruppengerechter
    Plattformwahl, einem Mix aus Short- und Long-Form-Content sowie konsequenter
    Betreuung und Community für Retention.

Literatur

  1. Agrawal, P., & Trivedi, B. (2021). Social media platforms for digital marketing.
  2. Asante, I. O., Jiang, Y., Luo, X., & Ankrah Twumasi, M. (2022). The organic marketing nexus:
  3. The effect of unpaid marketing practices on consumer engagement. Sustainability, 15(1),
  4. https://doi.org/10.3390/su15010148
    Cordova-Buiza, F., Urteaga-Arias, P. E., & Coral-Morante, J. A. (2022). Relationship between
    social networks and customer acquisition in the field of IT solutions. IBIMA Business Review,
    1–10. https://doi.org/10.5171/2022.631332
    Dai, W., & Luca, M. (2017). Effectiveness of paid search advertising: Experimental
    evidence. Harvard University. http://nrs.harvard.edu/urn-3:HUL.InstRepos:30013618
    Ilina, A. (2015). Social media marketing strategies for customer retention in fitness
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    Kulyk, O. (2014). Personalized virtual coaching for lifestyle support: Principles for design and
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    Lockyer, J. M., Armson, H. A., Könings, K. D., Zetkulic, M., & Sargeant, J. (2019). Impact of
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    Thuy D. (2025a). Nutzung von Social-Media-Plattformen in Deutschland 2019–
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    Thuy D. (2025b). Anteil der Nutzer von Social-Media-Plattformen nach Altersgruppen
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